Unter der Fülle an erhältlichen Meerschweinchen-Büchern muss man leider noch immer genau hinsehen, bis man wirklich fundierte Literatur findet. Aber es gibt sie. Gute Bücher erkennt man nicht daran, dass sie niedlich bebildert sind, sondern daran, dass sie die Bedürfnisse der Tiere ernst nehmen.
Gute Bücher, schlechte Bücher
Die Ratgeber, die es in Zoogeschäften und Buchhandlungen gibt, informieren leider oft nicht ausreichend oder sogar falsch. In ihnen sind Aussagen zu finden wie:
Meerschweinchen und Kaninchen verstehen sich prächtig. Sie zusammen zu halten befriedigt das Bedürfnis der Tiere nach Gesellschaft und schützt vor ungewolltem Nachwuchs.
Eine für Tiere beider Gattungen katastrophale Aussage. Sicher können Kaninchen und Meerschweinchen in einem sehr großen Gehege nebeneinander leben, aber nur jeweils mit einem gleichartigen Partner, also mindestens zwei Meerschweinchen und zwei Kaninchen. Auch das nur bei genügend Platz, damit sich beide Arten ausreichend aus dem Weg gehen können. Das weiß man spätestens, wenn man sich etwas intensiver mit der Haltung auseinandergesetzt hat.
Uns ist vollkommen schleierhaft, abgesehen davon, dass solche Bücher offenbar manchmal schnell aus schon existierender Literatur zusammengeschrieben werden, wie man so etwas ernsthaft noch immer drucken kann.
Ein weiterer beschämender Evergreen ist:
Ein Meerschweinchen sollte kein Haus haben, darin versteckt es sich nur und wer will ein Tier, dass sich nur versteckt.
Natürlich braucht ein Tier einen Ort zum Zurückziehen, vor allem ein Fluchttier wie das Meerschweinchen.
Ein Käfig (1 m x 50 cm) ist ausreichend für zwei Meerschweinchen.
Nein, das ist er nicht. Er ist viel zu klein. Man sollte überhaupt die Frage aufwerfen, ob zwei Tiere bereits ernsthaft ein Rudel darstellen.
Diese Liste könnten wir um viele Beispiele erweitern. Doch darum geht es nicht. Mit diesen drei Beispielen wollten wir nur einen kleinen Einblick in das geben, was von sogenannten Ratgebern den Tierbesitzern als richtige und artgerechte Haltung verkauft wird. Leider bedeuten solche Empfehlungen oft Leid für die Tiere, wenn sich die Besitzer nicht weiter erkundigen, sondern sich auf die Aussagen dieser Bücher verlassen. Verständlich ist das schon, denn es steht ja schließlich im Tierratgeber.
Tatsächlich sind die unserer Auffassung nach wirklich guten Bücher noch immer rar gesät. Aber es gibt sie.
Woran man gute Meerschweinchen-Bücher erkennt
- Ein gutes Buch empfiehlt keine Einzelhaltung und ersetzt Meerschweinchen nicht durch Kaninchen.
- Es nimmt Platzbedarf, Rückzug, Gruppenhaltung und Beschäftigung ernst.
- Es erklärt Ernährung ohne Trockenfutter- und Leckerli-Werbung als Grundlage.
- Es macht deutlich, wann ein Tierarztbesuch nötig ist.
- Es unterscheidet zwischen persönlicher Erfahrung, praktischer Empfehlung und belegbarem Fachwissen.
Unsere Buchempfehlung
Nach langem Suchen fiel unsere Empfehlung besonders deutlich auf Ruth Morgeneggs Artgerechte Haltung, ein Grundrecht auch für Meerschweinchen. Das Buch ist nicht deshalb wertvoll, weil wir jeder einzelnen Einschätzung folgen würden, sondern weil es Haltung aus Sicht der Tiere denkt und viele veraltete Ratschläge klar zurechtrückt.
0 Kommentare
Fragen, Erfahrungen und Ergänzungen zum Artikel sind willkommen. Antworten bleiben hierarchisch unter dem jeweiligen Kommentar sichtbar.