Hallo!
Tut mir leid Dir das sagen zu müssen, aber: Zwei Weibchen, das ganze Jahr auf dem Balkon, ist insgesamt nicht artgerecht.
- reine Weibchengruppen sind bei Meerschweinchen immer sehr ungünstig, weil sie in der Natur nur als Haremsgruppe leben würden, also ein Bock mit Weibchen. Nachdem Du sicher keinen nachwuchs willst sollte der Bock kastriert sein, und ideal etwas älter.
- Du hast sie als Babys bekommen, ab da waren ohne erwachsene Schweinchen. Das ist ganz schlecht weil sie dadurch nie eine Möglichkeit hatten, ein vernünftiges Sozialverhalten zu erlernen. Das dauert einfach ein wenig länger als die paar Wochen, bis der Züchter oder Zooladen sie verkauft. Sie sind deswegen auch so scheu weil sie eben nicht von ihrer Familie lernen konnten, das Menschen ganz ok sind.
- Auf dem Balkon nur zu zweit. Der Balkon ist sowieso schon die schlechteste Variante der Haltung - kalt und zugig im Winter, heiß im Sommer, oft Beton oder Fliesen von unten und schlechte Absicherung gegen Raubtiere und Vögel, und dabei gibts nicht mal Gras, besonders viel Platz oder was zu gucken. Du vereinst dabei die Nachteile der Außenhaltung und die Nachteile der Innenhaltung. Vorteile für die Schweinchen gibt es keine.
- In Außenhaltung sollte man sowieso nur Gruppen ab 4, besser 6 Schweinchen halten, weil sie sich gegenseitig Sicherheit geben und sich auch gegenseitig wärmen können.
- durch die Balkonhaltung gibt es wenig Kontakt zwischen Dir und den Tieren, insbesondere im Winter bist Du eher nicht 2-3 Stunden am Tag bei ihnen gesessen. Wie sollen sie denn zahm werden, wenn sie Dich kaum kennen? Du wirfst zwar mal Futter rein oder machst sauber, aber das sind immer nur kurze Momente. Dadurch, dass sie keine Erwachsenen um sich hatten konnte ihnen auch keiner beibringen, dass Menschen gar nicht so schlimm sind.
- raus in den Garten tragen als einziger näherer Kontakt. Hochheben tut immer weh und erinnert eher an Raubtiere. Und dann wird man auch noch durch die Gegend getragen was eher wie eine wilde Achterbahnfahrt ist. Und dann sitzt man in einem fremden gehege, wo fremde Geräusche und Gerüche sind und eine sehr reale Bedrohung durch Raubtiere. So offene Gitter, wenig Sichtschutz von den Seiten und von oben, das macht ihnen einfach nur Angst.
Meine Lösungsvorschläge: entweder richtig Außenhaltung im Garten, aber bitte mit einem sicheren Gehege das sehr teuer wird, und dabei VIEL Zeit mit ihnen verbringen, zu jeder Jahreszeit. Wer das wirklich mag sitzt oft auch bei Minusgraden in langen Unterhosen bei den Tieren. Und das mit einer entsprechend großen Gruppe. Da werden aber gerade die beiden immer scheu bleiben.
Oder Innenhaltung mit einem Gehege das wenigstens 1x2 Meter groß sein sollte, ein kastrierter Bock dazu, ideal ein wenig älter und in einer richtigen Gruppe mit Artgenossen aufgewachsen. Gras kannst du auch selber pflücken solange sie so scheu sind, dafür aber viel zeit mit ihnen verbringen, ideal steht das Gehege direkt im Wohnzimmer, wo man sich viel aufhält, ohne sich allzu direkt um die Schweinchen zu kümmern. TV stört sie nicht, und auch an den Staubsauger gewöhnen sie sich. Sie werden dann bald merken, dass Du ihnen nichts tust sondern einfach nur da bist, und wenn der Kastrat bessere Erfahrungen mit Menschen gemacht hat, dann werden sie sich von ihm auch was abgucken - etwa, dass man nach Futter betteln kann, wenn die Zweibeiner den Kühlschrank aufmachen.
Du hast es sicher gut gemeint mit der Haltung am Balkon, aber Du warst dabei ganz schlecht beraten. Das war echt keine gute Entscheidung für die Tiere, ich kann Dir echt nur raten, im Wohnzimmer Platz für ein Gehege zu schaffen und sie da zu lassen. Ein ausreichend großes Gehege direkt in der Wohnung ist besser als der Balkon, schon alleine wegen Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Eine Anleitung wie man günstig ein Gehege bauen kann können wir Dir gerne schreiben.