Meerschweinchen sind keine Hunde

Rufbarkeit von Meerschweinchen

Meerschweinchen koennen ein Rufsignal mit einer Belohnung verbinden. So gelingt freundliches Training, ohne das Tier zu bedraengen.

Wenn man ein Meerschweinchen bei seinem Namen ruft, wäre es natürlich schön, wenn genau dieses Tier reagiert. Das kann klappen. Entscheidend ist aber weniger, ob das Meerschweinchen seinen Namen wie ein Mensch versteht, sondern ob es einen bestimmten Laut wiedererkennt und mit einer Erfahrung verbindet.

Meerschweinchen hören gut und nehmen auch höhere Frequenzen wahr, die für Menschen nicht mehr hörbar sind. Vor allem reagieren sie sehr aufmerksam auf vertraute Geräusche: die Kühlschranktür, das Rascheln einer Tüte oder Schritte vor dem Gehege. Und manchmal reicht schon das Umdrehen des Schlüssels in der Wohnungstür, damit die Meerschweinchen im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Häuschen sind.

Hören Meerschweinchen auf ihren Namen?

Meerschweinchen können lernen, auf ein wiederkehrendes Wort oder Geräusch zu reagieren. Ob sie dabei den eigenen Namen von ähnlich klingenden Namen sicher unterscheiden, hängt vom einzelnen Tier und vom Training ab. In einer Gruppe aus Lissi, Trissi, Kissi und Sissi werden anfangs vermutlich alle Tiere aufmerksam – oft reagieren sie auf die vertraute Stimme, die Tonlage und die Erwartung von Futter.

Ein kurzes, deutliches Rufsignal ist leichter gleichbleibend auszusprechen als ein langer Name. Das kann der Name sein, ein Wort wie „Komm“ oder ein leises Geräusch. Wichtig ist, immer dasselbe Signal zu verwenden.

Meerschweinchen sind lernfähig

Meerschweinchen verbinden Ereignisse miteinander. Folgt auf ein Geräusch regelmäßig etwas Angenehmes, wird dieses Geräusch zum Hinweisreiz. Genau so entsteht die Begeisterung für Kühlschranktüren und Futtertüten – meistens, ohne dass der Halter bewusst trainiert hätte.

Dabei sind die Tiere unterschiedlich. Manche kommen nach wenigen Wiederholungen, andere bleiben vorsichtig und brauchen deutlich länger. Ein zurückhaltendes Tier ist weder dumm noch stur. Als Fluchttier muss ein Meerschweinchen Sicherheit höher bewerten als unseren Wunsch nach einer schnellen Reaktion.

Ein Rufsignal freundlich trainieren

  1. Wählt ein kurzes Signal und sprecht es jedes Mal möglichst ähnlich aus.
  2. Beginnt in einer ruhigen Umgebung und aus kurzer Entfernung.
  3. Gebt unmittelbar nach dem Signal ein kleines Stück des gewohnten Frischfutters.
  4. Wiederholt die Übung kurz und ohne Druck. Mehrere Sekunden reichen.
  5. Vergrößert die Entfernung erst, wenn das Tier zuverlässig aufmerksam wird oder herankommt.

Ruft ein Tier nicht, sollte man es weder verfolgen noch greifen. Das Rufsignal soll Sicherheit ankündigen und nicht das Ende der Freiheit. Für notwendiges Umsetzen kann ein vertrauter Tunnel oder eine Transportbox trainiert werden; das ist für viele Meerschweinchen angenehmer als eine Hand von oben.

Bei mehreren Tieren lässt sich mit etwas Geduld einzeln üben. Dass trotzdem die ganze Gruppe erscheint, ist kein Trainingsfehler. Meerschweinchen beobachten einander sehr genau – und gegen die Aussicht auf Futter lässt sich schwer argumentieren.

Rufbarkeit hat Grenzen

Ein trainiertes Rufsignal ist praktisch, etwa bei der täglichen Kontrolle oder im gesicherten Auslauf. Es ist jedoch kein verlässlicher Schutz in einer Gefahrensituation und kein Grund für ungesicherten Freilauf. Erschrickt ein Meerschweinchen, kann sein Fluchtverhalten stärker sein als jedes gelernte Signal.

Auch Einzelhaltung ist kein Trainingsmittel. Ein allein lebendes Meerschweinchen kann stärker auf Menschen fixiert wirken, doch der Mensch ersetzt keinen Artgenossen. Meerschweinchen brauchen Gesellschaft; ein lernfreudiges, menschenbezogenes Tier darf deshalb trotzdem in einer passenden Gruppe leben.

Austausch

2 Kommentare

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  1. Hallo,

    Mein älteres Weibchen brommselt in letzter Zeit die das jüngere Weibchen massiv an. Die kleine weiß sich manchmal kaum zu wehren. Die große (Snoopy) wird richtig massiv und zeigt das typische verhalten eines böckchens. Die jüngere (Emma) wird regelrecht von ihr gejagt und piepst dabei ängstlich. Jedenfalls interpretiere ich es so. Was kann ich tun?

    LG Renate

    1. Hallo Renate,

      manchmal zeigen Weibchen mit Eierstockzysten eine solche Verhaltensänderung. Am besten gehst Du zu einem kleintiererfahrenenen Tierarzt und lässt das abklären.

      Viele Grüße
      Nadine

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