Das günstige Meerschweinchengehege

Meerschweinchen Klappgehege

Ein Meerschweinchen-Klappgehege lässt sich flexibel aufstellen und platzsparend lagern. Bauanleitungen für einfache und massive Varianten.

Das Prinzip eines Klappgeheges ist denkbar einfach: Eine flexible Umrandung gibt den Meerschweinchen einen großen, sicheren Bereich zum Rennen und Erkunden. Das geht meist sehr viel besser als in einem normalen Käfig. Die einzelnen Elemente lassen sich an den vorhandenen Raum anpassen und bei Bedarf platzsparend zusammenklappen.

Wir haben seit 2004 mit einem Klappgehege aus Massivholz den Auslauf im Zimmer begrenzt. So kamen die Tiere Stromkabeln und Bürostühlen nie zu nah und hatten trotzdem viel Bewegungsfläche.

Ein Klappgehege kann als dauerhafte Umrandung oder als zusätzlicher Auslauf dienen. Für eine medizinisch notwendige kurzfristige Trennung ist es ebenfalls hilfreich. Eine Quarantäne sollte jedoch nur nach tierärztlicher Anweisung erfolgen; Meerschweinchen dürfen nicht unnötig ohne Sicht-, Geruchs- und Rufkontakt zu Artgenossen bleiben.

Klappgehege aus Steckelementen

Klappgehege aus transparenten Steckelementen

Modulare Regalsysteme werden häufig zu einem Klapp- oder Steckgehege umgebaut. Das Prinzip ist einfach: Platten werden mit Verbindungsstücken zusammengefügt und als Umrandung aufgestellt. Transparente Elemente ermöglichen Sichtkontakt; geschlossene Elemente schützen Wände und Möbel.

Solche Systeme bestehen häufig aus einzelnen Platten mit etwa 37 mal 37 Zentimetern. Dadurch entsteht eine Umrandung, die für viele Meerschweinchen im normalen Innenbereich nicht ohne Weiteres übersprungen wird und sich trotzdem schnell neu zusammenstecken lässt. Genau diese Flexibilität macht den Reiz aus: Ein kleiner Bereich vor dem Gehege, ein vorübergehender Auslauf im Zimmer oder eine größere Form für mehr Bewegungsfläche sind mit denselben Elementen möglich.

Persönlich hat uns an solchen Stecklösungen immer gefallen, dass man ohne Säge, Bohrer und große Planung starten kann. Trotzdem darf der einfache Aufbau nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Verbindungspunkte belastbar sein müssen. Gerade wenn ein Tier an einer Ecke drückt oder ein Mensch beim Reinigen versehentlich gegen die Umrandung kommt, zeigt sich schnell, ob die Konstruktion wirklich steht.

Prüft vor dem Einsatz die tatsächlichen Maße und die Stabilität. Die Elemente dürfen nicht umfallen, keine scharfen Kanten bilden und keine erreichbaren Kunststoffteile besitzen, die stark benagt werden. Entscheidend ist die sichere Konstruktion, nicht eine bestimmte Marke oder ein besonders niedriger Preis.

Ein einfaches Klappgehege im Eigenbau

Eine günstige Lösung lässt sich aus dünnen, glatten Hartfaser- oder geeigneten Kunststoffplatten bauen. Die Elemente werden an den Kanten flexibel verbunden. Das verlangt keine große Werkstatt, muss aber sorgfältig ausgeführt werden.

Hartfaserplatten kennt man zum Beispiel von Schrankrückwänden, Schubladenböden oder Plakatträgern. Sie sind leicht, preiswert und in vielen Baumärkten in verschiedenen Stärken und Formaten zu bekommen. Für ein einfaches Innen-Klappgehege sind glatte, beschichtete Platten besonders praktisch, weil sie sich besser abwischen lassen und nicht so schnell Feuchtigkeit aufnehmen.

Die Platten werden nicht Stoß an Stoß fest zusammengeklebt. Zwischen zwei Elementen bleibt ein kleiner Abstand, mindestens etwa die doppelte Plattenstärke. Bei 3 Millimetern Plattenstärke wären das also ungefähr 6 Millimeter Luft. In diesem Zwischenraum liegt später das Gewebeband aufeinander und bildet die eigentliche Klappkante. Wird zu eng gearbeitet, knickt das Material, löst sich schneller oder steht unter Spannung.

Materialbedarf

  • glatte, ausreichend stabile Platten;
  • breites, belastbares Gewebeband oder passende Scharniere;
  • Schere beziehungsweise geeignetes Werkzeug;
  • optional transparente Elemente und sichere Endverbinder;
  • eine wasserdichte, trittsichere Bodenlösung.

Wer transparente Elemente nutzen möchte, kann Acrylglas- oder Plexiglasplatten einplanen. Sie geben den Tieren mehr Sicht auf die Umgebung und können besonders an der Zimmerseite sinnvoll sein, aus der die meisten Geräusche kommen. Vollständig blickdichte, sehr hohe Wände wirken dagegen schnell wie eine Barriere, hinter der die Tiere Bewegungen erst spät wahrnehmen.

Die Höhe der Umrandung hängt von Tieren, Standort und Einrichtung ab. 25 bis 30 Zentimeter können bei ruhigen Tieren im beaufsichtigten Innenbereich genügen. In Panik oder bei einem interessanten Ziel auf der anderen Seite springen manche Meerschweinchen jedoch erheblich höher. Plant deshalb Sicherheitsreserve ein und stellt keine Häuser direkt an niedrige Wände.

Bauanleitung für das einfache Klappgehege

Bauanleitung für ein Meerschweinchen-Klappgehege

  1. Legt zwei Platten auf einen ebenen Untergrund und lasst zwischen den Kanten genügend Abstand, damit sie später ohne Spannung gegeneinander klappen können.
  2. Verbindet die Außenseite mit einem durchgehenden Streifen Gewebeband. Klebt anschließend einen zweiten Streifen sauber von innen dagegen.
  3. Wiederholt die Verbindung mit allen Elementen. Es dürfen keine klebrigen Ränder, Falten oder losen Enden erreichbar bleiben.
  4. Lasst das letzte Segment zunächst offen. So lässt sich die Umrandung wie eine Ziehharmonika zusammenlegen.
  5. Verbindet die beiden Enden beim Aufstellen mit einem stabilen, lösbaren Verbinder. Eine nur lose aneinandergelehnte Umrandung ist nicht sicher.

Am saubersten gelingt die Klebeverbindung, wenn die Platten flach auf einem Tisch oder auf dem Boden liegen. Die Enden des inneren Bandes werden auf die Außenseite umgeschlagen, damit im Gehege keine klebrigen Kanten erreichbar sind. Das klingt nach einer kleinen Bastelstelle, entscheidet aber darüber, ob die Konstruktion langfristig hält und ob die Tiere überhaupt etwas zum Benagen finden.

Beim Aufstellen hilft eine verwinkelte Form. Je gerader eine lange Wand steht, desto leichter lässt sie sich eindrücken. Winkel, leichte Zickzacklinien oder eine U-Form geben dem Klappgehege Stand. Trotzdem bleibt es eine flexible Innenumrandung und kein Ersatz für ein festes, raubtiersicheres Außengehege.

Normales Paketband ist für dauerhafte Scharniere meist zu schwach. Werden Klebeverbindungen benagt oder lösen sie sich durch Reinigung, müssen sie sofort ersetzt werden.

Das Klappgehege verbessern

  • Stabilere Verbindungen: Steckprofile, Klavierband oder geeignete Scharniere wirken sauberer und halten länger als Klebeband.
  • Sicherer Abschluss: Die beiden Enden brauchen eine belastbare Verbindung, die sich nicht durch Druck öffnet.
  • Gute Sicht: Transparente Segmente an stark frequentierten Seiten helfen den Tieren, Geräusche und Bewegungen einzuordnen.
  • Reinigbare Oberflächen: Beschichtete oder versiegelte Platten nehmen weniger Feuchtigkeit auf. Verwendete Mittel müssen vollständig ausgehärtet und für den vorgesehenen Einsatz geeignet sein.
  • Geschützte Laufwege: Die Umrandung allein gibt noch keine Sicherheit. Im Gehege müssen Unterstände, Tunnel und mehrere Rückzugsorte vorhanden sein.
  • Sicherer Boden: Glatte Böden werden mit flach liegenden, waschbaren und trittsicheren Unterlagen abgedeckt. Erreichbare Folienkanten sind zu vermeiden.

Im Original wurde auch das Einölen unbehandelter Hartfaserplatten erwähnt. Als persönliche Bastelerfahrung kann das nachvollziehbar sein, als allgemeiner Rat ist es aber nur eingeschränkt geeignet: Holzschutz, Öl oder Lack dürfen nicht erreichbar, klebrig oder ausdünstend sein. Wer Platten dauerhaft nutzen möchte, ist mit bereits geeigneten, glatten und abwischbaren Materialien meist besser beraten.

Für die Verbindung der beiden Enden sind Steckprofile, Klett nur außerhalb der Reichweite oder eine einfache mechanische Verriegelung praktischer als improvisierte Klammern. Wichtig ist, dass sich die Verbindung zum Reinigen lösen lässt, aber nicht durch ein dagegenlaufendes Tier aufgeht.

Das massive Klappgehege

Nach dem Ziehharmonika-Prinzip lassen sich auch Leimholz, Mehrschichtplatten, Acrylglas oder Verbundplatten verbinden. Über Scharniere entsteht ein deutlich wertigeres Gehege. Aufwand, Gewicht und Anforderungen an das handwerkliche Geschick steigen allerdings.

Bei massiven Varianten verschwimmen die Grenzen zwischen Klappgehege, Steckgehege und dauerhaftem Innengehege. Wer Meerschweinchen ganzjährig in einem solchen Bereich hält, sollte nicht nur an das Zusammenklappen denken, sondern an die tägliche Reinigung, die Belüftung, die Bewegungsfläche und daran, ob alle Tiere ohne Sackgassen aneinander vorbeikommen.

Massives Meerschweinchen-Klappgehege

Steckscharniere ermöglichen es, einzelne Elemente neu anzuordnen oder auszutauschen. Die Scharniere müssen exakt auf gleicher Höhe sitzen. Schrauben und Beschläge gehören auf die Außenseite oder werden so abgedeckt, dass kein Tier daran hängen bleiben kann.

Der Vorteil von Steckscharniere liegt darin, dass Elemente untereinander getauscht werden können. Dafür müssen die Bohrungen jedoch wirklich maßgenau sitzen. Schon wenige Millimeter Unterschied führen dazu, dass ein Element klemmt oder nicht mehr sauber steht. Wer diese Genauigkeit nicht erreichen kann, fährt mit einfachen festen Scharnieren oft stressfreier.

Ein transparentes Fenster einsetzen

Acrylglas kann ohne Oberfräse in einen Holzrahmen eingesetzt werden. Dabei wird es von schmalen Holzprofilen wie in einer Fensterfalz gehalten.

Fenster mit Acrylglas im Klappgehege

Das Grundprinzip ist einfach: Die langen Rahmenleisten sind um zweimal die Leistenbreite länger als das eingesetzte Acrylglas. Ist das Acrylglas zum Beispiel 40 Zentimeter breit und die Leiste 4,8 Zentimeter breit, ergibt sich eine Rahmenlänge von 49,6 Zentimetern. Die kurzen Leisten entsprechen der Höhe des Acrylglases. So entsteht ein Rahmen, in dem die Scheibe nicht lose wackelt, aber auch nicht unter Druck steht.

  1. Holzleisten auf Maß schneiden und zu einem rechtwinkligen Rahmen verleimen und verdübeln.
  2. Auf einer Seite schmale Profile bündig als erste Hälfte der Falz befestigen.
  3. Das entgratete Acrylglas spannungsfrei einsetzen.
  4. Die zweite Hälfte der Falz auflegen und nur am Holzrahmen befestigen. Nicht mit Druck auf das Acrylglas arbeiten.
  5. Alle Kanten abrunden, die Stabilität prüfen und anschließend die Scharniere anbringen.

Wer mag und exakt arbeiten kann, sägt die Falzleisten auf Gehrung. Einfacher ist es, das Acrylglas mit geeigneten Profilen zu fassen. Wichtig sind nicht perfekte Möbelbauoptik, sondern sichere Kanten und eine stabile Verbindung.

Anmerkungen und Sicherheit

  • Messt zweimal und schneidet einmal. Schiefe oder ausgefranste Kanten werden schnell zur Schwachstelle.
  • Prüft das fertige Gehege zunächst ohne Tiere auf Druck, Wackeln und Spalten.
  • Kontrolliert Klebebänder, Scharniere und Platten regelmäßig auf Fraßspuren und Feuchtigkeit.
  • Ein Innengehege ist nicht automatisch für den Garten geeignet. Außen braucht es ein festes Dach sowie Schutz gegen Untergraben und Fressfeinde.
  • Das Klappgehege muss weiterhin die erforderliche zusammenhängende Grundfläche bieten. Flexibilität rechtfertigt keine kleinere Haltung.
  • Baumarktpreise für Profile, Scharniere und Beschläge können stark schwanken. Vergleicht Materialqualität, Maße und Kanten statt nur den Preis.

Beispiel für ein Meerschweinchen-Klappgehege

Probiert ruhig verschiedene Anordnungen aus. Viele Ideen entstehen erst beim Bauen – gerade darin liegt der Reiz eines Eigenbaus. Die Sicherheit der Tiere muss dabei aber immer vor der Dekoration kommen.

Austausch

4 Kommentare

Fragen, Erfahrungen und Ergänzungen zum Artikel sind willkommen. Antworten bleiben hierarchisch unter dem jeweiligen Kommentar sichtbar.

  1. Auch von mir gibt es ein fettes Dankeschön für diesen tollen Beitrag. Ich habe mich voll und ganz an eueren Artikel gerichtet, jedoch habe ich noch eine weitere Frage, und zwar glaubt ihr, dass ich ein solches Gehege auch im Keller aufstellen kann? Ich habe dort große Fenster angebracht, um für eine frische Luftzufuhr zu sorgen. Was meint ihr so?

    Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.
    LG Tomas

  2. Ich habe auch ein klappgehege von songmics…unD kann dazu nur sagen das ich damit super zufrieden bin.. In der Wohnung eignet es sich aber am besten mit flies haltung… Da das streuen durch die kleinen zwischen Lücken immer durch kommt.. und man es überall verteielt… Die Reinigung ist prima und geht schnell… Ich nutze es jetzt sehr viel draussen… Um die Tiere ihren Auslauf zubieten…

  3. Hallo!
    Erstmal vielen Dank für diese informative Seite!
    Ich habe eine Frage und hoffe, dass Sie mir hier weiterhelfen können… Ich sehe in letzter Zeit oft (auch hier) in Meerschweinchengehegen kein Streu sondern Stoff. Ist das nicht unhygienisch? oder ist das für die Tiere besser? Wie oft muss man sowas sauber machen?
    Vielen Dank

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