Meerschweinchen an die Leine nehmen: Das Meerschweinchengeschirr - Haustiere

Tierhaltung: Meerschweinchen an der Leine zu führen scheint ein Bedürfnis der Halter zu sein. Doch ein Meerschweinchengeschirr ist vor allem: Tierquälerei!

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Fluchttiere gehören an keine Leine

Meerschweinchen Geschirr / Leine

in Meerschweinchen Zubehör

Das wichtigste gleich zu Beginn: Meerschweichen gehören einfach nicht an die Leine! Die als „Meerschweinchengeschirr“ oder „Meerschweinchen Leine“ beworbenen Artikel sind vor allem eins: Tierquälerei. Wir erklären gerne warum:

Fluchttiere gehören nicht an die Leine

Damit ist eigentlich schon alles gesagt. Anders als bei Hunden müssen sie auch nicht austreten um z.B. ihren Kot abzusetzen oder ihr Revier abzustecken. Meerschweinchen an die Leine zu nehmen ist schlicht Tierquälerei und sollte von keinem verantwortungsbewusstem Halter ernsthaft in Erwägung gezogen werden, ganz gleich mit welchen tollen Eigenschaften ein solches Geschirr für Meerschweinchen auch beworben wird. Dem Meerschweinchen ein Geschirr umzulegen ist immer das Resultat irgendeines wirren Wunsches des Halters, sei es „weil es doch so süß ist“ oder „man dem Meerschweinchen Auslauf geben will„, aber es ist niemals die Intention des Meerschweinchens selbst Gassi gehen zu wollen. Artgerecht gehaltene Meerschweinchen bekommen ihren Auslauf ohnehin in ihrem gewohnten Umfeld und haben gar kein Interesse daran diese Umgebung zu verlassen.

Meerschweinchengeschirr unterstützt nicht die Agilität

Der Nutzen einer Leine wird auch häufig durch Fehlinterpretation gestützt. So wird immer wieder argumentiert, dass Meerschweinchen an der Leine sich äußerst agil zeigen und intensiv ihrem Laufbedürfnis nachgehen. Das ist irreführend! Richtig ist, dass ein in ein Meerschweinchengeschirr gepresstes Meerschweinchen ja deshalb ihre Leine bekommen, gerade weil sie aus ihrem gewohnten Umfeld heraus genommen werden. Sind nun diese Meerschweinchen in einer ihr ungewohnten Umgebung ist ihre Agilität kein Zeichen von Zufriedenheit oder dem Nachgehen ihres Laufbedürfnisses, sondern schlicht Angst oder gar Panik und der Suche nach einem Unterschlupf, den der Halter zu allem Übel durch die Leine auch noch untersagt.

Agilität und ein Laufbedürfnis auf Grundlage von Angst und Panik ist vor allem eins: schädlich und Tierquälerei!

Stabiles Geschirr, oder: Den Greifvogel im Nacken

Es gibt leider auch noch immer Meerschweinchengeschirr, welches nicht nur über 2 relativ dünne Nylonschnuren verfügt in denen sich Meerschweinchen in Panik strangulieren können, sondern gleich am vorderen oberen Teil ihres Körpers komplett umschlossen werden. Dies soll die „Sicherheit erhöhen“ und den Meerschweinchen das Geschirr „angenehmer“ machen. Deshalb werden diese Artikel auch als „Softgeschirr“ oder ähnlich beworben. Doch sind diese nicht minder Tierquälerei. Im Gegenteil, denn erschwerend kommt hinzu, dass diese Form des Geschirrs den Meerschweinchen das Gefühl geben kann, von einem Greifvogel gepackt worden zu sein. Deshalb ist häufiger zu lesen, dass die in diesem Geschirr nicht so gut laufen wollen. Kein Wunder, denn richtig ist hier: Es ist nicht so dass sie nur keine Lust auf ein solches Geschirr haben, viel mehr verfallen Meerschweinchen instinktiv in Schockstarre wenn sie das Gefühl haben von ihrem größten natürlichen Feind gepackt worden zu sein – dem Greifvogel. Ein solches Softgeschirr versetzt das Meerschweinchen also mitunter ganz soft in Todesangst.

Probleme und Folgen einer Meerschweinchen Leine

Schwierigkeiten in Bezug auf ein Meerschweinchengeschirr sind gibt es viele, deshalb führen wir hier nur die relevantesten auf:

  • Strangulationsgefahr
  • sehr hohes Stresslevel
  • plötzlicher Herztod in Folge von Panik
  • Ausbruch von Parasiten durch Stress

Wie immer auch so ein Meerschweinchengeschirr beworben wird, und welche Intention man auch immer verfolgt eine solche Leine zu kaufen: Das beste für das Meerschweinchen ist, von solchen Systemen großen Abstand zu nehmen und sich von dem Gedanken zu verabschieden ein Meerschweinchen wäre ein Hund.

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5 Kommentare für Meerschweinchen Geschirr / Leine


  • Rita Bruckner sagt:
    15. Mai 2015 um 18:06 | » Antworten

    hallo liebes Team von Meerschweinchenwelt,

    euer Artikel über die Meerschweinchen an der Leine hat mir sehr gut gefallen.
    Meine Erfahrungen damit sind die selben. Da sich mein Meeri immer gegen das Geschirr weigerte, brachte ich ihm deshalb bei, mir nachzulaufen bzw. zu mir zu kommen wenn ich es rief. Das funktionierte immer am besten, wenn sie wussten, dass ich ein stückchen Karotte, Gurke, Apfel etc. eben irgendein Leckerli für sie bereithielt.
    Tatsache ist, dass Meerschweinchen zwar etwas stur jedoch sehr klug sind.

    Liebe Grüße

  • Hallo, liebes Team,
    Wir wollen uns zwei Meerschweinchen anschaffen. In welcher Geschlechterkonstellation kann dies empfohlen werden?
    Liebe Grüße

    • Hallo,

      im Prinzip ist jede Kombination denkbar: zwei Weibchen, zwei Männchen oder ein ein Kastrat mit einem Weibchen. Wchtig zu wissen: reine Bcokgruppen brauchen mehr Platz als gemischte oder Weibchengruppen.

      Ich rate gerne zu einer Dreiergruppe (nur Weibchen, nur Böcke oder ein Kastrat mit zwei Weibchen), diese Gruppen sind etwas lebhafter und munterer als eine Zweierkombination und wenn ein Meerschweinchen verstirbt hat man nicht die Not sofort ein neues hinzuzusetzen, da immer noch zwei Tiere übrig sind.

      Viele Grüße
      Nadine

  • MeerliMummy sagt:
    6. April 2016 um 15:49 | » Antworten

    Fluchttiere gehören nicht an die Leine.

    Hmmmm

    Pferde, Esel, Ziegen, Kühe, Lamas, uswuswusw sind demnach also Raubtiere. Und MEINE Meerlies Lieben ihre „Gassi“Gänge und kommen schon wie die bekloppten ans Gehege sobald ich das Geschirr in die Hand nehme. Was mir an eurem Artikeln oft nicht gefällt ist die zu allgemeine Auslegung und man merkt oft die persönliche Einstellung zum Thema ohne Ausnahmen zuzulassen oder gar mal über den Tellerrand hinaus zu blicken. Oft wird dem Halter ein schlechtes Gewissen eingeredet.
    So nach dem Motto „also das sollte man sich als kluger Mensch schon denken können“ Vieles kann ich nachvollziehen aber ihr übertreibt bei einigen Sachverhalten auch enorm

    • Natürlich sind die von Dir aufgezählten Tiere keine Raubtiere, und es finden sich durchaus auch für diese gute Gründe sie nicht anzuleinen. Das Thema ist gerade bei Kühen sogar sehr aktuell. Wir kommen aus dem Bergischen Land, und hier stehen die Pferde, Kühe, Esel, Ziegen, Gänse und Hühner auf großen Wiesen, Weiden und Gehegen und können sich frei bewegen. Das ändert man höchstens, wenn man den Ertrag steigern will und das Hähnchen für 1€/100g durchdrücken muss – aber das hat nichts mit Tierwohl zu tun.

      Das Problem mit den Ausnahmen ist, dass sie geneigt sind sie für sich selbst zu beanspruchen um die eigene Handlung zu rechtfertigen. Plakatives Beispiel: Helmut Schmidt wurde als starker Raucher sehr alt, und immer wieder hört man das Argument, dass es deshalb so schlimm ja nicht sein kann und viele Raucher beanspruchen für sich ein Helmut Schmidt zu sein. Das beruhigt und die Ausnahme führt jede Statistik ad absurdum, aber am Ende stirbt der Raucher eben in der Regel doch deutlich früher und altert schneller.

      Deshalb bleiben wir bei der Regel, die oftmals Grundlage unserer persönlichen Einstellung zur Sache ist.

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