Meerschweinchen pflegen einen großen Teil ihres Fells selbst. Die Aufgabe des Menschen besteht deshalb nicht in einem umfangreichen Schönheitsprogramm, sondern in regelmäßiger Kontrolle und gezielter Hilfe. Krallen, langes Fell und empfindliche Körperbereiche brauchen je nach Tier Aufmerksamkeit. Ruhiges Vorgehen macht die Pflege für beide Seiten leichter.
Kontrolle statt unnötiger Pflegeroutine
Beim wöchentlichen Gesundheitscheck lässt sich erkennen, ob eine Pflegemaßnahme nötig ist. Dabei werden Gewicht, Fell, Haut, Augen, Nase, Zähne, Krallen und Körperöffnungen angesehen. Veränderungen wie Knoten, Wunden, Schuppen, nässende Stellen oder Schmerzen gehören nicht einfach „weggepflegt“, sondern tierärztlich abgeklärt.
Meerschweinchen sollten nur so lange wie nötig festgehalten werden. Dabei können eine rutschfeste Unterlage und eine zweite Person gerade am Anfang helfen. Wer unsicher ist, lässt sich die Handgriffe in einer meerschweinchenerfahrenen Tierarztpraxis zeigen. Das ist sicherer, als mit Schere oder Krallenzange zu experimentieren.
Krallen schneiden
Auf weichem Untergrund nutzen sich Krallen oft nicht ausreichend ab. Werden sie zu lang, verändern sie deshalb die Stellung der Zehen und können das Laufen behindern. Wie häufig das Krallenschneiden nötig ist, unterscheidet sich von Tier zu Tier.
Im Inneren der Kralle verlaufen Blutgefäße und Nerven. Bei hellen Krallen sind sie meist gut zu erkennen, bei dunklen dagegen deutlich schwerer. Geeignetes Werkzeug kürzt die Kralle in kleinen Schritten. Bei sehr langen, verdrehten oder verletzten Krallen übernimmt die Praxis die Versorgung.
Fellpflege bei kurzen und langen Haaren
Kurzhaarige Meerschweinchen benötigen normalerweise kein regelmäßiges Bürsten. Während des Fellwechsels lassen sich lose Haare vorsichtig entfernen, sofern das Tier dies duldet. Verklebtes, schuppiges oder ausfallendes Fell kann dagegen ein Krankheitszeichen sein.
Bei Langhaartieren ist die Fellpflege aufwendiger. Das Haar bleibt deshalb so kurz, dass das Tier sehen und laufen kann und das Fell weder über den Boden schleift noch im Afterbereich verschmutzt. Filzstellen sollten nicht dicht an der empfindlichen Haut herausgeschnitten werden. Im Zweifel ist fachkundige Hilfe die bessere Wahl.
Perinealtasche und Kaudaldrüse
Vor allem bei älteren Böckchen kann sich in der Perinealtasche Sekret oder Schmutz sammeln. Deshalb wird dieser Bereich nur nach Bedarf und besonders behutsam kontrolliert und gereinigt. Starker Geruch, Entzündung, Schwellung oder Schmerzen sind Gründe für einen Tierarztbesuch.
Auch die Kaudaldrüse am hinteren Rücken kann bei einzelnen Tieren fettig oder verklebt wirken. Aggressives Reiben reizt jedoch die Haut. Sanfte Reinigung und die Abklärung auffälliger Veränderungen sind hier wichtiger als kosmetische Perfektion.
Baden nur mit medizinischem Grund
Ein gesundes Meerschweinchen braucht kein routinemäßiges Bad. Wasser, ungewohnte Umgebung und Auskühlung verursachen Stress. Ist wegen einer starken Verschmutzung oder einer tierärztlichen Behandlung eine Wäsche erforderlich, wird deshalb nur der betroffene Bereich gereinigt und anschließend sorgfältig warm und trocken gehalten. Mehr dazu steht unter Meerschweinchen baden.
Auch Streicheln gehört nicht automatisch zur Pflege. Manche Tiere akzeptieren vorsichtige Berührung, andere möchten dagegen Abstand. Ihre Körpersprache entscheidet. Warum stilles Ausharren leicht falsch gedeutet wird, erklären wir unter Meerschweinchen nicht gegen ihren Willen streicheln.
Kurztipps zur Meerschweinchen-Pflege
- Einmal wöchentlich kontrollieren, aber nur bei Bedarf eingreifen.
- Krallen rechtzeitig und mit geeignetem Werkzeug kürzen.
- Langes Fell sauber, trocken und bodenfrei halten.
- Meerschweinchen nicht routinemäßig baden.
- Schmerzhafte oder entzündete Stellen tierärztlich untersuchen lassen.
- Grenzen des Tieres auch beim Streicheln respektieren.