Heute wirkt der Meerschweinchenkäfig – damit meinen wir die typische Plastikwanne mit Gitteraufsatz – ziemlich aus der Zeit gefallen. Das ist eine sehr positive Entwicklung. Als wir mit der Haltung begonnen haben, sah die Welt noch ein wenig anders aus. Das Selbstverständnis, mit dem Halter heute große und spannende Gehege für ihre Meerschweinchen bauen oder kaufen, macht uns sehr zufrieden.
Damals gab es praktisch nichts anderes als den Standard-Meerschweinchenkäfig. Auch die empfohlenen Flächen waren viel zu klein. Wir haben das schnell bemerkt und uns mit Akkuschrauber und Schrauben einen größeren Eigenbau gebaut. Aber auch das war im Grunde noch ein Käfig, selbst wenn unsere Meerschweinchen später dauerhaft einen großen Teil des Zimmers als Revier nutzen konnten.
Es gab kaum ein Angebot an echten Meerschweinchen-Gehegen. Die übliche Antwort lautete deshalb: Käfig plus Auslauf. Das ist heute anders. Trotzdem stehen noch immer kleine Gitterkäfige im Zoohandel. Dieser Artikel bleibt also online – nicht als Kaufberatung für einen möglichst hübschen Käfig, sondern als Hilfe bei der Frage, welche angebotenen Lösungen überhaupt für Meerschweinchen infrage kommen.
Meerschweinchenkäfige sind praktisch immer zu klein
Der Standard-Gitterkäfig besteht aus einer Plastikwanne und einem Gitteraufsatz. Selbst scheinbar große Modelle bieten einer Meerschweinchengruppe zu wenig zusammenhängende Grundfläche. Hinzu kommt: Meerschweinchen dürfen nicht allein gehalten werden. Ein Produkt, das vielleicht für ein Tier beworben wird, muss deshalb von Anfang an für mehrere Tiere beurteilt werden.
Von dem Gedanken, einen handelsüblichen Käfig als dauerhafte Unterkunft zu verwenden, sollte man sich verabschieden. Eine Käfigwanne kann offen in ein großes Gehege integriert und beispielsweise als Futter- oder Rückzugsbereich genutzt werden. Als abgeschlossener Lebensraum reicht sie nicht.
Lege bei der Wahl der Unterkunft und ihres Standorts den Fokus immer auf das Wohl der Tiere. Wenn in der Wohnung nur eine kleine Ecke frei ist, muss man aufgrund des mangelnden Platzangebots leider von der Anschaffung absehen. Zwänge die Tiere keinesfalls in einen zu kleinen Käfig, nur weil Du gerne Meerschweinchen hättest.
Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz empfiehlt für zwei bis vier Tiere mindestens zwei Quadratmeter zusammenhängende Grundfläche, für jedes weitere Tier zusätzlich mindestens einen halben Quadratmeter. Etagen können die Haltung bereichern, ersetzen diese Grundfläche aber nicht.
Kein Platz für Sprinter
Meerschweinchen brauchen Platz. Sie sind keine guten Kletterer, aber umso bessere Läufer. Wichtig ist deshalb nicht nur die rechnerische Fläche. Das Gehege muss auch längere Laufstrecken ermöglichen. Viele schmale Ebenen übereinander helfen einem Tier wenig, das geradeaus rennen möchte.
Bei Größenangaben im Handel werden zudem meist die Außenmaße genannt. Die tatsächlich nutzbare Innenfläche ist kleiner. Hohe Wannenränder, große Häuschen und steile Rampen verkleinern sie zusätzlich. Wer einen „XXL-Meerschweinchenkäfig“ sieht, sollte deshalb nachmessen und die nutzbare Grundfläche berechnen, statt sich auf den Produktnamen zu verlassen.
Mehrstöckige Meerschweinchenkäfige
Bei mehrstöckigen Käfigen gewinnt man auf den ersten Blick zusätzliche Fläche. Meerschweinchen sind jedoch keine sicheren Kletterer. Steile oder glatte Rampen werden möglicherweise nicht benutzt und bergen eine Sturzgefahr. Ein Aufgang muss flach, trittsicher, ausreichend breit und seitlich gesichert sein.
Auch die Konstruktion selbst muss stabil bleiben. Wackelnde Ebenen verunsichern die Tiere. Öffnungen im Boden dürfen keine Absturzkante bilden, und kein Tier darf an einer Engstelle von einem anderen blockiert werden. Eine Zwischenebene kann lange Rampen entschärfen.
Mehrere Ebenen sind deshalb eine Ergänzung, aber kein Trick, um ein zu kleines Grundgehege schönzurechnen. Uns ist kein klassischer Etagenkäfig aus dem Handel bekannt, den wir ohne genaue Prüfung allein aufgrund seiner Produktbeschreibung empfehlen würden.
Der Meerschweinchenkäfig als Eigenbau
Der Eigenbau eines Meerschweinchengeheges ist in den vergangenen Jahren zur Freude der Schweine immer beliebter geworden. Die Vorteile liegen auf der Hand:
- Eigenbauten lassen sich wesentlich größer planen.
- Sie können an Grundriss und Wohnumfeld angepasst werden.
- Sie sehen häufig wohnlicher aus als ein Gitterkäfig.
- Ein einfacher Eigenbau kann günstiger sein als mehrere ungeeignete Kaufkäfige.
Wer handwerklich begabt ist, kann mit beschichteten Platten, geeigneter Abdichtung und einer gut zu reinigenden Oberfläche selbst loslegen. Unbehandeltes Holz saugt Urin auf und lässt sich schlecht hygienisch halten. Auch Klebstoffe, Lacke und Kanten müssen so gewählt beziehungsweise geschützt werden, dass die Tiere nicht an ungeeigneten Materialien nagen.
Hat man kein handwerkliches Talent, kann ein Gehege auch angefertigt werden. Entscheidend ist, dass der Anbieter die Bedürfnisse von Meerschweinchen versteht. Ein schönes Möbelstück ist noch kein gutes Tiergehege.
Gefertigte Gehegesysteme und Freilaufgehege
Mittlerweile gibt es Dienstleister und modulare Systeme, mit denen sich große Innengehege planen lassen. Plexiglasblenden halten Einstreu zurück, ohne den Blick auf die Tiere zu versperren. Stecksysteme können später erweitert oder an einen Umzug angepasst werden.
Eine kostengünstige Variante ist ein dauerhaft aufgebautes Bodengehege. Die Tiere werden dabei nicht einfach „irgendwie umgittert“: Der Untergrund muss wasserdicht, trittsicher und gut zu reinigen sein. Wände und Gitter müssen stabil stehen. Kabel, Pflanzen und andere Gefahrenquellen bleiben unerreichbar.
Auch massive Holzställe aus dem Handel sind nicht automatisch geeignet. Viele sind schmal, dunkel oder durch winzige Etagen unterteilt. Für eine Außenhaltung braucht es zusätzlich Schutz vor Wetter, Hitze, Kälte und Fressfeinden. Ein Stall allein ist noch kein Außengehege.
Checkliste: Meerschweinchenkäfig oder Gehege kaufen
- Bietet die Unterkunft mindestens die benötigte zusammenhängende Grundfläche?
- Gibt es längere Laufstrecken ohne Sackgassen?
- Sind Rampen flach, trittsicher und seitlich gesichert?
- Hat jedes Tier mindestens einen Rückzugsort mit mehreren Ausgängen?
- Lassen sich Pipiecken und die gesamte Fläche gut erreichen und reinigen?
- Sind Materialien, Beschichtungen und Kanten nagefest und ungefährlich?
- Kann das Gehege bei einer größeren Gruppe erweitert werden?
- Bleibt genügend Raum für mehrere Heu-, Futter- und Wasserstellen?
Fazit
Gar nicht so einfach, den richtigen Käfig für Meerschweinchen zu finden, oder? Das liegt vor allem daran, dass der klassische Käfig für die dauerhafte Haltung nicht die richtige Produktkategorie ist. Suche besser nach einem großen Innengehege, einem sicheren Stecksystem oder einem gut geplanten Eigenbau.
Für uns war der Eigenbau damals die beste Lösung. Heute gibt es glücklicherweise deutlich mehr Möglichkeiten. Der Gitterkäfig bleibt höchstens ein offen zugänglicher Bestandteil eines größeren Geheges. Ausführliche Informationen zu Grundfläche, Einrichtung und Standort findest Du im Artikel über die tiergerechte Unterbringung von Meerschweinchen.
hi,
besitze selbst seit 3 Jahren 4 Meerschweinchen welche in einem Stall der Marke Eingebau hausen.
So wie damals stöbere ich auch heute noch durch diese Seite, Großes Kompliment, ist ne klasse Seite.
Hallo,
ich würde einen Stall mit etwas kleinerer Grundfläche bauen, aber mit drei Stockwerken, von denen das höchste auch den gesamten Platz auf einem (recht niedrigen) Regals einnimmt.
Wenn ich es so gestalte, dass die Treppen zu den Etagen nicht zu steil sind, kann ich diesen Käfig so realisieren, auch wenn die eigentliche Grundfläche des „Erdgeschosses“ kleiner als hier beschrieben wird? Die oberste wir mit dem Regalplatz zusammen ja recht groß.
Liebe Grüße und großes Kompliment für diese Seite!
Hallo ihr lieben, ich habe neulich einen neuen meerschweinchenstall gebaut (4,5 auf 1,5 Meter) der war eigentlich nur für 4 schweinlis gedacht. Doch gestern hab ich 2 notschweine aufgenommen. Der Besitzer hätte sie ertränkt wenn ich sie nicht genommen hätte. Jetzt wollte ich fragen ob ich die 6 Schweine ( 1 Böckchen, 5 weiblein) darin halten kann. Ich würde sie auch nur im Winter darin halten und ihnen jeden Tag zusätzlich in den auslauf lassen. Lg, rosalie