Mehr als nur Futterneid

Wenn Meerschweinchen streiten

Unverträgliche Meerschweinchen – Streit

in Meerschweinchen Verhalten

Ich habe in meinen ganzen Jahren mit Meerschweinchen nicht einmal erlebt, dass ein Meerschweinchen komplett unverträglich oder nicht sozialisierbar wäre. Natürlich gibt es Meerschweinchen und Kombinationen, mit denen eine Vergesellschaftung durch ihren individuellen Charakter schwieriger ist. Ich bin jedoch der Meinung, dass es für jedes Meerschweinchen den richtigen Partner gibt, bei dem Streit kein Thema mehr ist.

Mitunter hört man als Argument für die Einzelhaltung, dass das entsprechende Tier ohnehin eher ein Einzelgänger wäre und sich mit anderen Meerschweinchen gar nicht so gut verträgt. Es ist jedoch ein falscher Schluss, wenn man aufgrund von Streitereien im Käfig annimmt, ein Tier würde lieber alleine leben. Kein Meerschweinchen will allein sein, denn Meerschweinchen sind Rudeltiere, die Artgenossen brauchen. Doch wie beim Menschen ist nicht jede unvermeidliche Sozialisation auch auch gleich die Richtige. Manchmal muss man sich arrangieren, und das gilt auch für die Tiere.

Warum kommt es zu streitenden Meerschweinchen?

Es gibt verschiedene Gründe warum Meerschweinchen scheinbar unverträglich mit Artgenossen sind. Natürlich ist es wichtig überhaupt den Grund für die Streitigkeiten zu kennen, diese aus dem Weg schaffen zu können. Die folgenden Gründe sind typisch dafür, dass es zu Streitigkeiten kommen kann.

Nicht erlerntes Sozialverhalten

Meerschweinchen sind sehr soziale Tiere. Sie lernen von erwachsenen Meerschweinchen den Umgang mit anderen Artgenossen, lernen wie sie sich verhalten müssen und auch wie Streitigkeiten ausgetragen werden.

Meerschweinchen Babys, die nach dem Absetzen (mit ca. 3 – 4 Wochen) von der Mutter weggesetzt werden und in Einzelhaltung leben, können dieses wichtige Verhalten nicht ausreichend lernen. Treffen sie später auf andere Meerschweinchen kann es (muss aber nicht!) zu Schwierigkeiten kommen, da sie nicht wissen, wie sie sich verhalten müssen. Das schürt Unsicherheit und Aggressivität. Das Meerschweinchen ist scheinbar unverträglich und es wird ständig gestritten. Es will ja gar keinen Artgenossen!

Ebenso kann dieses Verhalten auftreten, wenn zwei Meerschweinchenbabys nach dem Absetzen ohne ein ausgewachsenes Meerschweinchen aufwachsen, von dem sie das Sozialverhalten erlernen können.

 Bei nicht ausreichend sozialisierten Meerschweinchen ist eine behutsame Vergesellschaftung mit einem souveränen, älteren und nicht dominantem Partner sinnvoll. 

Schlechte Erfahrungen

Meerschweinchen aus Massenhaltung, Meerschweinchen die in ihrer früheren Gruppe immer gemobbt, gejagt und unterdrückt wurden, Meerschweinchen aus Haltung mit Kaninchen haben oft unschöne soziale Erfahrungen gemacht. Oftmals wurden sie sogar körperlich angegriffen. Diese Tiere müssen erst wieder lernen, wie ein soziales Miteinander funktioniert. Sie brauchen vor allem Zeit, Geduld und Liebe. Auch hier ist eine ältere Gruppe mit nicht zu dominanten Tieren sinnvoll.

Unzureichende Vergesellschaftung

Natürlich habe ich meine Meerschweinchen vergesellschaftet. Sie sitzen doch zusammen im Käfig.

Eine gute Vergesellschaftung mit ausreichend Platz, Zeit und Geduld ist die Grundlage für eine funktionierende Meerschweinchengruppe. Vor allem in Böckchengruppen ist das Problem der Unverträglichkeit oft mit mehr Platz zu lösen. Für weitere Informationen sowie zahlreichen Tipps und Tricks zur Vergesellschaftung gibt es hier im Ratgeber zwei Artikel:

Zu wenig Platz, zu wenig Rückzugsmöglichkeiten

Meerschweinchen brauchen Platz um sich aus dem Weg gehen zu können. Ein Mindestmaß von 1,40m x 0,70m ist daher für zwei Meerschweinchen unbedingt anzuraten. Reine Bockgruppen brauchen sogar noch mehr Platz um Streit vorzubeugen. Zusätzlich benötigen Meerschweinchen, wenn sie in einem vergleichsweise kleinen Käfig gehalten werden, täglichen Auslauf. Ist der Platz zu knapp bemessen oder fehlende Unterstände, Häuser und Verstecke kann es zu Aggressionen kommen.

Diese lassen sich leicht mit mehr Platz sowie weiteren Unterschlüpfen beheben. Zwei Böcke in einem 1m Käfig können sich einfach nicht auf Dauer vertragen.

Krankheiten

Es gibt einige Krankheiten, die die Aktivität und Aggressivität von Meerschweinchen steigern. Dazu gehören unter anderem Eierstockzysten sowie Erkrankungen der Schilddrüse. Wird ein Meerschweinchen recht plötzlich aggressiv und unverträglich, sollte man es in jedem Fall einem Tierarzt vorstellen und gründlich untersuchen lassen. Auch Schmerzen können die Aggressivität von Meerschweinchen steigern.

Der falsche Partner

Nicht jedes Meerschweinchen mag jedes andere Meerschweinchen. Manche kommen mit dominanten Tieren nicht zurecht. Manche Böckchen mögen keine anderen Böcke und vertragen sich nicht mit ihnen. Kommt ein neues Meerschweinchen zu einem Einzeltier oder in eine bestehende Gruppe sollte nicht die Farbe oder Rasse ausschlaggebend sein, sondern der Charakter. Auch Meerschweinchen müssen einander mögen, wenn sie zusammen leben sollen. Hier muss der Besitzer genau darauf achten, dass die Meerschweinchen zueinander passen. Charakterlich, ähnlich in der Aktivität und idealerweise auch im Alter ähnlich.

 Haltet Eure Meerschweinchen nicht allein! Sie sind hochsoziale Tiere die verkümmern, wenn sie nicht mit anderen artgleichen Partnern zusammen sein dürfen. 

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