Polydaktylie

Vielzehigkeit bei Meerschweinchen

Vielzehigkeit bei Meerschweinchen: Polydaktylie, zusätzliche Zehen, Verletzungsrisiken, Atavismus und tierärztliche Beurteilung.

Für Meerschweinchen stellt die Vielzehigkeit in mehrerer Hinsicht ein Problem dar. Abgesehen davon, dass sie in einigen Ländern als besondere Eigenschaft bestimmter Linien gilt, können zusätzliche Zehen das Tier in seiner Bewegung stören oder zu Verletzungen führen. Vielzehigkeit kommt bei Meerschweinchen immer wieder vor, ist jedoch nicht automatisch mit einem Atavismus gleichzusetzen.

Ursachen von Polydaktylie

Die Vielzehigkeit, fachlich korrekt Polydaktylie, ist bei Meerschweinchen genetisch bedingt und somit erblich. Betroffen sind meistens die Hinterläufe. In europäischen Zuchtlinien wird Polydaktylie in der Regel vermieden, weil zusätzliche Zehen je nach Ausprägung eine Belastung für das Tier sein können.

Bei Cuys, also Riesenmeerschweinchen, ist die Vielzehigkeit noch häufiger zu finden, da viele Linien aus südamerikanischen Beständen stammen. Wichtig ist aber: Nicht jede zusätzliche Zehe ist gleich problematisch. Entscheidend ist, ob sie stabil, funktionsfähig und verletzungsfrei ist.

Symptome von Polydaktylie

Meerschweinchen haben normalerweise vier Zehen an den Vorderfüßen und drei Zehen an den Hinterfüßen. Bei Polydaktylie haben sie mehr als drei bis vier Zehen pro Fuß. Die zusätzlichen Zehen können unterschiedlich ausgebildet sein:

  • voll funktionsfähige zusätzliche Zehen mit Knochen und Gelenken
  • kleine, instabile Zehen mit schwach ausgebildeten Gelenken
  • lose Hautanhängsel, die wie Zehen aussehen, aber kaum Halt haben
  • Krallen, die schief wachsen, hängen bleiben oder schwer zu kürzen sind

Voll funktionsfähige Zehen behindern Meerschweinchen oft nicht. Problematisch werden zusätzliche Zehen vor allem dann, wenn sie hängen bleiben, wund werden, einreißen oder beim Laufen stören.

Behandlung von Polydaktylie

Aus Sicherheitsgründen sollten solche zusätzlichen Zehen tierärztlich beurteilt werden, die ohne stabile Gelenke oder Knochen ausgebildet sind. An ihnen bleiben Meerschweinchen schnell hängen und können sich verletzen. Ob eine Amputation sinnvoll ist, hängt von Ausprägung, Verletzungsrisiko und Belastung des Tieres ab.

Bei Cuys ist die Vielzehigkeit noch häufiger zu finden. Das macht sie nicht automatisch harmlos, aber es erklärt, warum man sie dort öfter sieht. Entscheidend bleibt immer das einzelne Tier: Läuft es sicher, bleibt es nirgends hängen und wachsen die Krallen kontrollierbar?

Polydaktylie und Atavismen

Polydaktylie kann eine falsche Diagnose sein, wenn in Wirklichkeit die Ausbildung weiterer Zehen durch einen Atavismus begründet ist. Atavismus, lateinisch für Urahn, bezeichnet das Wiederauftreten anatomischer Merkmale, die der Gattung einst entsprachen, sich jedoch weitgehend verloren haben und nur noch zufällig in Erscheinung treten.

Austausch

5 Kommentare

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  1. Hallo, wir haben vor ein paar tageb 2 würfe baby meerschweichen bekommen. Die eltern sind in keinster weise verwandt, aber die babys sind teilweise blind oder haben an den hinterpfoten 4 zehen. Woran könnte das liegen?

    1. Hallo,

      leider kann es immer zu Behinderungen kommen, wenn man nicht den kompletten Stammbaum kennt.
      Haben beide Eltern weiße Haare? Dann könnten sie (verdeckte) Schimmel oder Dalmatiner sein und eine Paarung aus beiden kann tödlich sein.
      Die Polydaktylie (Vielzehigkeit) kommt oft bei Cuys oder ihren Hybriden vor.

      Viele Grüße
      Nadine

  2. Hallo,
    Bei meinem Meerschweinchen wachsen vorne links zusätzliche Krallen, jedoch wachsen diese nicht nebeneinander sondern direkt untereinander. Ich werde baldmöglichst einen Tierartzt aufsuchen, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass es nicht unangenehm beim laufen ist. Momentan ist sie aber noch recht aktiv und verhält sich normal.

  3. „Aus Sicherheitsgründen sollten derartige Zehen, welche ohne Gelenk und Knochen ausgebildet sind, amputiert werden“
    Das ist Tierschutzrechtlich nicht erlaubt. Es ist verboten Tieren ohne medizinischen Grund Organe oder Körperteile zu entfernen. Die Gefahr einer Verletzung ist nicht Grund genug. Die Kastration ist die einzige Ausnahme, weil sie der Bestandseindämmung dient und kann jederzeit durchgeführt werden.

    Ist genauso wie die Wolfskralle beim Hund, ohne Grund darf die nicht amputiert werden. Das heißt im Umkehrschluss, dass sich das Tier erst verletzen muss, damit man die Überschüssige Zehe amputieren darf. Jeder Tierarzt, der einem Hund oder Meerschweinchen eine Wolfskralle oder überschüssige Zhehe präventiv bei der Kastration mit abnimmt, handelt bewusst gegen das Tierschutzgesetz.

    1. Hallo,

      letztendlich stimmt das. Wobei ich schon schlimme Verletzungen auf Grund solcher Zehen gesehen habe.

      Das Tierschutzgesetz lässt jedoch Spielraum.
      Tierschutzgesetz §6(1)…Das Verbot gilt nicht, wenn
      1.
      der Eingriff im Einzelfall
      a)
      nach tierärztlicher Indikation geboten ist …

      Die Kastration einzeln gehaltener Hunde und Katzen ist laut Tierschutzgesetz auch verboten, wird jedoch in vielen Fällen durchgeführt.

      Viele Grüße
      Nadine

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