Wir Menschen übertragen gern das, was wir selbst für gesund halten, auf unsere Tiere. Obst, Getreide und Nüsse gelten als wertvoll, also müssten sie doch auch dem Meerschweinchen guttun. Genau hier liegt der Fehler: Was für den Menschen geeignet sein mag, passt noch lange nicht zu einem Pflanzenfresser, dessen Verdauung auf Gräser, Kräuter und faserreiche Nahrung ausgerichtet ist.
Was ist Kraftfutter für Meerschweinchen?
„Kraftfutter“ ist keine einheitliche Qualitätsbezeichnung für ein bestimmtes Meerschweinchenfutter. Gemeint sind meist energiereiche Mischungen oder Bestandteile mit Getreide, Mais, Saaten, Nüssen, getrocknetem Obst oder zuckerhaltigen Bindemitteln. Solche Mischungen unterscheiden sich deutlich von einheitlichen, grasbasierten Pellets, die in kleiner Menge Teil einer Ration sein können.
Ein Blick auf die Zutatenliste ist deshalb wichtiger als die große Bezeichnung auf der Vorderseite. Bunte Ringe, Flocken, Körner und Früchtestücke machen ein Produkt für Menschen attraktiv; sie sagen wenig über seine Eignung für Meerschweinchen aus.
Wie viel „Kraft“ braucht das Schwein?
Gesunde erwachsene Meerschweinchen haben einen vergleichsweise geringen Bedarf an konzentrierter Energie. Ihre Grundnahrung besteht aus Heu und Gras sowie vielfältigem Frischfutter. Zuckerreiche, fettreiche oder sehr stärkehaltige Bestandteile verdrängen schnell die Nahrung, mit der die Tiere lange kauen und ihren Verdauungstrakt angemessen beschäftigen.
Nüsse, Sonnenblumenkerne, Maisflocken und süße Trockenfrüchte sind daher keine gesunde Hauptmahlzeit. Auch Brot wird nicht dadurch geeignet, dass es trocken und hart ist. Die Tiere brauchen lange Fasern, nicht möglichst harte Kalorien.
Mögliche Folgen von zu viel Kraftfutter
Nimmt ein Meerschweinchen dauerhaft mehr Energie auf, als es verbraucht, kann es übergewichtig werden. Gleichzeitig kann eine energiereiche Mischung die Aufnahme von Heu und Blattgrün verringern. Damit fehlen lange Kauzeiten und Faserstruktur.
Besonders problematisch ist selektives Fressen: Aus Müslimischungen werden bevorzugt süße oder fettreiche Bestandteile herausgesucht, während faserreichere Stücke liegen bleiben. Die tatsächlich gefressene Ration entspricht dann nicht mehr der Zusammensetzung, die auf der Packung berechnet wurde.
Verdauungsbeschwerden, Zahnprobleme oder Übergewicht haben meist mehrere Ursachen. Kraftfutter ist nicht automatisch der alleinige Auslöser jeder Erkrankung, kann bei falscher Auswahl und Menge aber ein vermeidbarer Risikofaktor sein.
Was bedeutet Alleinfutter?
„Alleinfuttermittel“ ist kein loses Marketingwort, sondern ein rechtlich definierter Begriff. Ein so bezeichnetes Mischfuttermittel ist seiner Zusammensetzung nach für eine tägliche Ration ausreichend, wenn es nach den Fütterungshinweisen eingesetzt wird. Das bedeutet trotzdem nicht, dass ein Napf Pellets alle natürlichen Bedürfnisse eines Meerschweinchens erfüllt.
Heu beziehungsweise Gras bleiben für lange Fress- und Kauzeiten unverzichtbar. Frischfutter bringt Abwechslung und Flüssigkeit. Ein Produkt kann ernährungsrechtlich als Alleinfuttermittel gekennzeichnet sein und dennoch nicht allein für Beschäftigung, Zahnabrieb und eine tiergerechte Rationsgestaltung sorgen.
Kraftfutter als Nahrungsergänzung
Jungtiere, trächtige oder säugende Weibchen, untergewichtige Tiere und Tiere in Rekonvaleszenz können einen anderen Energie- und Nährstoffbedarf haben. Daraus folgt keine pauschale Empfehlung für eine Körnermischung. Die Ergänzung sollte zur Situation passen und bei kranken Tieren mit einer heimtierkundigen Praxis abgestimmt werden.
Wenn ein Meerschweinchen stark abnimmt oder nicht frisst, ist Päppeln Teil eines medizinischen Behandlungsplans. Eine „Kalorienbombe“ auf Verdacht kann die Ursache weder finden noch behandeln.
Geeignetes Futter auswählen
- Heu und frisches Wasser bilden die ständig verfügbare Grundlage.
- Gras, Blattgrün und Gemüse sorgen für eine abwechslungsreiche Ration.
- Falls Pellets gefüttert werden, sind einheitliche, grasbasierte und meerschweinchenspezifische Produkte einer bunten Müslimischung vorzuziehen.
- Menge und Zusammensetzung richten sich nach Alter, Gesundheitszustand und restlicher Fütterung.
- Futterwechsel erfolgen schrittweise.
Dieser Artikel überschneidet sich bewusst mit dem Thema Trockenfutter für Meerschweinchen. Dort geht es genauer um Deklaration, Pellets und die Umstellung. Geeignete kleine Belohnungen behandelt der Artikel über Leckerli für Meerschweinchen.
Was hat es mit Brot auf sich – Weißbrot, Mischbrot – wenn es hart getrocknet ist? Unsere Meerschweinchen nagen gern an hartem Mischbrot.
Brot ist nicht geeignet für Meerschweinchen da es in seiner Zusammensetzung für Meerschweinchen schwer verdaulich ist. Es ist besser sie an Holz (Äste / Zweige) nagen zu lassen. Siehe hierzu auch: https://www.meerschweinchen-ratgeber.de/haltung/mythen/#brot