Irrtümer über Meerschweinchen

Nur weil es gedruckt ist wird es nicht wahrer

Mythen und Fakten über Meerschweinchen

in Meerschweinchen Haltung

Als uns vor einiger Zeit ein Kinderbuch in die Hand fiel, in dem Kindern verschiedene Haustiere vorgestellt wurden, reifte schnell der Gedanke einen separaten Artikel zu den Mythen über Meerschweinchen und die Haltung von Meerschweinchen zu veröffentlichen, weil leider auch in diesem recht aktuellen Buch noch immer diverse Mythen als Fakten verkauft standen. Aber nur weil es geschrieben ist, ist es natürlich noch lange nicht wahr. Und insgeheim, nach all den Jahren und vielzähliger Literatur die uns in die Hände fiel, sind wir überzeugt davon dass gerade in den Kinderbüchern die Inhalte unreflektiert voneinander abgeschrieben, mit Bildern versehen und neu veröffentlicht werden. So tragen sich viele Mythen einfach immer weiter. In diversen Artikeln im Ratgeber werden diese Mythen immer wieder behandelt und die Irrtümer einzeln besprochen. In diesem Artikel möchten wir die schlimmsten Mythen über Meerschweinchen und deren Haltung einmal zusammenfassen.

Mythen Falschbehauptungen zu Meerschweinchen

  1. Meerschweinchen können alleine gehalten werden
  2. Meerschweinchen sind anspruchslos
  3. Meerschweinchen und Kaninchen sind ideale Partner
  4. Meerschweinchen lieben es gestreichelt zu werden
  5. Meerschweinchen sind ideale Kindertiere
  6. Trockenfutter / Pellets enthält alles, was notwendig ist
  7. Brot ist gut für die Zähne
  8. Meerschweinchen benötigen kein Wasser
  9. Kastrierte Böcke stinken nicht und werden ruhiger
  10. Weibchen sollen Nachwuchs austragen

1.) Meerschweinchen können alleine gehalten werden

Das scheint auch ziemlich bequem für den Halter oder die Eltern des jungen Halters. Ein kleiner Käfig, ein kleiner Tier, wenig Ärger, und das quengelnde Kind hat ein Haustier um Verantwortung zu lernen. Aus den Augen, aus dem Sinn. Dabei zeigen die Eltern deren eigene Verantwortungslosigkeit, sich nicht ausreichend über ihre Handlung informiert zu haben. Meerschweinchen sind Rudeltiere und dürfen nicht einzeln gehalten werden – und erst recht nicht in einem viel zu kleinen Käfig am falschen Platz im Haus. Auch wenn sich das Kind (zu Beginn) oder man sich selbst viel mit dem Tier beschäftigt, ersetzt ein Mensch niemals einen Artgenossen und derart gehaltene Tiere verarmen an sozialem Verhalten. Die nach eigenem Empfinden und eigener Erfahrung höhere bzw. frühere Sterblichkeit von Meerschweinchen in Einzelhaltung ist ebenfalls auffällig hoch genug, um davon Abstand zu nehmen.

Weitere Informationen: Meerschweinchen sind Rudeltiere

2.) Meerschweinchen sind anspruchslos

Möglicherweise ist es auch nur ein Verständnisproblem, doch viele neue Halter von Meerschweinchen mögen sich wundern welche Ansprüche die Haltung plötzlich doch stellt, wenn die Tiere erstmal neue Mitbewohner geworden sind, denn: Meerschweinchen sind nicht anspruchslos! Im Gegenteil ist die Haltung von Meerschweinchen sogar aufwändiger als bei vielen anderen Nagetieren. Richtig ist allerdings, dass die Haltung bezogen auf die notwendige Zuwendung anspruchsloser ist, wenn man sie z.B. mit der Haltung von Hunden vergleicht – das macht die Haltung aber noch lange nicht anspruchslos!

Verglichen mit dem Hund stellen sich sogar viele Ansprüche, die man zunächst vielleicht gar nicht sieht: Meerschweinchen produzieren durch Einstreu eine gehörige Menge an Abfall, der vernünftig entsorgt werden will, und kein Körbchen für den Schlaf reicht den Meerschweinchen als Platzangebot längst nicht aus.

Weitere Informationen: Käfighaltung von Meerschweinchen

3.) Meerschweinchen und Kaninchen sind ideale Partner

Es hätte ja so schön sein können: Gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Das Kind bekommt mit einem Meerschweinchen und einem Kaninchen gleich zwei Tiere die sich gut verstehen, das gleiche Futter essen, sich nicht gegenseitig schwängern können und beide müssen nicht alleine sein. Allerdings ist bei diesem Mythos eher der Wunsch der Vater des Gedankens. Meerschweinchen und Kaninchen sind zwei grundverschiedene Tiere mit unterschiedlichen Bedürfnissen, unterschiedlicher Körpersprache und Lautsprache und darüber hinaus auch körperlich ein ungleiches Paar. Das einzig richtige Argument ist, dass sie sich gegenseitig schwängern können (Auch da gibt es regelmäßig vor allem auf facebook urban-legends, die eine Kreuzung aus Meerschweinchen mit Kaninchen zeigen). Das einzige, was Meerschweinchen und Kaninchen in gemeinsamer Haltung sind, ist gemeinsam einsam zu sein. Man kann auch soweit gehen zu sagen: Meerschweinchen und Kaninchen zusammen zu halten ist Tierquälerei, und nur weil durch ihr sanftes Gemüt beide Tiere ihr Schicksal stumm ertragen, heißt dass nicht, dass diese Haltungsform in Ordnung ist.

Weitere Informationen: Meerschweinchen und Kaninchen

4.) Meerschweinchen werden gerne gestreichelt

Dieser Mythos ist durch zwei wesentliche Punkte begründbar. Zum einen verfallen Meerschweinchen, sobald sie durch die Hand des Menschen aufgegriffen wurden, manchmal in eine Schockstarre. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, immerhin verhält sich der Greifvogel als natürlicher Feind des Meerschweinchens exakt so, wie dies unbedarfte Halter auch tun: Sie kommen und packen das Meerschweinchen von oben und ziehen es hoch. Zum anderen ist hier auch wieder der Wunsch der Vater des Gedankens. Es ist wohl ein menschliches Bedürfnis den knuddeligen Meerschweinchen Aufmerksamkeit zu schenken. Aber es ist keine Aufmerksamkeit, die Meerschweinchen irgendwie schätzten, denn Meerschweinchen sind keine Kuscheltiere und möchten nicht hochgenommen, nicht gedrückt und nicht gestreichelt werden. Immerhin: Gefühlt nimmt die Zahl an Büchern, dessen Cover kleine Mädchen knuddelnd mit Meerschweinchen zeigen ab. Das ist immerhin ein Anfang diesen Mythos nicht unterschwellig noch zu befeuern. Meerschweinchen möchte nicht kuscheln, weder mit dem Menschen, noch mit Artgenossen. Im Käfig liegen Meerschweinchen stets nur in Sichtweite. „Kuscheln“ Meerschweinchen im Käfig ist das ein relativ sicheres Indiz dass etwas nicht stimmt. Sei es, dass sie Angst haben, es zu kalt ist, es Rangstreitigkeiten gibt oder eine Erkrankung innerhalb der Gruppe vorliegt.

Weitere Informationen: Meerschweinchen sind keine Kuscheltiere

5.) Meerschweinchen sind ideale Kindertiere

Gerade durch den Mythos dass Meerschweinchen anspruchslos und darüber hinaus auch ziemlich robust wären, nährt sich der auch viel zu häufig gehörte und gelesene Mythos, dass sie die idealen Kindertiere wären. Richtig ist, dass Meerschweinchen älter als z.B. Hamster werden und das Kind eine tiefere emotionale Bindung zum Tier aufbauen kann. Allerdings ist das Kinderzimmer der falsche Ort für den Meerschweinchenkäfig und Meerschweinchen nur bedingt für Kinderhände geeignet.

6.) Trockenfutter / Pellets enthält alles, was notwendig ist

Trockenfutter und Pellets sind Futter, die ursprünglich nur in der Tiermast eingesetzt wurden, um die Tiere schnell zu mästen. Beim Trockenfutter geht es bis heute nicht um eine gesunde, ausgewogene Ernährung (und vermutlich auch nicht um eine leckere!). Unmittelbar und indirekt verursachte Erkrankungen in Folge der ausschließlichen Fütterung mit Trockenfutter treten bei Masttieren in der Regel gar nicht auf, da sie vor Ausbruch der Erkrankung oder unangenehmen Begleitsymptomen schon geschlachtet wurden. Dem Meerschweinchen als Haustier möchte man aber gerne ein langes Leben ermöglichen, weshalb man dem Mythos der Futterindustrie, Trockenfutter wäre ein ideales Alleinfutter (oder überhaupt eine gute Ernährung), keine Beachtung schenken sollte.

Weitere Informationen: Trockenfutter für Meerschweinchen

7.) Brot ist gut für die Zähne

Trockenes Brot oder Trockenfutter wird gerne als besonders geeignet für den Zahnabrieb bei Meerschweinchen angegeben. Diese Annahme ist falsch. Im Gegenteil kann Brot oder Trockenfutter sogar gefährlich für die Zähne werden, da die Zähne splittern bzw. brechen können spitze Stellen an den Zähnen verursachen, die die Zunge verletzen, woraufhin das Meerschweinchen die Nahrungsaufnahme einschränken oder ganz einstellen könnte. Harte Nahrung wie Brot wird von Meerschweinchen nur mit den Schneidezähnen zerbissen und geschluckt. Für den Zahnabrieb ist es allerdings nötig dass Meerschweinchen ihr Essen kauen und mahlen. Dafür ist und bleibt Heu das Mittel der Wahl. Das Meerschweinchen ist nicht die Biotonne der häuslichen Küche sondern hätte ebenso gerne wie jedes andere Lebewesen eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung – und das mehrmals täglich!

Weitere Informationen: Futterliste für Meerschweinchen

8.) Meerschweinchen benötigen kein Wasser

Der Mythos wird seinen Ursprung darin haben, dass viele Meerschweinchen tatsächlich wenig trinken. Bei ausreichend abwechslungsreicher Ernährung nimmt das Meerschweinchen auch viel Wasser über das Futter auf. Dennoch ist das Meerschweinchen ein Säugetier und muss immer die Möglichkeit haben frisches Wasser zu trinken.

Weitere Informationen: Meerschweinchen brauchen Wasser

9.) Kastrierte Böcke stinken nicht und werden ruhiger

Immer wieder ist zu lesen, dass man das Geruchsproblem einfach beseitigen könne, in dem man den Bock kastriert. Das lässt sich so pauschal nicht sagen, und häufig sind die unangenehmen Gerüche ohnehin eher auf eine mangelhafte Hygiene im Käfig zurück zu führen, weil er nicht ausreichend oft ausgemistet wird (Meerschweinchen sind anspruchslos?).
Bei ausreichender Hygiene des Meerschweinchens durch Reinigung der Perinealtasche kann man viele als unangenehm empfundene Gerüche beim Meerschweinchen Bock stark einschränken.
Vor allem in Bockgruppen wird zudem häufig, wenn es zu Auseinandersetzungen kommt, zur Kastration geraten. Hier wird ein bekanntes Verhalten z.B. von Hunden auf Meerschweinchen projiziert. Aber Meerschweinchen sind eben keine Hunde und eine Kastration ändert an dem Verhalten der einzelnen Tiere untereinander wenig und das kastrierte Tier wird sein dominantes oder streitsüchtiges Verhalten nicht ablegen. Eine Kastration von Meerschweinchen Böcken ist unter vielen Gesichtspunkten aber dennoch ratsam.

Weitere Informationen: Kastration von Meerschweinchen

10.) Weibchen sollten Nachwuchs austragen

Das ist fast schon ein kreationistischer Ansatz und spielt vor allem den Haltern in die Hände, die sich häufig gerne genau dann ein paar kleine Meerschweinchen wünschen, wenn das Muttertier langsam ausgewachsen ist und nicht mehr so putzig wie früher. Angeführt wird, dass wenn Meerschweinchen in ihrem Leben einmal Junge bekommen haben, sie einen besseren natürlichen Schutz vor Zysten oder gar karzinogenen Veränderungen der Gebärmutter haben. Unsere Frage hierzu: Wo ist der Nachweis? Bis heute ist uns keine Studie oder Facharbeit bekannt, die diesem Mythos irgendeine Haltbarkeit gibt. Im Gegenteil erhalten wir aber viele Nachrichten über diese Seite, dem Forum oder auf facebook von Haltern, deren Weibchen an einer der Krankheiten leiden, gegen die eine Schwangerschaft schützen soll, sie aber genau mit diesen Krankheiten zu kämpfen haben.

Weitere Mythen und Legenden zu Meerschweinchen

Es gibt eine ganze Reihe weiterer Mythen zu Meerschweinchen und deren Haltung. Allen ist gemein: Sie sind falsch!

  • Bei der Eingewöhnung keine Versteckmöglichkeiten anbieten. Falsch!
  • Bei der Eingewöhnung nur Heu füttern. Falsch!
  • Meerschweinchen halten andere Tiere fern. Falsch!
  • Meerschweinchen schützen andere Tiere vor Krankheiten. Falsch!
  • Meerschweinchen wissen selbst am besten, was sie fressen dürfen. Falsch!
  • Weibchen vertragen sich immer. Falsch!
  • Böcke vertragen sich nie. Falsch!
  • Meerschweinchen hören auf ihren Namen. Falsch!

Kennt ihr auch solche Legenden? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

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