Die Osteodystrophie ist eine Stoffwechselerkrankung der Knochen, bei der Knochensubstanz abgebaut und teilweise durch Bindegewebe ersetzt wird. Dadurch werden die Knochen instabil. Die Erkrankung wird auch Satinkrankheit oder Satin-Syndrom genannt, weil sie besonders bei Satinmeerschweinchen beschrieben wurde. Diese Tiere werden in unterschiedlichen Rassen und Farben gezüchtet. Ihr Fell glänzt auffällig, weil die Haare anders aufgebaut sind und das Licht besonders brechen.
Früher wurde angenommen, alle Satinmeerschweinchen seien betroffen. So eindeutig ist die Datenlage nicht: Nicht jedes Satinmeerschweinchen erkrankt sichtbar, die Osteodystrophie tritt in dieser Zuchtform jedoch gehäuft auf. Die genaue Entstehung ist weiterhin nicht abschließend geklärt. Für mich bleibt deshalb der Appell bestehen, Satinmeerschweinchen nicht gezielt zu vermehren.
Ursachen der Osteodystrophie
Die Erkrankung wird bei Satinmeerschweinchen auffällig häufig beobachtet. Untersuchungen sprechen für eine Störung des Knochenstoffwechsels; diskutiert werden unter anderem ein sekundärer Hyperparathyreoidismus sowie Zusammenhänge mit Nierenveränderungen. Eine einfache rezessive Vererbung ist dagegen nicht sicher belegt. Auch Meerschweinchen ohne sichtbares Satinfell können Veränderungen des Knochenstoffwechsels entwickeln, weshalb ähnliche Beschwerden immer ergebnisoffen untersucht werden müssen.
Symptome der Satinkrankheit
- Schwierigkeiten beim Laufen, ein hoppelnder Gang oder Entlastung einzelner Gliedmaßen
- Schmerzempfindlichkeit, Bewegungsunlust und Probleme beim Aufstehen
- Probleme beim Fressen, Speicheln oder wiederkehrende Zahnprobleme, wenn Kiefer und Schädel betroffen sind
- Gewichtsabnahme trotz sichtbaren Interesses am Futter
- Bevorzugung von weichem Futter
- Knochenverformungen und in schweren Fällen pathologische Brüche
Beschwerden wurden häufig bei jungen erwachsenen Satinmeerschweinchen beschrieben, können aber nicht allein anhand des Alters oder des Fellglanzes eingeordnet werden.
Diagnose
Bei entsprechenden Symptomen gehört das Meerschweinchen zeitnah in eine heimtierkundige Tierarztpraxis. Röntgenaufnahmen können typische Veränderungen an Schädel, Wirbelsäule, Hüfte und langen Röhrenknochen sichtbar machen. Je nach Befund sind zusätzlich eine gründliche Zahnuntersuchung sowie Blut- und Urinuntersuchungen sinnvoll, um den Calcium- und Phosphatstoffwechsel und mögliche Nierenprobleme zu beurteilen. Nur einzelne Körperregionen zu röntgen kann Veränderungen an anderer Stelle übersehen.
Behandlung und Lebensqualität
Eine gesicherte Osteodystrophie lässt sich nicht mit einem einfachen Calciumpräparat heilen. Die Behandlung richtet sich nach dem individuellen Befund und ist meist palliativ: Eine wirksame Schmerztherapie, regelmäßige Zahnkontrollen, gut erreichbares Futter und Wasser sowie eine weich gepolsterte, rutschfeste Umgebung können die Lebensqualität verbessern. Ergänzungsmittel gehören wegen möglicher Fehlversorgung und Nierenbelastung nur nach tierärztlicher Diagnostik in den Behandlungsplan.
Entscheidend sind Gewicht, Futteraufnahme, Beweglichkeit, Schmerzzeichen und die Teilnahme am Gruppenleben. Lassen sich Schmerzen nicht mehr ausreichend kontrollieren oder ist selbstständiges Fressen dauerhaft nicht mehr möglich, sollte gemeinsam mit der Tierärztin oder dem Tierarzt über das Einschläfern gesprochen werden. So schwer diese Entscheidung ist: Das Wohl des Tieres steht an erster Stelle.
So gehen wir das Problem an
Unsere persönliche Haltung ist klar: Wegen des möglichen Zusammenhangs mit dem Satinmerkmal raten wir von der Zucht mit Satinmeerschweinchen ab. Bei Gewichtsverlust, Zahnproblemen oder einem auffälligen Gang lassen wir frühzeitig röntgen und besprechen eine verlässliche Schmerztherapie.
Wir haben bei einem betroffenen Tier außerdem Kolloid R von Spenglersan hinter die Ohren getropft. Für eine Wirksamkeit bei Osteodystrophie gibt es keinen belastbaren tiermedizinischen Nachweis. Wir würden es daher nicht als Ersatz für Diagnostik, Schmerzbehandlung oder Zahnversorgung einsetzen. Diese Schilderung ist persönliche Erfahrung und hat keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.



Hallo!
Ich kenne diese Erkrankung erst, seit ich selber einen solchen Fall zu Hause habe. Das Tier stammt aus einer Notstation und anhand der Fellbeschaffenheit denke Ich, dass ein Satinanteil drin ist.
Ich war kurz davor das Tier einzuschläfern, wir haben aber mit folgenden Maßnahmen nochmal die Kurve gekriegt und das ursprünglich appathische Tier hüpft seit mind. einem Jahr augenscheinlich wieder beschwerdefrei über alle Etagen:
– ich gebe auf den Rat der TA täglich ein Frubiase (ein Calciumpräparat), als Ausgleich wegen möglicher Blasensteine mache ich selber immer wieder harntreibende Kuren mit Brennessel und URI Km, sowie Vit. C Kuren zum Ansäuern des Urins.
– zur Überwindung der Schmerzen habe ich längere Zeit mit Traumeel gearbeitet
– durch die Schonhaltung hatte die Maus wohl vermehrt Rückenschmerzen. Ich habe mir bei einer Tierheilpraktikerin Tipps zur mobilisation geholt. Zu Beginn haben wir das sehr behutsam täglich gemacht, mein Schweinchen hat auch schnell verstanden, dass es hilft und lässt alles mit sich machen. Wenn zwackt meldet sie sich auch. Dadurch ist sie aus meiner Sicht überhaupt erst wieder ans Laufen gekommen. Jetzt machen wir das nur noch, wenn ich sehe, dass sie wieder schont.
Vielleicht hilft das dem ein oder anderen weiter.
Ich weiß die Calciumgabe ist umstritten, aber wenn man in Begriff ist sein Tier gehen zu lassen kann man es eh nicht mehr schlimmer machen. Wir kommen damit gut klar.
Liebe Grüße!
Hallo!
Warum unternimmt niemand vom Tierschutz etwas gegen die Zucht dieser armen Meerschweinchen. Nur weil die Tiere besonders schön sind, hat der Mensch kein Recht solche Lebewesen zu züchten, bei welchen vorhersehbar ist, daß sie sehr, sehr krank werden und unendlich leiden müssen und ihr kleines Leben schon nach kurzer Zeit beendet werden muß.
Mir tun diese Schweinchen von Herzen leid.