Wer glaubt, mit ein paar Pellets pro Tag und Mineralien durch Salzlecksteine dem Meerschweinchen etwas Gutes zu tun, irrt leider. Diese Form der Ergänzung ist vor allem für den Halter bequem, aber nicht automatisch gut und schon gar kein Ersatz für eine artgerechte Ernährung. Salzlecksteine erfüllen bestenfalls keinen Nutzen, schlimmstenfalls drohen gesundheitliche Probleme. Deshalb sollte man auf Salzlecksteine und Mineraliensteine verzichten, auch wenn sie im Handel immer wieder als sinnvolles Zubehör für die Erstausstattung empfohlen werden.
Salzlecksteine gibt es in verschiedenen Varianten. Grob kann man sie folgendermaßen einsortieren:
Gebrochene Salzlecksteine
Gebrochene Salzlecksteine werden im Salzbergwerk direkt aus dem Massiv gebrochen und nahezu unverarbeitet in Form gebracht. Gegenüber industriell gepressten Mineraliensteinen enthalten sie deutlich weniger zusätzliche Mineralien als Natriumchlorid, also Kochsalz. Sie sind von relativ fester Struktur, was das Abknabbern größerer Stücke in der Regel besser verhindert. Das ist wichtig, um eine hohe Überdosierung zu vermeiden.
Trotzdem bleibt die Grundfrage: Warum sollte ein gesundes, abwechslungsreich ernährtes Meerschweinchen überhaupt dauerhaft konzentriertes Salz im Gehege haben?
Industriell gefertigte Mineraliensteine
Speziell hergestellte Salzlecksteine der Futterhersteller sind am häufigsten anzutreffen. Bei ihnen wird normales Kochsalz mit weiteren Mineraliensalzen, Spurenelementen und teilweise sogar mit Kräutern oder Körnern zu einem Block gepresst. Sie sind aus mehreren Gründen problematisch:
- Sie sind verglichen mit Natursteinen oft brüchiger. Eine Überdosierung ist wahrscheinlicher, wenn ein Meerschweinchen daran knabbert.
- Werden die Steine mit leckeren Zutaten versetzt, können diese das Tier dazu verleiten, häufiger daran zu gehen. Genau das begünstigt eine unnötig hohe Aufnahme.
Industriell gefertigte Salzlecksteine können zudem jodiertes Speisesalz enthalten, ohne dass dies für den Halter immer klar erkennbar ist. Eine übermäßige Jodzufuhr kann die Schilddrüse belasten. Solche Fragen gehören nicht in die heimische Zusatzfütterung, sondern im Zweifel in die tierärztliche Beratung.
Himalaya-Salzleckstein
Mineraliensteine aus sogenanntem Himalayasalz sind ebenfalls aus dem Massiv gebrochene Steine. Auffällig ist ihre rötliche Färbung, die durch Eisenverbindungen verursacht wird. Derartige Produkte werden häufig deutlich teurer angeboten als gewöhnliche Lecksteine. Der Nutzen für Meerschweinchen ist aber nicht anders als bei normalen Salzlecksteinen.
Vorteilhaft kann bei sehr festen Steinen sein, dass sie eher abgeleckt als abgebissen werden. Das ändert aber nichts daran, dass der Stein für gesunde, ausgewogen ernährte Meerschweinchen nicht nötig ist.
Das Problem mit dem Salzleckstein
Bestenfalls findet ein Salzleckstein keine besondere Beachtung. Dann ist er ungefährlich, aber eben auch vollkommen überflüssig. Für Probleme kann er dennoch sorgen:
- Er macht bequem. Ein Salzleckstein ist ein überflüssiges Nahrungsergänzungsmittel, wenn die Tiere abwechslungsreich und artgerecht ernährt werden. Gesunde Meerschweinchen nehmen die relevanten Mineralien über Futter und Wasser auf, und zwar in natürlicher Menge.
- Überdosierung ist möglich. Gerade die konzentrierte Form von Natriumchlorid und weiteren Mineralsalzen ist problematisch. Zusätzliche Lecker-Zutaten verschärfen das, weil häufiger am Stein geknabbert wird.
- Er lenkt vom eigentlichen Problem ab. Wer einen Mangel vermutet, sollte die Fütterung und den Gesundheitszustand prüfen lassen, statt pauschal einen Mineralstein anzubieten.
Mögliche Folgen
Man kann es guten Gewissens als Legende bezeichnen, dass Meerschweinchen Salzlecksteine für ihre Ernährung und Aufrechterhaltung der Körperfunktionen benötigen. Einen Mineralienmangel bekommen Meerschweinchen eher dann, wenn Fütterung und Haltung insgesamt nicht stimmen.
- Solche Steine können dafür sorgen, dass das Tier ein Vielfaches der benötigten Menge einzelner Mineralien zu sich nimmt.
- Besonders problematisch sind zusätzliche Calciumsalze, die bei entsprechender Veranlagung und Fütterung Blasensteine beim Meerschweinchen begünstigen können.
- Jodiertes Salz und eine daraus resultierende Überversorgung können die Schilddrüse belasten.
- Eine dauerhaft zu hohe Salzaufnahme kann Nieren und Kreislauf belasten und im schweren Fall lebensgefährlich werden.
Ich würde garnicht auf diese Idee kommen.