Nur weil es gedruckt ist wird es nicht wahrer

Mythen und Fakten über Meerschweinchen

Zehn verbreitete Meerschweinchen-Mythen im Faktencheck: Einzelhaltung, Kuscheln, Kinder, Ernährung, Kastration und Nachwuchs.

Als uns vor einiger Zeit ein Kinderbuch in die Hand fiel, in dem verschiedene Haustiere vorgestellt wurden, reifte schnell der Gedanke zu einem eigenen Artikel über Meerschweinchen-Mythen. Leider wurden auch dort alte Behauptungen als Fakten verkauft. Aber nur weil etwas gedruckt oder oft wiederholt wird, ist es noch lange nicht wahr.

Nach all den Jahren und der vielen Literatur, die uns in die Hände fiel, bleibt der Eindruck: Gerade in vereinfachten Ratgebern werden Inhalte gern unkritisch voneinander abgeschrieben, mit neuen Bildern versehen und wieder veröffentlicht. So tragen sich manche Irrtümer über Generationen von Haltern weiter. Die zehn häufigsten Mythen möchten wir deshalb hier zusammenfassen.

1. Mythos: Meerschweinchen können allein gehalten werden

Das scheint bequem: ein Tier, ein kleiner Käfig, weniger Kosten – und das Kind hat ein Haustier, um Verantwortung zu lernen. Tatsächlich zeigen Erwachsene damit vor allem, dass sie ihre eigene Verantwortung nicht ernst genug genommen haben. Meerschweinchen sind soziale Tiere und dürfen nicht allein gehalten werden.

Auch ein Mensch, der sich viel mit seinem Tier beschäftigt, ersetzt keinen Artgenossen. Wir sprechen weder ihre Laut- noch ihre Körpersprache, ruhen nicht mit ihnen im Gehege und sind nachts nicht da. Ein Kaninchen ist ebenfalls kein Ersatz. Meerschweinchen brauchen mindestens ein passendes Meerschweinchen; eine gut zusammengestellte kleine Gruppe bietet noch mehr soziale Beziehungen.

Nach unserer persönlichen Beobachtung wirkten einzeln gehaltene Tiere oft weniger stabil; daraus lässt sich jedoch keine allgemeine Aussage zur Lebenserwartung ableiten. Die sozialen Bedürfnisse sind bereits ein überzeugender Grund gegen Einzelhaltung.

Weitere Informationen: Warum Meerschweinchen nicht allein leben dürfen

2. Mythos: Meerschweinchen sind anspruchslos

Möglicherweise ist es ein Verständnisproblem. Viele neue Halter wundern sich, welche Ansprüche plötzlich sichtbar werden, wenn die Tiere erst eingezogen sind. Denn: Meerschweinchen sind nicht anspruchslos.

Sie brauchen viel zusammenhängende Grundfläche, passende Artgenossen, ständig gutes Heu und Wasser, täglich abwechslungsreiches Frischfutter, sichere Rückzugsorte, regelmäßige Gesundheits- und Gewichtskontrollen sowie eine heimtierkundige Tierarztpraxis. Einstreu oder Fleece müssen gereinigt werden, Futter wird frisch beschafft, und Urlaubsbetreuung organisiert sich auch nicht von selbst.

Richtig ist: Meerschweinchen verlangen keine gemeinsamen Spaziergänge wie ein Hund. Weniger direkte Beschäftigung mit dem Menschen bedeutet aber nicht weniger Verantwortung.

Weitere Informationen: Ein tiergerechtes Meerschweinchen-Gehege

3. Mythos: Meerschweinchen und Kaninchen sind ideale Partner

Es hätte ja so schön sein können: zwei Tierarten, die ähnliches Futter bekommen, keinen gemeinsamen Nachwuchs zeugen und nicht allein sind. Bei diesem Mythos ist der Wunsch der Vater des Gedankens. Kaninchen und Meerschweinchen unterscheiden sich in Körpersprache, Lautsprache und Sozialverhalten. Zudem ist das Kaninchen körperlich deutlich überlegen.

Ein Meerschweinchen und ein Kaninchen zu zweit sind deshalb gemeinsam einsam. Eine Haltung beider Arten auf derselben großen Fläche kann unter geeigneten Bedingungen funktionieren, aber nur, wenn jede Art mit passenden Artgenossen zusammenlebt, genügend Platz und getrennte Rückzugsbereiche vorhanden sind und die Fütterung zu beiden Arten passt.

Weitere Informationen: Meerschweinchen und Kaninchen zusammen halten?

4. Mythos: Meerschweinchen lieben es, gestreichelt zu werden

Der Mythos ist leicht zu erklären. Einerseits halten Meerschweinchen beim Festhalten häufig still, was fälschlich als Entspannung verstanden wird. Andererseits ist es ein menschliches Bedürfnis, einem niedlichen Tier durch Berührung Zuneigung zu zeigen. Für das Meerschweinchen kann eine Hand von oben jedoch zunächst wie ein zugreifender Fressfeind wirken.

Meerschweinchen sind keine Kuscheltiere. Sie sollten nicht zum Streicheln aus dem Gehege genommen, festgehalten oder Kindern auf den Schoß gesetzt werden. Einige gut gewöhnte Tiere nehmen freiwillig vorsichtige Berührungen an oder genießen ein sanftes Kraulen im Gehege. Das Tier muss die Begegnung aber jederzeit selbst beenden können. Gesundheitskontrollen und notwendige Pflege sind davon natürlich ausgenommen.

Auch untereinander liegen Meerschweinchen meistens mit etwas Abstand. Nähe ist nicht automatisch ein Krankheitszeichen, dauerhaftes Zusammenkauern kann aber auf Angst, Kälte, Platzmangel oder Unwohlsein hindeuten und sollte im Gesamtbild beurteilt werden.

Weitere Informationen: Meerschweinchen sind keine Kuscheltiere

5. Mythos: Meerschweinchen sind ideale Kindertiere

Weil Meerschweinchen als ruhig, robust und anspruchslos gelten, werden sie gern als ideale Tiere für Kinder empfohlen. Doch Kinder wünschen sich häufig Nähe und Spiel, während Meerschweinchen vor allem beobachten, füttern und in Ruhe gelassen werden möchten.

Kinder können bei Pflege und Fütterung helfen und viel über Tiere lernen. Die vollständige Verantwortung für Haltung, Kosten, Tierarztbesuche und tägliche Versorgung bleibt aber bei den Erwachsenen – auch wenn das Interesse des Kindes nachlässt. Das Kinderzimmer ist wegen wechselnder Lautstärke, Platzmangel und fehlender Aufsicht meist nicht der beste Standort.

Weitere Informationen: Meerschweinchen für Kinder

6. Mythos: Trockenfutter oder Pellets enthalten alles Notwendige

Pellets sind nicht alle gleich, und die alte pauschale Erklärung, sie seien ausschließlich zur schnellen Mast entwickelt worden, greift zu kurz. Falsch bleibt aber die Vorstellung, eine Schüssel buntes Trockenfutter sei eine vollständige Ernährung.

Die Grundlage bilden ständig verfügbares, hochwertiges Grasheu und abwechslungsreiches Frischfutter. Meerschweinchen benötigen außerdem zuverlässig Vitamin C, weil sie es nicht selbst bilden können. Ein begrenzter Anteil geeigneter, grasbasierter Pellets kann je nach Ernährung und tierärztlicher Empfehlung ergänzt werden. Bunte Mischungen mit Getreide, Zucker, Nüssen oder vielen Leckerbissen sind nicht nötig.

Weitere Informationen: Trockenfutter für Meerschweinchen

7. Mythos: Brot ist gut für die Zähne

Trockenes Brot ist hart, also muss es die Zähne abnutzen – diese Erklärung klingt einleuchtend und ist trotzdem falsch. Entscheidend ist nicht die Härte eines Futters, sondern langes Mahlen faserreicher Nahrung mit den Backenzähnen. Dafür sind Grasheu und geeignete frische Pflanzen da.

Brot liefert Stärke, gehört nicht zur notwendigen Ernährung und ersetzt kein Heu. Die alte Behauptung, Brot lasse die Zähne zwangsläufig splittern, war ebenfalls zu pauschal. Man muss keine neue Schreckgeschichte erfinden, um von ungeeignetem Futter abzuraten. Das Meerschweinchen ist schlicht nicht die Biotonne der Küche.

Weitere Informationen: Futterliste für Meerschweinchen

8. Mythos: Meerschweinchen benötigen kein Wasser

Viele Meerschweinchen trinken bei abwechslungsreicher Frischfütterung wenig, weil sie bereits viel Flüssigkeit über das Futter aufnehmen. Daraus folgt nicht, dass sie kein Wasser brauchen. Frisches, sauberes Wasser muss jederzeit verfügbar sein.

Ob Napf oder Flasche besser funktioniert, hängt auch von Gruppe und Einrichtung ab. Ein schwerer, erhöht stehender Napf ermöglicht eine natürliche Trinkhaltung, kann aber verschmutzen. Flaschen müssen täglich auf Funktion und Sauberkeit geprüft werden. Sinnvoll kann es sein, beide Möglichkeiten anzubieten.

Weitere Informationen: Wasser für Meerschweinchen

9. Mythos: Kastrierte Böcke stinken nicht und werden ruhiger

Ein Geruchsproblem lässt sich nicht einfach durch eine Kastration beseitigen. Häufig liegen unangenehme Gerüche an feuchten Gehegebereichen, zu seltenem Wechsel oder gesundheitlichen Problemen. Auch die Perinealtasche wird nicht vorbeugend ständig „ausgeräumt“, sondern kontrolliert und nur bei Bedarf behutsam beziehungsweise tierärztlich versorgt.

Eine Kastration ist vor allem nötig, wenn ein Bock ohne Nachwuchsrisiko mit Weibchen leben soll. Sie garantiert weder Frieden in einer Bockgruppe noch eine grundlegende Veränderung des Charakters. Platz, Sozialisation, Gruppenzusammensetzung und Einrichtung bleiben entscheidend.

Weitere Informationen: Kastration von Meerschweinchen

10. Mythos: Weibchen sollten einmal Nachwuchs bekommen

Es gibt keinen vernünftigen Grund, ein Weibchen „einmal Mutter werden“ zu lassen. Eine Trächtigkeit schützt nicht nachweislich vor Zysten oder Gebärmuttererkrankungen. Sie bringt dagegen echte Risiken für Mutter und Jungtiere mit sich, und für jeden Nachkommen muss dauerhaft ein geeigneter Platz gefunden werden.

Der Wunsch, einmal niedliche Jungtiere zu erleben, ist ein menschlicher Wunsch und kein gesundheitliches Bedürfnis des Meerschweinchens. Tierheime und Notstationen suchen bereits für viele Tiere ein Zuhause. Nachwuchs gehört deshalb in fachkundige Hände und sollte nicht aus Neugier geplant werden.

Weitere Mythen und Legenden über Meerschweinchen

Es gibt eine ganze Reihe weiterer Behauptungen, die einer genaueren Prüfung nicht standhalten:

  • „Bei der Eingewöhnung keine Verstecke anbieten.“ Falsch. Sichere Rückzugsorte sind gerade in einer neuen Umgebung wichtig.
  • „Bei der Eingewöhnung nur Heu füttern.“ Falsch. Vertrautes Frischfutter sollte weiter angeboten und jede Futterumstellung langsam vorgenommen werden.
  • „Meerschweinchen halten andere Tiere fern oder schützen sie vor Krankheiten.“ Falsch. Dafür gibt es keine Grundlage.
  • „Meerschweinchen wissen selbst, welche Pflanzen giftig sind.“ Falsch. Ungeeignete und giftige Pflanzen müssen unerreichbar bleiben.
  • „Weibchen vertragen sich immer.“ Falsch. Auch Weibchengruppen brauchen passende Charaktere, Platz und Ressourcen.
  • „Böcke vertragen sich nie.“ Ebenfalls falsch. Gut zusammengestellte Bockgruppen können harmonisch leben.
  • „Meerschweinchen können nicht lernen.“ Falsch. Sie erkennen Abläufe, Geräusche und häufig auch ein Rufsignal – selbst wenn sie nicht wie ein Hund gehorchen.

Kennt Ihr auch solche Legenden? Wir freuen uns auf Eure Kommentare – besonders, wenn Ihr gleich eine verlässliche Quelle zur Prüfung mitbringt.

Austausch

18 Kommentare

Fragen, Erfahrungen und Ergänzungen zum Artikel sind willkommen. Antworten bleiben hierarchisch unter dem jeweiligen Kommentar sichtbar.

  1. Nachdem ich mich nun über einige Kommentatoren geärgert habe, möchte ich noch eine kleine Kritik mit Begründung an den Beitrag oben anbringen.

    „Meerschweinchen wissen selbst am besten, was sie fressen dürfen“

    Das stimmt nicht. Meerschweinchen wissen sehr gut, was sie fressen dürfen, wenn sie jederzeit genug von allem, was sie brauchen, angeboten bekommen. Das ist heutzutage als Ad Libitum bekannt. Dazu geht man auf eine kräuterreiche Wiese (oder zwei oder drei) und sammelt alles an Kräutern auf, von dem man weiß, dass Meerschweinchen davon nicht krank werden. Davon gibt man den Meerschweinchen so viel, dass sie jederzeit davon fressen können.
    Zusätzlich trotzdem immer Heu.

    Meerschweinchen werden tatsächlich nicht zu dick davon. Klar nehmen sie während der Umstellung erst einmal zu, aber mit der Zeit pendelt ihr Körperumfang sich wieder ein.

    Die Meerschweinchen werden erst einmal ordentlich schaufeln (weshalb man sich zwei bis drei Wochen Zeit für die Umstellung nehmen sollte, während der man die Menge langsam steigert), sie kennen es ja nur so, wenn sie vorbestimmte Portionen bekommen, aber mit der Zeit ändert sich das. Sie fressen ruhiger und werden wählerischer. Während sie sich anfangs vorrangig auf die Lieblingskräuter stürzen, entwickeln sie mit der Zeit ein Gespür dafür, was sie gerade an Nährstoffen brauchen und in welchen Kräutern sie diese finden. Das kann ihnen sogar bei Krankheit helfen. Allerdings nur, wenn sie bereits einmal bemerkt haben, dass ein bestimmtes Kraut (auch wenns nicht gerade das leckerste ist) ihnen Unwohlsein genommen hat (es wurde auch längst bei anderen Tierarten beobachtet, dass diese besonders unliebsame Nahrung bevorzugen, wenn es ihnen nicht gut geht).

    Solange sie Portionen bekommen, die nur für eine Mahlzeit reichen, werden sie dieses Gespür aber tatsächlich nicht entwickeln.
    Ich glaube nicht, dass es verkehrt ist, wenn man den Meerschweinchen Portionen füttert, solange man weiß, was sie brauchen. Ad Libitum kann für Berufstätige mit großen Meerschweingruppen eine echte Herausforderung sein. Bevor man diese Art der Ernährung dann nur halbgar umsetzt, ist es besser, man bleibt bei der gewohnten Fütterung.

    Ps: Ich wünschte, es würden nur Menschen Meerschweinchen halten, die wirklich an den Tieren mit ihrem natürlichen Verhalten interessiert sind und nicht an ihrer eigenen Bedürfnissbefriedigung, wie ständig ein Tier um sich zu haben, was sie kuscheln und streicheln und vermenschlichen können. Menschen gehören für mein Empfinden nicht in die Hände von Leuten, die einfach nur ein Haustier haben wollen (so wie jedes andere Tier ebenfalls nicht). Meerschweinchen haben es verdient, als Mitbewohner geschätzt und artgerecht behandelt zu werden.

    Leider sehen das die meisten Menschen anders … (sonst würde man hier keine Ines‘ und Birgits lesen müssen).

  2. Mein Meerschweinchen (w) wurde fast acht Jahre. Obwohl er Einzelgänger war.
    Es lief neugierig den ganzen Tag immer in meinem Zimmer rum, pieselte im Käfig (nur das Unterteil stand) und Köttelte ins Zimmer. Im Sommer ging es stundenweise auf die Wiese ohne Gehege ohne Leine.
    Es hatte immer genug zu fressen und freute sich trotzdem , wenn ich kam. Las ich ein Buch krabbelte es unter meine langen Haaren und schlief an meinem Hals gekuschelt ein. Mit dem Bock von meinem Bruder hatte es nichts am Hut und lief eher vor ihm weg.
    Auch Hunde sind Rudeltiere und nehmen den Menschen als Ersatz an, so wie es auch bei Meerschweinchen sein kann. Es kommt auch darauf an wie intensiv ich mich damit beschäftige.

    1. Helmut Schmidt wurde, obwohl er sein Leben lang starker Raucher war, auch weit über 90 Jahre alt. Man wird immer irgendeine Begründung und eine Ausnahme finden um seine eigene Haltung zu rechtfertigen, so falsch oder widersinnig sie auch ist.
      Der Vergleich mit den Hunden ist leider ebenso nicht zielführend bzw. ein Analogieschluss.

    2. Hunde sind seit mehreren hunderttausend Jahren mit dem Menschen zusammen gewachsen. In der Steinzeit haben Wölfe sich FREIWILLIG uns Menschen angeschlossen und durch eine eher natürlich entstandene Selektion, weil die Menschen den zahmeren zugeneigter waren, haben sie sich immer mehr zu unseren einzigen tierischen Partnern entwickelt.
      Es wurde beobachtet, dass Hunde weniger sozialverhalten gegenüber der eigenen Art hegen, als Wölfe. Wölfe wissen instinktiv, dass sie sich brauchen, Hunde wissen instinktiv, dass sie den Menschen brauchen.
      Hunde verstehen unsere Mimik, unsere Gesten und unseren Tonfall. Sie kommunizieren auf eine Art mit uns, die keinem anderen Tier möglich ist. Sie verstehen uns und haben sogar selbst Verhaltensmuster gelernt, auf die wir Menschen besonders angenehm reagieren. Der Hundeblick ist da ein sehr bekanntes Beispiel. Diesen haben Wölfe nicht.

      Es ist tatsächlich so, dass Hunde den Menschen fast schon anderen Hunden bevorzugen, wir sind ihr Rudel – was nicht heißt, dass sie keinen Kontakt zu Artgenossen brauchen!

      Meerschweinchen sind zwar auch sehr, sehr domestiziert, im gegensatz zu vielen anderen Haustieren, die der Mensch gerne hält, aber diese Domestikation hat sich in erster Linie auf ihr Verhalten ihren Artgenossen gegenüber ausgeprägt (die Böcke wilder Meerschweinchen sind wesentlich aggressiver untereinander, während unsere Hausmeerschweinchen bei der richtigen Gehegegröße auch zu mehreren Böcken mit vielen Weibchen gehalten werden können) und in ihrem Körperbau (kürzere Beine, pummeligere Optik und dann natürlich noch die ganzen Rassestandarts).
      Da sie aber jahrtausendelang in erster Linie als Nahrung dienten und nicht wie der Hund als Jagdbegleiter und Beschützer, und vielleicht auch, weil hundeartige generell anpassungsfähiger sind (Wölfe haben einst, genau wie die Menschen, die komplette Erdkugel besiedelt) haben sie bei weitem nicht die Kommunikationsfähigkeit zu uns, die der Hund vorzuweisen hat. Einzig das Quieken haben sie sich für uns angeeignet. So wie ich gelesen habe, ist das, wie auch das Mauzen von Katzen, ein Babygeräusch und wird in der Natur von erwachsenen Tieren nicht mehr verwendet. Das kann man auch gut selbst beobachten. Kein erwachsenes Meerschweinchen quiekt einen Artgenossen lautstark an.
      Das haben sie sich angewöhnt, um Futter zu erbetteln. Nicht mehr und nicht weniger. Bei anderen, ernsthaften Sorgen quieken nicht, sondern zwitschern, was ihrem eigenen Stressabbau dient und manchmal auch Artgenossen zum trösten animiert. Das habe ich bisher aber nur unter Weibchen beobachtet. Keines meiner Böcke habe ich je zwitschern hören. Die würden sich das nicht erlauben, denn das bedeutet Schwäche. Das ist vergleichbar wie das Weinen bei Männern. Männer empfinden es meist als unmännlich, zu weinen. Dass es Männer gibt, die das trotzdem tun, liegt an ihrem regen Verstand. Ein Meerschweinchen denkt nicht: „Eigentlich ist es albern zu meinen, ich bin nicht mehr stark, wenn ich weine (zwitschere), ich lasse es jetzt einfach raus“. Selbst wenn ein Meerschweinchen so denken könnte, würde das Zwitschern dann doch einen streitlustigen Bock auf den Plan rufen.

      Ein Meerschweinchen mit einem Hund zu vergleichen, ist absolut haltlos. Diese beiden Tierarten haben rein gar nichts gemeinsam!

      Meerschweinchen sind und bleiben Gruppentiere. Sie brauchen ihre Gruppe und wenn sie sie verloren haben (was ja auch in der Natur vorkommt), dann schreien sie das nicht in die Welt hinaus und dann werden sie auch nicht depressiv. Sie werden sich stärker vor den Gefahren verstecken, als im Schutz der Gruppe, aber werden weiter fressen, weiter herumrennen und sogar popcornen, solange, bis sie eine neue Gruppe gefunden haben, der sie sich vielleicht anschließen können (wenn sie bis dahin nicht gefressen worden). Meerschweinchen brauchen Futter und Bewegung, sonst sterben sie noch schneller, also werden sie damit nicht aufhören, wenn sie sich in einer misslichen Lage befinden.

  3. Woher weiß mein Meerschweinchen das es Weintrauben essen kann? Ich lege eine Traube vor sie und sie schauen sie gar nicht an, eventuell wissen sie gar nicht was sie verpassen?

  4. Hallo Nadine,
    ja,was soll ich sagen, wenn ich das geplant hätte, dann hätte ich auch gewusst, wo sie sich ausbreiten können.
    Wir haben sie nur behalten weil sie uns leid taten. Im Tiergarten hätte man sie an die Geparden verfüttert. Das war für uns keine Option.
    Wir haben zwar einen Garten aber auch einen großen Hund. Nachts treiben sich auch mal Waschbären bei uns herum und ausserdem ist Winter.
    Wann kann man sie eigentlich raus setzen? Meerschweinchen vertragen doch sicher keine Kälte!

    1. Hallo,

      Meerschweinchen können grundsätzlich auch ganzjährig draußen gehalten werden. Lies dazu am besten mal unseren Artikel zur Außenhaltung. Im Moment kannst Du sie natürlich nicht raussetzen, eine Umgewöhnung nach draußen erfolgt ungefähr im Juni, wenn es auch nachts warm genug ist.

      Den Auslauf kann man mit PVC auslegen und darauf Fleecedecken legen, dann können sie sich frei bewegen und der Teppich leidet nicht.

      Viele Grüße
      Nadine

  5. Uns sind zwei Meerschweinchen zugelaufen. Also, unser Hund entdeckt und unsere Kinder haben sie dann im Wald eingefangen. Es sind zwei Männchen.
    Beide waren noch nicht ausgewachsen. Der kleinere hatte sogar noch ein Stück Nabelschnur dran. Das War im September. Wir haben sie behalten und aufgepäppelt. Sie hatten Haarausfall durch Pilzbefall und Räute. Dann haben sich auch noch unsere Kinder mit dem Pilz angesteckt. Ich hatte schon bereut, dass wir sie gefunden haben aber was soll man da machen.
    Nun sind sie groß und gesund aber sie streiten sich manchmal. Wir haben für den Käfig (1,20 x 0,60) nun eine zweite Etage gebaut damit sie sich auch mal aus dem Weg gehen können und auch ein zweites Häuschen reingestellt. Hoffentlich wird es mit den Streitigkeiten nicht mehr. Futter kriegen sie jedenfalls genug. Daran kann es nicht liegen.

    1. Hallo,

      sehr wichtig ist es dass die beiden ein ausgewachsenes, gut sozialisiertes Böckchen an ihre Seite bekommen, welches sie erziehen kann. Sie sind leider schon viel zu lange ohne erwachsenes Tier.

      Zudem ist der Käfig viel zu klein. Pro Bock rechnet man minimal 1 m², am besten auf einer Etage. Zusaätzlich täglich mehrstündigen Auslauf. Bei dem kleinen Käfig (0,72 m² statt 2 m²) ist Streit vorprogrammiert.

      Viele Grüße
      Nadine

  6. Hallo ich noch mal! Ich wollte Ihnen noch sagen,als ich vor Jahren ein Meerschweinchen ganz alleine gehalten habe,der hieß Purzel und hatte Ihn damals aus einer schlimmen Haltung rausgeholt. Er wurde von seinem damaligen Halter übel vernachlässigt worden. Ich habe Ihn aufgepäppelt,mehre Tierarzt Besuche waren nötig gewesen. Ich habe dieses wunderbare Tier noch 5 Jahre erleben dürfen. Irgendwann hatte man bei Ihm Krebs entdeckt,der aber schon vorher da gewesen sein muss. Zu der Zeit als ich Ihn bei mir hatte,war er Ca 4 Jahre alt. Er wurde demnach bei guter Pfege gute 9 Jahre alt. Das wollte ich nochmal Los werden.

  7. Hallo,vielen Dank für ihre Antwort. Ja natürlich habe ich mir oft darüber Gedanken gemacht,ob ich Meine Tiere noch zusammen halte. Ich habe es in meinem Beitrag nicht erwähnt,das wir noch ein Meerschweinchen Krümel halten,aber der steht bei meinem Sohn im Zimmer. Als Krümel und Gissmo zusammen waren,haben die sich nur noch geprügelt(zwei Böcke)und deshalb habe ich die beiden auseinander genommen. Es kam zu Verletzungen und wollte denen das nicht länger an tun. Seid dem ging es auch wieder besser und ruhiger zu. Klar ist es unter denen auch normal,das Sie Kämpfe austragen,wie bei uns Menschenl wider auch. Ich hoffe das Sie mir es nicht übel nehmen,wenn ich sagen muss,das ich mir das nicht mehr weiter antun wollte. Es tat mir weh wenn einer von den beiden‘ wenn auch kleine,‘ Verletzungen davon getragen hatten,die beiden deshalbz u trennen. Gissmo ist ein Rossetten und Krümel ein Langhaar,liegt es vielleicht daran,das die beiden sich nicht vertragen??
    Vielleicht könnens ie mir ja einen Tipp geben,wäre nett und würde mich freuen. Also bis bald.

    1. Böcke vertragen sich nun mal nicht immer. Viele Bockgruppen funktionieren, manche nicht – erst recht, wenn sie in einem kleinen Käfig auf engstem Raum vor sich hinvegetieren müssen.

      Ich habe 3 unkastrierte Böcke, die in einem 3,60 m Gehege leben. Einer davon war ein bis zwei Jahre (die Vorbesitzer wussten nicht mehr, wie lange sie ihn genau hatten), als ich ihn mit den beiden ca. 12 Wochen alten Jungtieren zusammen setzte.
      Der ältere und einer der Jüngeren haben sich am Anfang ständig gekabbelt. Keiner von ihnen wollte den höchsten Rang dem anderen überlassen. Eines Tages hatte der junge Bock ein dickes Auge und der ältere war fortan der Boss. Der Jüngere hat sich nun gefügt.
      Noch einige Wochen lang hatte der Kleine enormen Respekt vor dem älteren, ist jedes Mal panisch geflohen, wenn der andere sich näherte. Wie hätte er das in einem 1,20 Käfig tun sollen? Dort hätten die Kämpfe nie aufgehört. NIE! Denn der Kleine hätte nicht zeigen können, dass er sich unterwirft.

      Jetzt leben die 3 seit 6 Monaten zusammen und sind auch ein richtig tolles Trio geworden. Das möchtegerndominante Jungtier hat nach wie vor Respekt – auch vor dem dritten – aber er ist mittlerweile kein Außenseiter mehr. Es hat eine Weile gedauert, aber nun läuft es. Ab und an muss sich trotzdem angezickt werden. Das passiert nicht oft und nur durch kurzes Zähnerascheln. Die Rangfolge wird von allen akzeptiert.

      Wer aber seine Tiere in kleinen Käfigen hält, sie ab und an rabiat mit der Hand herausholt (für das Meerschweinchen bedeutet gepackt zu werden, vom Raubtier erwischt zu werden) und dann noch herzallerliebst kuschelt (Meerschweinchen sind keine Kuscheltiere), muss sich nicht wundern, wenn es zwischen seinen Tieren Stress gibt.
      Denn der Stress, der sich im Körper aufbaut, zeigt sich im Verhalten. Dieses Verhalten nehmen wir aber nicht immer wahr. Die wenigsten Meerschweinchen wehren sich durch beißen. Meine beiden Jungböcke waren extrem unzahm und verängstigt, als ich sie geholt haben, gebissen haben sie nicht einmal, obwohl sie mich anfangs bestimmt lieber tot gesehen hätten. Inzwischen sind sie übrigens handzahm und das, obwohl (oder gerade weil) ich sie noch nicht einmal mit den Händen eingefangen habe, seit sie ihr Gehege bezogen haben.
      Die Tiere aber nehmen ihr Verhalten gegenseitig sehr deutlich wahr. Sie puschen sich in ihrem Stress gegenseitig hoch und kabbeln sich, statt dass sie es an dem auslassen, der Schuld an ihren Lebensumständen trägt.

      Dein „gerettetes“ Meerschweinchen und die, die du aktuell quälst, hätte jemand vor dir retten müssen. Schade, dass niemand die Chance dazu bekommen wird.

  8. Hallo,ich habe Ihre Website mit Spannung durch gelesen. Ich habe ein Meerschweinchen im Alter von 1.Jahr,und muss sagen,das wenn ich meinen mir Namen rufe,reagiert es sofort. Deshalb kann ich mir nicht vorstellen,das es falsch sein soll. Wenn er rumläuft,kommt er mir oft hinterher und quiekt freudig. Ich bin der Meinung das vieles was Sie geschrieben haben richtig ist,aber ich glaube nicht das mein Gissmo unglücklich ist,weil ich Ihn alleine halte. Da ich mich sehr viel mit Ihm beschäftige und er mag es auch wenn ich Ihn am Kinn streichel.
    Also vieles trifft zu,aber es gibt zu 100{%} auch Ausnahmen unter Meerschweinchen.
    Danke für Ihren Bericht.

    1. Hallo Ines,

      natürlich reagiert Dein Meerschweinchen sofort wenn Du es rufst, denn Du bist seine Bezugsperson und obendrein natürlich die Futterquelle. Das ist aber kein Zeichen dafür dass die Einzelhaltung richtig oder so schlimm nicht sein kann, sondern im Gegenteil dass es Deinem Meerschweinchen an Sozialpartnern fehlt – und die kann der Mensch niemals ersetzen, auch nicht in einer 24 Stunden Betreuung.
      Meerschweinchen sind und bleiben Rudeltiere und da es in der Einzelhaltung gar keine andere Möglichkeit für Dein Meerschweinchen gibt als sich auf Dich zu fixieren, wird es genau dies tun. Freiwillig geschieht dies aber nicht, sondern es ist ein Zwang, den Du als Halter Deinem Tier auferlegst, weil Du das so möchtest.

      Ich kann Dir nur dringend raten über mindestens ein weiteres Meerschweinchen nachzudenken. Wusstest Du dass Meerschweinchen in Einzelhaltung mitunter Jahre früher sterben, als in Gruppenhaltung? Warum ist das wohl so? Es ist der Egoismus des Menschen der dem Tier Artgenossen vorenthält und durch Fehldeutung zu rechtfertigen versucht, nicht das Glück des Meerschweinchens ein tolles Leben zu haben und zu gehen wenn es am schönsten ist.

    2. Nicht umsonst ist es in der Schweiz illegal, Meerschweinchen einzeln zu halten!
      Ich habe neun Schweinchen und erfreue mich immer daran, wie sie miteinander toben und spielen – diese Sozialkontakte KANN ein Mensch NICHT ERSETZEN!
      Liebe Ines – stell du dir doch einmal vor, du darfst dein ganzes Leben nur noch mit sagen wir Giraffen (wegen dem Größenunterschied) verbringen. Sie geben dir zu essen und spielen mit dir. Würdest du da nicht andere Menschen vermissen?

    3. Ines ist das perfekte Beispiel für egoistische Ignoranz der Menschen. „Mein Schweinchen lebt, läuft herum und quiekt, also geht es ihm gut.“
      Als meine Tochter noch klein war, ist sie oft noch mit Fieber herumgetobt, hat gequiekt und Spaß gehabt und damit ist sie kein Einzelfall.

      Dein armes Meerschweinchen hat gar keine andere Wahl! Es ist allein, versteht nicht warum und fragt sich das auch nicht, es arrangiert sich einfach mit der Situation, weil ändern kann es eh nichts daran. So verhält sich fast jedes Tier dieser Welt, wenn es nicht artgerecht gehalten wird! Es macht aus der Situation was es kann.
      Glücklich ist es aber ganz sicher nicht.

      Ich wünschte, Menschen wie du würden mal jahrelang in eine Wohnung gesperrt werden. Wir Menschen reagieren tatsächlich heftiger auf Missstände in unserem Leben, denn wir können es uns leisten, den Kopf in den Sand zu stecken.
      Probiere es doch mal aus. Triff dich ein Jahr lang nicht mehr mit Menschen, telephoniere mit niemandem, schreibe keine SMS, E-Mails, chatte nicht und was man heutzutage sonst noch alles tun kann, um mit Menschen zu kommunizieren. Tu‘ es einfach nicht mehr. Ein Jahr lang mindestens.

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