Trichodectidae - Gliricola porcelli

Haarlinge beim Meerschweinchen

Haarlinge verursachen Juckreiz und Fellschäden. So werden die Parasiten sicher erkannt, behandelt und in der Gruppe kontrolliert.

Haarlinge sind wirklich lästige Parasiten beim Meerschweinchen. Je nach Stärke des Befalls sitzen sie an einzelnen Stellen oder fast überall im Fell und verbreiten sich in einer Gruppe rasch. Zunächst leiden Haut und Fell, bei einem schweren Befall schließlich auch der Allgemeinzustand. Trotzdem gilt: Nicht jedes Kratzen und nicht jede kahle Stelle wird durch Haarlinge verursacht.

Was sind Haarlinge?

Haarlinge sind flügellose, wirtsspezifische Läuse. Beim Meerschweinchen kommen vor allem Gliricola porcelli und Gyropus ovalis vor. Die kleinen, hellen Tiere leben im Fell und ernähren sich von Hautschuppen und Hautsekreten. Ihre Eier, die Nissen, kleben an den Haarschäften.

Bei genauem Hinsehen sind Haarlinge und Nissen mit bloßem Auge zu erkennen. Das unterscheidet sie von vielen Milbenarten. Für Menschen sind Meerschweinchen-Haarlinge keine dauerhaften Parasiten; auf andere Meerschweinchen können sie jedoch übergehen.

Haarlinge im gescheitelten Fell eines Meerschweinchens

Wie werden Haarlinge übertragen?

Die Übertragung erfolgt vor allem durch direkten Kontakt zwischen Meerschweinchen. Neu aufgenommene Tiere können einen zunächst unauffälligen Befall in eine Gruppe bringen. Haarlinge verbringen ihren Lebenszyklus überwiegend auf dem Tier; Heu gilt nicht als überzeugend belegte Hauptquelle.

Stress, Krankheit oder ein geschwächter Allgemeinzustand können dazu beitragen, dass ein vorher kaum auffälliger Befall deutlicher wird. Daraus folgt aber nicht, dass jeder Befall durch Haltungsfehler verursacht wurde.

Die Stufen des Haarlingsbefalls

Wir teilen den sichtbaren Befall zur Beobachtung in drei Stufen ein. Diese Einteilung hilft, Veränderungen zu beschreiben, ersetzt aber keine tierärztliche Diagnose.

Leichter Befall

Nur bei sorgfältigem Scheiteln des Fells sind einzelne Haarlinge oder Nissen zu sehen. Das Meerschweinchen kratzt sich wenig oder gar nicht, Haut und Fell wirken weitgehend unauffällig.

Mittlerer Befall

Haarlinge sind an mehreren Körperstellen gut sichtbar. Das Tier kratzt oder putzt sich häufiger, das Fell kann stumpf wirken und erste kleine kahle oder schuppige Stellen zeigen.

Starker Befall

Viele Parasiten und Nissen sitzen im Fell. Starker Juckreiz, deutlicher Haarverlust, Krusten, Rötungen und offene Kratzwunden sind möglich. Manche Tiere werden unruhig, nehmen ab oder wirken geschwächt. Jetzt muss besonders schnell gehandelt und auch nach einer Grunderkrankung gesucht werden.

Nahaufnahme von Haarlingen und Nissen im Meerschweinchenfell
Deutlicher Haarlingsbefall im Fell eines Meerschweinchens

Haarlinge sicher erkennen

Die Tierärztin oder der Tierarzt untersucht Fell und Haut mit Lupe oder Mikroskop und grenzt Haarlinge von Milben, Hautpilz, Schuppen und anderen Ursachen für Juckreiz und Haarausfall ab. Offene Stellen, Gewichtsverlust oder ein schlechter Allgemeinzustand machen eine rasche Untersuchung besonders wichtig.

Behandlung und Präparate

Haarlinge lassen sich in der Regel gut behandeln. Welches Mittel geeignet ist, hängt von Alter, Gewicht, Allgemeinzustand und Stärke des Befalls ab. Die Präparate unterscheiden sich deutlich:

  • Spot-on-Präparate: Sie werden in genau berechneter Menge auf die Haut gegeben. Je nach Wirkstoff sind Wiederholungen erforderlich. Ein Hunde- oder Katzenpräparat darf nicht ohne tierärztlich festgelegte Dosierung übernommen werden.
  • Sprays: Sie verteilen den Wirkstoff im Fell, sind für viele Meerschweinchen aber belastender. Augen, Nase und Maul müssen sicher geschützt werden. Produkte mit ungeeigneten Insektiziden sind tabu.
  • Injektionspräparate: Sie werden in der Praxis eingesetzt, wenn Wirkstoff und Befund dazu passen. Auch hier entscheidet der Wiederholungsabstand über den Erfolg.

Ein einzelnes Auftragen genügt nicht bei jedem Präparat, weil Eier möglicherweise nicht vollständig erfasst werden. Produkt, Dosierung und Behandlungsabstände gehören deshalb in einen konkreten tierärztlichen Plan. Baden beseitigt den Befall nicht zuverlässig und bedeutet zusätzlichen Stress.

Gehege und Partnertiere

Kontakttiere werden mituntersucht und nach tierärztlicher Vorgabe gemeinsam behandelt. Eine Trennung ist normalerweise nicht sinnvoll. Einstreu wird gewechselt, Textilien werden heiß gewaschen und häufig genutzte Einrichtung gründlich gereinigt. Eine aggressive Komplettdesinfektion ist bei Parasiten, die überwiegend auf dem Wirt leben, nicht erforderlich.

So gehen wir das Problem an

Bei einem leichten bis mittleren Befall haben wir mit einem für Meerschweinchen ausgewählten Spray gute Erfahrungen gemacht. Bei stärkerem Befall bevorzugen wir nach tierärztlicher Rücksprache ein passend dosiertes Spot-on, weil es sich gezielter anwenden lässt und die Tiere weniger durch das Einsprühen belastet werden. Wir kontrollieren immer die gesamte Gruppe, wiederholen die Behandlung im vorgegebenen Abstand und beobachten Haut, Fell und Gewicht.

Das ist unsere persönliche Erfahrung und erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Ein Präparat, das bei einem unserer Tiere gut funktioniert hat, kann für ein anderes Tier oder in einer anderen Dosierung ungeeignet sein. Unsere Vorgehensweise ersetzt daher weder die sichere Bestimmung des Parasiten noch den individuellen tierärztlichen Behandlungsplan.

Austausch

16 Kommentare

Fragen, Erfahrungen und Ergänzungen zum Artikel sind willkommen. Antworten bleiben hierarchisch unter dem jeweiligen Kommentar sichtbar.

  1. Hey, meine Meeris haben auch Haarlinge. Wir haben vom TA Stronghold für beide bekommen. Rocky hat ziemlich viele im Fell und die haben bei ihm auch schon den Allgemeinzustand angegriffen (Gewichtsverlust, mattes Fell etc.), Lissi hat vier oder so im Fell. Wir sollten das Mittel nach 2 Wochen nochmals auftragen, aber die Dinger gehen einfach nicht weg. Gibt es vllt noch ein anderes Mittel das man empfehlen könnte? Bleibt alle gesund und auch eure Meeris. LG Marlen mit Lissi und Rocky

  2. Soll man das Meerschweinchen komplett eispruhen auch im Gesicht? Und ist kürzer Kontakt von den Meerschweinchen zu gesunden gleich Ansteckend? Und sind sie wenn sie kurz im Heu waren auch ansteckend für die anderen selbst wenn sie nach fünf Minuten wieder aus dem heißen sind bevor die Nächte Gruppe reinkommt?

  3. Hallo
    unser letztes Meeri ist heute gerade verstorben. In den letzten Tagen wollte er kaum noch Futter zu sich nehmen, egal was ich ihm anbot. Gestern abend hat er den Salat verschmäht, aber 2-3 Weintrauben geknabbert. Seit Tagen saß er nur noch apathisch in den Käfigecken oder im Haus. Ich hab es mal auf sein Alter geschoben, da er schon 8 Jahre alt war. Hatte damit gerechnet, das er von uns geht. Heute Mittag war soweit noch alles ok, aber eine Stunde später war er dann von uns gegangen. Vorher hatte man nix bei ihm gesehen, aber jetzt, wo er in seiner Bestattungsbox liegt, hat er massenhaft von diesen Haarlingen auf sich, vorallem im Kopfbereich. Wo kamen die so schnell her? Er hatte sich auch nie gekratzt oder so und bis vor ca 3 Tagen auch ganz normal gefressen. Wie gefährlich sind die Haarlinge für andere Haustiere? Wir haben noch einen Junghund im Alter von 11 Monaten.

  4. Hi ich habe bei meinen meerlis geschaut und sie haben n leider haarlinge habe sie seit 2monaten habe ein Flöhe und Ungeziefer spray für Hunde und Katzen auf die Meerschweinchen gesprüht ist das OK ?

    1. Sinnvoll wäre natürlich sich vorher über die Medikation zu informieren statt nachher. Da „Flöhe- und Ungezieferspay“ Alles und Nichts sein kann, kann man die Frage auch schlecht beantworten.
      Prinzipiell sollte man allerdings keine Medikamente für Hunde und Katzen einfach Kleintieren verabreichen, auch nicht als Spray und schon gar nicht ohne tierärztliche Rücksprache.

  5. Hallo, ich habe gerade entdeckt, dass ein neues Meerschweinchen wohl Untermieter mit in die Gruppe gebracht hat. Mit was kann ich Meerschweinchenbabys (haben jetzt 267 g und 324 g) zuverlässig gegen Haarlinge behandeln?
    Liebe Grüße
    Birgit

  6. Hallo ihr Lieben, ich hätte eine Frage: Ihr schreibt, dass die Behandlung mit Exner Perguard bei leichten bis mittelschweren Befällen empfehlenswert ist. Wie genau definiert man den Befall denn, sprich woran erkenn ich, ob er leicht oder mittelschwer ist? Ist es empfehlenswert mit Exner Perguard zu behandeln, wenn eine ganze Gruppe von Haarlingen befallen ist?
    Ich habe seit jahrelanger Haltung nun zum ersten Mal Haarlinge, was vier erwachsene Meeris betrifft und leider auch zwei kleine Schnuten, die erst drei Wochen alt sind. Meine Tierärztin hat mir Frontline mitgegeben. Das Mittel macht mich aber mehr als skeptisch. Ich würde gern auf etwas schonenderes zurückgreifen. Zwei der Tiere haben eine kleine Stelle, an denen das Fell fehlt, jedoch keine offenen oder blutigen Stellen. Die anderen Tiere sehen aus wie immer! Über euren Rat würde ich mich ganz besonders freuen! Vielen Dank!!

    1. Hallo,

      ich schaue mir immer an wie gestresst die Tiere sind. Die Behandlung mit Petguard ist einfach stressiger, da sie über einen längeren Zeitraum täglich erfolgen muss. Behandelt man mehrere Tiere kann es für alle deutlich weniger Stress bedeuten, wenn man auf ein Mittel vom Tierarzt zurück greift.

      Viele Grüße
      Nadine

  7. Wie reinige ich nun am besten die Tunnel, Brücken, Heuraufe und die Häusschen? Muss ich das alles entsorgen? Der Tierarzt meinte, alles mit kochend heißem Wasser reinigen. Aber da gehen die Teile kaputt, bzw. bekomme diese nicht mehr trocken.

    1. Nein, nicht so richtig, da alle anderen Spot-On Präparate, Puder und was es so gibt „Chemiekeulen“ sind. Die Behandlung mit Exner ist wohl möglich etwas aufwändiger, aber dafür umso schonender.

  8. Es wäre schön, wenn man ein bisschen mehr über die Behandlung erfahren könnte. Mit den 3 Stritzen von meinem Tierarzt ist bis jetzt noch nichts passiert, sie haben immernach Haarlinge. Was kann ich noch tun außer von meinem Tierarzt teure Spritzen zu bekommen?
    LG Anni

    1. Hallo Anni,

      was hat der Tierarzt denn gespritzt und wie lange hat das Schwein bereits Haarlinge?
      Bei äußerer Behandlung mit einem ökologischen Produkt wie Exner Petguard (so machen wir das grundsätzlich) verkleben die Atemwege der Haarlinge und sterben ab. Das ganze wiederholen wir täglich so lange, bis auch der Nachwuchs aus den Eiern geschlüpft ist und abgetötet wurde. Das kann schon ein bis zwei Wochen dauern. Zur Stärkung des Immunsystems kann man währenddessen durchaus darüber nachdenken das Wasser mit Vitamin-C anzureichern.

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