Lebewesen werden nicht verschenkt

Verschenken von Meerschweinchen – ein Fehler!

Meerschweinchen sind keine Überraschungsgeschenke. Wie Familien einen Tierwunsch stattdessen gemeinsam und verantwortungsvoll vorbereiten.

Viele Tierheime, die in erster Linie dem Wohl der Tiere dienen, vermitteln rund um Weihnachten besonders zurückhaltend oder weisen ausdrücklich darauf hin, dass Tiere keine Überraschungsgeschenke sind. Das machen sie nicht ohne Grund. Sie erleben schließlich, dass unüberlegt angeschaffte Tiere später wieder dort landen. Auch verantwortungsvolle Züchter achten darauf, dass ein Tier nicht spontan zu Weihnachten oder Ostern verschenkt wird.

Anders sieht es bei Anbietern aus, für die in erster Linie der Umsatz zählt. Zoohandlungen, Baumärkte und Onlineplattformen bieten Lebewesen wie Meerschweinchen ganzjährig an. So passiert es immer wieder, dass dem Wunsch eines Kindes gerade zu Weihnachten schnell nachgegeben wird, ohne sich vorher ausführlich mit den Bedürfnissen und der Haltung der Tiere beschäftigt zu haben.

Als Angehöriger, der nicht direkt mit im Haushalt lebt, sollte man grundsätzlich keine Tiere verschenken. Auch dann nicht, wenn in dem Haushalt schon Meerschweinchen leben. Und erst recht nicht, wenn noch gar keine Tiere im Haushalt sind. Auch nicht, wenn man es besonders gut meint und die komplette Erstversorgung mit verschenkt.

Meerschweinchen lässt man sich nicht schenken

Es spielt keine Rolle, ob es sich um ein Geschenk zu Weihnachten, Ostern, zum Geburtstag oder zu einem anderen Anlass handelt. Ein lebendes Tier ist keine gute Idee für ein Überraschungsgeschenk, gerade wenn es sich um einen Impulskauf handelt. Meerschweinchen haben wie alle anderen Lebewesen individuelle Bedürfnisse, die man als Schenkender oft gar nicht überblicken kann – so gut das Geschenk auch gemeint ist.

Wenn Anspruch und Wirklichkeit nicht in Einklang stehen

Gerade zu Weihnachten ist man geneigt, sich die Dinge etwas schöner auszumalen, als sie hinterher tatsächlich sind. Natürlich ist es ein schönes Bild, wie sich ein Kind unter dem geschmückten Weihnachtsbaum über die neuen Mitbewohner freut. Diese Freude wird aber allzu rasch von der Realität eingeholt, wenn die Tiere ihren Bedürfnissen Raum geben. Viele neue Halter merken dann erst, dass das Hochglanzbild aus der Werbung nur eine Seite zeigt: Das Gehege muss gereinigt werden, ein Tier kann erkranken und eine Vergesellschaftung funktioniert nicht immer auf Anhieb.

Vergesellschaftung an Festtagen

Im Trubel zu Weihnachten kann das soeben verschenkte Meerschweinchen sehr schnell untergehen. Vielleicht ist es nicht das einzige Geschenk. Vor allem aber ist die Weihnachtszeit von Besuchen und Gegenbesuchen geprägt. Dieses Klima ist denkbar ungeeignet, um Meerschweinchen behutsam an ihre neue Umgebung oder eine bestehende Gruppe zu gewöhnen. Die Eingewöhnung und Vergesellschaftung brauchen Ruhe, Vorbereitung und Aufmerksamkeit.

Wenn sich ein Kind Meerschweinchen schenken lassen möchte

Natürlich ist man als Kind in der Lage, dass die Eltern über die Aufnahme von Tieren entscheiden müssen. Die Haltung von Meerschweinchen will aber wohlüberlegt sein. Wenn sich das eigene Kind nichts sehnlicher wünscht als Meerschweinchen:

  1. Man sollte mit der gesamten Familie über einen längeren Zeitraum die Konsequenzen besprechen, die eine Meerschweinchenhaltung mit sich bringt.
  2. Keinesfalls sollten schon wenige Tage nach dem geäußerten Wunsch Tiere geschenkt werden, nur um Quengeleien abzustellen.
  3. Eltern müssen sich klarmachen, dass Lebewesen kein Spielzeug sind und Kinder mit der alleinigen Versorgung überfordert sein können. Am Ende übernehmen immer auch die Eltern Verantwortung für die Tiere.
  4. Meerschweinchen kosten neben der Anschaffung eine Menge Geld, das ein Kind nicht aus seinem Taschengeld finanzieren kann – von notwendigen Tierarztbesuchen ganz zu schweigen.

Sich als Familie abseits von Weihnachten und Geburtstagen bewusst für die Haltung von Meerschweinchen zu entscheiden, schafft von Beginn an mehr Aufmerksamkeit für die neuen Mitbewohner. Die Tiere sind dann kein gewöhnliches Geschenk unter vielen, sondern das Ergebnis einer besonderen Entscheidung, die dauerhaft Verantwortung verlangt.

Wesentliche Fragen, die man sich vor dem Kauf von Meerschweinchen stellen muss, behandeln wir ausführlich im Artikel Fragen vor dem Kauf von Meerschweinchen.

So verschenkt man den Wunsch nach Meerschweinchen

Das lebende Tier gehört nicht unter den Baum! Es spricht aber nichts dagegen, mit geeigneter Fachliteratur, einem Meerschweinchen-Stofftier oder einem selbst gestalteten Gutschein einen gemeinsamen Informationsprozess zu beginnen. Das Kind kann sich mit den Bedürfnissen der Tiere und der Verantwortung vertraut machen. Nicht selten begreifen Kinder und Jugendliche dann schnell, was Tierhaltung bedeutet. Sind sie und die Eltern bereit, diese Aufgabe zu übernehmen, kann die Familie abseits der Festtage und nach guter Vorbereitung gemeinsam mit der Haltung beginnen.

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