Meerschweinchen Haltung

getrennte 4er Gruppe Böckchen

Haltung und Haltungsbedingungen von Meerschweinchen

  • Hallo,


    nach ein paar Jahren ohne Meerschweinchenmitbewohner wollte ich unbedingt wieder eine Gruppe zu mir ziehen lassen. Ich wollte dabei unbedingt auch Tiere zu mir holen, die aus ihrem jetzigen Zuhause rausmüssen oder im Tierheim leben. Dabei bin ich ganz schnell darauf gestoßen wie viele Böckchen vermittelt werden sollen und habe mich direkt über Bockgruppen eingelesen. Leider war ich bei "braucht starke Nerven und viel Erfahrung" dann doch sehr naiv. Mitte Dezember sind zwei 1,5 Jahre alte Böcke eingezogen, die schon immer zusammen sind und (so wurde es mir gesagt) in einer Bockgruppe bis zum 6. Monat gelebt haben. Weil sie recht inaktiv waren habe ich noch zwei Babyböcke aufgenommen (4 sollen ja besser als 3 sein und junge Tiere besser aufgenommen werden). Nach einer turbulenten Vergesellschaftung sind dann auch alle 4 relativ friedlich ins Gehege gezogen, das neben 4,3 m2 auch durchgängig Auslauf im Zimmer geboten hat.


    Dann kam der Bruch: pünktlich zum Alter von 2,5 Monaten begann der Größte (Peanut) plötzlich spät abends den Kleinsten (Oreo) massiv durchs G ehege zu jagen. Da ausser Klappern, jagen und Hochspringen nichts passiert ist habe ich sie das Austragen lassen. Irgendwann haben sich nach und nach alle drei anderen (anscheinend zufriedenstellend) unterworfen und es war einigermaßen friedlich. Eine Woche später (vor drei Tagen) habe ich Frühstück Futter geholt, höre einen Schlag und der andere Kleine (Floki) hat eine schwere Bisswunde am Bein, Peanut hat ein Büschel Fell im Mund und ein angeritzes Ohr. Nach dem Tierarztbesuch habe ich sie getrennt und jetzt seit drei Tagen die beiden älteren in einem Gehege und die beiden Kleinen in einem Anderen.

    Erstmal werde ich meinen riesigen Fehler nachholen und alle vier so schnell wie möglich kastrieren lassen.


    Aber selbst wenn ich mit zwei Gruppen leben muss und eine Vergesellschaftung danach scheitert habe ich ein Problem:

    Da Peanut so aggressiv auf beide Kleinen reagiert könnte ich zu ihm keins der Böckchen setzen und sie sind jetzt ohne Erzieher. Welche Folgen hätte das? Würdet ihr überhaupt nochmal ein Zusammentreffen versuchen und wie sollte das aussehen?


    Außerdem muss ich die Gehege rund 4m voneinander entfernt halten, sonst bekommt Peanut den totalen Rappel, was das Freilaufen auf vorher 50m2 nicht mehr möglich macht.


    Ich hoffe sehr, dass mir ein paar erfahrene Halter hier helfen können. Ich möchte keine weiteren Fehler mehr machen und einfach nur vier fröhliche Schweinchen haben.


    VG Jasmin

  • Ich denke du müsstest min. 3 Gruppen eröffnen und zu jedem der 2 kleinen Böcke eine Dame setzen, nachdem sie kastriert sind und die 6 Wochen abgesessen haben.

    Bei den anderen 2 müsstest du dich wahrscheinlich drauf einstellen das es irgendwann auch nicht mehr funktioniert.

    Bin aber keine Böckgruppenhalterin, ich sage nur das was ich bei anderen gelesen habe hier, also warte andere Meinungen ab!

  • Huhu,


    Herzlich willkommen hier bei uns. Zunächst muss ich sagen, dass ich es sehr nobel finde, dass du den Böckchen ein zu Hause bieten wolltest.

    Leider war dein Ansatz etwas unglücklich gewählt. Bei den beiden Erwachsenen Böckchen muss man leider davon ausgehen, dass sie schlecht sozialisiert sind und somit sind beide als Erzieher für Jungböckchen ungeeignet.


    Richtig wäre es gewesen sich einen gut sozialisierten Erwachsenen Bock zu holen und darauf aufzubauen. Dann kann das auch klappen mit der bockgruppe.


    Also ich würde auch erst mal alle kastrieren lassen (sicher ist sicher) und dabei aufpassen. Die Paare bitte jeweils am gleichen Tag.

    Bitte versuche auch danach keine Vergesellschaftung der 4 Böcke mehr. Der Zug ist abgefahren und so lange peanut wenigstens noch mit seinem Kumpel klar kommt, einfach drüber freuen.

    Weiter würde ich versuchen einen der Jungböckchen gut zu vermitteln und stattdessen einen gut sozialisierten Bock für den anderen als Erzieher zu bekommen. Darauf kannst du dann aufbauen.

  • Herzlich Willkommen, Jasmin,


    es tut mir sehr leid, was Du erlebst. Ich kann das gut nachvollziehen, da ich auch gerne Böckchen helfen wollte und will und schon so manchen Kummer damit erlebt habe.


    Es gibt Bockgruppen, ob kastriert oder nicht, die harmonisch sind und bleiben und wo auch neue Tiere gut integriert werden. Ob sie harmonisch zusammenleben hängt aber sehr stark von den "zwischenmenschlichen" Fähigkeiten der Tiere, vor allem der erwachsenen ab. Die Kleinen können dann von ihnen lernen. Wenn Deine Großen mit 6 Monaten abgegeben wurden aus einer Gruppe, kann das ja, falls es überhaupt stimmt, passiert sein, weil sie sich nicht mehr vertragen haben. Oder die Zeit dort war zu kurz.


    Vermutlich haben die Kleinen provoziert oder zumindest hat sich Peanut provoziert gefühlt und dann zumindest beim zweiten Fall leider heftig reagiert. Wenn er selbst einen Ritzer am Ohr hat, heißt dass höchstwahrscheinlich, dass einer sich ihm entgegengestellt oder ihn sogar angegriffen hat, nicht einfach geflüchtet ist oder sich unterworfen hat.


    War die Bisswunde am Vorderbein oder Hinterbein und wie tief war sie?


    Meerschweinchen haben sehr scharfe Zähne und an einem Beinchen unten ist nicht viel dran. Da kann es schnell zu einer unschönen Verletzung kommen. Was mich mehr beunruhigt ist, dass Peanut immer noch wütend auf Floki ist.


    Eine Kastration kann etwas die Gemüter beruhigen, muss aber nicht immer einen Unterschied machen. Ich habe bisher fünf erwachsene Böckchen kastrieren lassen. Bei allen dauerte es ein paar Wochen, bis ihr Verhalten etwas ruhiger (nicht lahmer) wurde. Es kann also Sinn machen, sie kastrieren zu lassen. Dazu würde ich aber einen darin erfahreren Tierarzt suchen, der Gasnarkose dafür nutzt.


    Es wäre sehr schade, wenn die Tiere den Freilauf in der Wohnung nicht mehr genießen könnten. Das ist so schön (vorausgesetzt alles ist abgesichert und geeignet für sie). Falls Du die Kleinen nicht in einem anderen Raum unterbringen kannst, würde ich überlegen, ob nicht eine Teilung des Zimmers mit Songmics-Elementen möglich wäre. Ich praktiziere das auch notgedrungen zur Zeit. Hier ist es allerdings nötig, das Gitter mit Pappe abzudecken.


    Ein weiteres Männchen dazuzunehmen als Erzieher würde ich nur riskieren, wenn er sicher dafür geeignet wäre. Die wenigsten Männchen dürften die Eignung haben, da sie selbst nicht erwachsen geworden sind in einer funktionierenden Bockgruppe.


    Das würde natürlich bedeuten, dass die beiden kleinen ohne Erzieher aufwachsen würden. Das wäre nicht gut, ist aber ohne gut sozialisiertes, durchsetzungsfähiges Leittier die stabilste Lösung. Zweiergruppen scheitern nach allem, was ich gelesen habe, weniger als alle anderen Bockgruppen.


    Wenn Du bereit bist, dauerhaft zwei Gruppen zu haben, würde ich mit einer guten Notstation (bitte sorgfältig prüfen) Kontakt aufnehmen, ob diese tatsächlich einen geeigneten Erzieher hätten. Diesen könntest Du dann zusammen mit einem weiteren Jungtier zu den kleinen setzen und die beiden anderen alleine lassen. Sind die denn noch friedlich miteinander?


    Zeitnah könntest Du alle vier kastrieren lassen (am besten alle an einem Tag). Und vielleicht hast Du als Alternative noch eine Chance, dass sie sich etwa sechs Wochen später wieder vertragen. Dazu würde ich aber auch den bisherigen Halter der beiden Großen fragen, was er noch über das Aufwachsen der Jungs sagen kann. Das könnte helfen, abzuschätzen, was man von den beiden Großen an Fähigkeiten erwarten kann.


    Ich wünsche Dir die richtigen Entscheidungen und viel Kraft und Geduld!

  • Vielen Dank für die schnellen Antworten!


    Marie-Luise: Floki hat die Bisswunde am Vorderbeinchen. Ich denke nicht, dass sie allzu tief war, weil die TÄ unbesorgt war, dass sie von alleine abhielt. Allerdings ist dadurch das Ganze Bein angeschwollen und er kann es noch nicht wieder voll benutzen.


    Floki war definitiv aufmüpfig Peanut gegenüber, weshalb es glaube ich diesmal auch so eskaliert ist. Ich bin mir nicht sicher ob Peanut tatsächlich wütend ist, aber definitiv will er die Kontrolle über die Kleinen. Als ich ihn und Gizmo (der andere Große) aufgenommen habe war er so schüchtern und passiv. Sein Wesen hat sich wirklich komplett gedreht (zT auch positiv weil er viel aktiver und mutiger ist).


    Gizmo ist übrigens total entspannt, kommt super mit Allen zurecht und dreht eher ne Runde durchs Wohnzimmer (das ist Meerschweinchensicher gemacht) wenn er Ruhe will. Oreo ist der Kleinste und auch überhaupt nicht dominant. Er hängt allerdings sehr an Gesellschaft und entspannt selten weit weg von einem anderen Schwein.


    Gestern Abend habe ich das Wohnzimmer schon so aufgeteilt, dass die Großen aus dem Gehege können, aber nicht näher als zwei Meter zum anderen Gehege - ohne Sichtmöglichkeit. Nach 15min war Peanut komplett aufgedreht und ist die Absperrung hoch und runter gerannt um irgendwo einen Durchgang zu finden. Im Gehege (ca 4m weit weg) war er dann wieder entspannt.


    Zu der Vorgeschichte der Großen: Die bisherige Besitzerin konnte mir nur sagen, dass die Zwei mit ca 6 Monaten zu ihr kamen und laut ihren Worten in einer großen männlichen Gruppe gemeinsam bis dahin aufgewachsen sind und nie Kontakt zu Weibchen hatten. Die zwei sind auch gleich alt aber keine Brüder (unterschiedliche Rasse). Mehr Infos konnte ich nicht bekommen, weil die Vorbesitzerin es auch nicht genau wusste. Sie hat die ursprüngliche Gruppe nie gesehen.


    Am Freitag ist der Termin zur Besprechung der Kastrationen beim Tierarzt, da werde ich nach der Narkose fragen und mich darum kümmern, dass die Ops am selben Tag stattfinden. Danke für die Hinweise/Tipps!


    Ich denke um die Sache mit dem Erziehermeerschwein zu entscheiden, werde ich noch etwas Zeit brauchen und schauen wie sich die Gemüter entwickeln. Die zwei Notstationen in meinem Umkreis vermitteln und nehmen zur Zeit auch nur im Notfall auf - soviel konnte ich online schon herausfinden. Die Kastration muss ich ja ohnehin noch abwarten.


    Ich bin euch wirklich sehr dankbar für die Unterstützung und das Verständnis!

  • Wenn der Kleine einen Biss am Vorderbeinchen hat, bestätigt das, zusammen mit Deiner Beschreibung, meine Vermutung, dass die beiden wie ebenbürtige Gegner miteinander gekämpft haben und nicht der Kleine sich unterworfen hat und trotzdem gebissen wurde.


    Dass Peanut einen Durchgang gesucht hat, könnte - im Idealfalle - auch bedeuten, dass er weiß, dass zwei seiner Gruppenmitglieder fehlen und er zu denen hingehen will, um sie zurückzuholen. Rufen sie denn einander oder haben sie das anfangs nach der Trennung getan? Mit Rufen meine ich das, was die Schweinchen bei uns Menschen machen, wenn sie Futter wollen.


    Auch die Veränderung, die Du bei Peanut beschreibst, finde ich vielversprechend. Vielleicht könnten die vier doch wieder zusammenleben.


    Falls Du Dich für Kastrationen entscheidest, würde ich versuchen, diese schnellstmöglich durchführen zu lassen. Ich hatte zweimal auf entsprechende Bitten hin einen Termin für den nächsten Tag bekommen, bei einem mir beim erstenmal unbekannten Tierarzt. Dabei wurden einmal zwei und einmal drei Jungs am gleichen Tag kastriert. Immerhin bestehen Aussichten, dass sie durch die Kastration etwas entspannter miteinander werden und Du bessere Chancen hast, dass sie bald wieder zusammenkommen können. Und da wäre es besser, je früher es geschehen würde. Die Kleinen werden ja schnell älter und größer und damit nehmen die Probleme erheblich zu.


    Auf die Ferne ist das natürlich schwer zu sagen, aber ich würde es wahrscheinlich sogar bereits ohne Kastration noch einmal versuchen. Ein Ritzer und ein einzelner Biss sind aus meiner Sicht noch kein Grund, die Gruppe aufzugeben. Wie sind sie denn sonst miteinander umgegangen (zusammen gefressen? viel gejagt? viel Zähneklappern? usw)?


    Eines macht mir noch Sorgen: Wenn das Beinchen von Floki dick geworden ist, deutet das m.E. auf eine Entzündung hin oder auf eine zusätzliche Zerrung oder Verstauchung. Wie sieht denn die Wunde aus? Ist es darum herum gerötet oder warm? Wie hat es sich entwickelt?

  • Ich glaube auch, dass die Beiden in den Kampf gegangen sind. Da Peanut wesentlich stärker ist als Floki ging das für ihn natürlich nicht gut aus.


    Zu der Verletzung: die Tierärztin ging auch von einer Verstauchung aus (vermutlich ist er unglücklich nach dem Biss gelandet). Er bekommt seit Samstag Antibiotica, ein Mittel für den Magen (BeneBac?) und ein entzündungshemmende. Warm fühlt sich das Bein nicht an und Floki verhält sich auch wie vorher, frisst gut und ist aktiv. Noch humpelt er aber.


    Direkt nach dem Tierarzt und der Trennung haben die Kleinen nicht nach den Großen gerufen. Mittlerweile aber schon wenn sie die anderen hören. Peanut reagiert sofort auf jedes Anzeichen aufgeregt und will zu ihnen. Rufen war auch dabei.


    Hier mal eine Schilderung wie es vorher in der Gruppe war: Peanut wurde eindeutig als Anführer anerkannt. Die Kleinen haben sich bei Allem an ihm orientiert. Wenn er etwas aus der Hand gefressen hat, haben sie sich auch getraut. Wenn er mit Gizmo auf Streifzug außerhalb vom Gehege war haben sie ihn gerufen und er kam zurückgeeilt. Gerade Oreo hat auch immer in seiner Nähe geschlafen. Es wurde aber in der Gruppe schon viel gebrommselt und nach dem Rangfolgestreit (1 Woche vor dem Biss) häufig mit den Zähnen geklappert. Die Kleinen haben deutlich die Grenzen getestet und wurden von den Großen zurechtgewiesen (gewaltlos). Gejagt wurde ausser an dem Tag des Rangfolgestreits garnicht. Was ich immer wieder getestet habe: alle vier konnten problemlos nebeneinander fressen und saßen auch friedlich vor mir, wenn ich sie aus der Hand gefüttert habe. Vorletzte Woche gab es auch die ersten Ausflüge im Wohnzimmer in der Viererkolonne.


    Mir wurde schon am Telefon beim Tierarzt gesagt, dass an zwei festen Tagen in der Woche kastriert wird. Ich denke das bekomme ich hin, dass sie alle zusammen in einer Woche die Op haben, hoffentlich sogar am selben Tag.


    Wenn du den Versuch einer baldigen neuen Vergesellschaftung unternehmen würdest, wie sollte die am besten aussehen? In welcher Reihenfolge würdest du sie zusammensetzen? Ich würde dafür einen neutralen Auslauf Böckchengerecht einrichten auf ca. 4m2 und Frischfutter bereit legen.


    Am Samstag war bei der Bereitschaftstierärztin, die auch wirklich nur nach den Wunden geschaut und sie gewogen hat. Bei dem Termin am Freitag werde ich die Tierärztin bitten Peanut etwas ausführlicher zu untersuchen um auszuschließen, dass er wegen einer Krankheit plötzlich so gereizt reagiert hat.


    Wenn eine Vergesellschaftung jetzt oder in einigen Wochen nicht klappt und sie sich weiterhin rufen werde ich zwei übrigens dann doch in einem anderen Zimmer unterbringen. Dauerhaften Stress möchte ich keinem der Meerschweinchen zumuten.


    Hier Jemanden zu haben, der Erfahrung mit solchen Situationen hat hilft mir wirklich sehr. Vor meiner Anmeldung in dem Forum war ich wirklich stark verunsichert und hatte nur den entsetzten Blick der Tierärztin (nicht Dieselbe zu der ich am Freitag gehe) im Kopf als ich erzählt habe, dass ich mehr als nur ein Böckchen habe. Sie konnte mir leider garnicht weiterhelfen.

  • Ich finde, dass hört sich so an, als gäbe es gute Aussichten, mit der Gruppe weiterzumachen!


    Letztlich kann niemand Dir sagen, ob es gut gehen wird, erst recht nicht von der Ferne. Aber ich sehe keinen Grund derzeit aufzugeben. Je mehr Du berichtest, desto besser hört es sich gut an. Was ich mir im Idealfalle vorstellen könnte: Floki hat gelernt, dass es nicht gut tut, sich mit dem Chef anzulegen und lässt es in Zukunft. Die zweite Möglichkeit wäre, dass sie es noch ab und an probieren werden sich durchzusetzen gegen die Großen und dann "eines auf die Nase bekommen". Das kann auch mal zu kleinen Verletzungen kommen. Wenn dann Frieden einkehrt und jeder auch entspannt leben kann, wäre das immer noch ein voller Erfolg. Diese Phasen, in denen sie versuchen in der Rangordnung aufzusteigen, können bis etwa 1,5 Jahre mehrfach auftreten. Es gibt aber auch Gruppen, in denen es kaum zu merken ist.


    Über die Grenze, bei der man abbrechen sollte, gibt es verschiedene Ansichten. Manche sagen, man sollte es nur dann tun, wenn richtig Blut fließt und einer nicht mehr zur Ruhe kommt und stark abnimmt. Ich persönlich würde die Grenze früher ziehen. Auch wenn ein Tier wiederholt, also z.B. mehrere Tage hintereinander ein- oder mehrmals kleine Bisse abbekommt und keine klare Besserung erkennbar ist, würde ich dauerhaft abbrechen. Ich finde, da ist der Halter gefragt, zu erkennen, ob systematisch ein Tier vertrieben werden soll oder ob es vorübergehende Streitigkeiten sind, die geklärt werden und dann ist Ruhe. Das zu beurteilen. ist natürlich nicht einfach und irren kann man sich auch, aber wir geben ja unser Bestes - mehr geht dann nicht.


    Ich würde auch ganz nüchtern überlegen, was die Alternativen sind. Du kannst die kleinen abgegeben. Dann werden sie vermutlich zu zweit bleiben und nie von einem Erwachsenen lernen. Das gleiche könnten sie bei Dir haben. In beiden Fällen wären Deine Großen wieder alleine, mit allen Verlusten, die das bringt gegenüber einer Vierergruppe. Du könntest natürlich auch versuchen, wie gestern erwähnt, einen wirklich erfahrenen Erzieher zu finden und ein weiteres kleines Böckchen. Ob Du den aber in den nächsten Wochen finden wirst, ist fraglich. Außerdem würde das den beiden Großen nicht helfen.


    Vor dem Hintergrund dieser Alternativen wäre ich bereit, ein gewisses Risiko einzugehen. Wenn es meine Tiere wären und ich aus Deinen Beschreibungen das Richtige gefolgert habe, würde ich sie morgen oder schnellstmöglich wieder zusammen lassen. Je länger sie getrennt bleiben, desto eher wird es Schwierigkeiten geben.


    Es kann natürlich im schlimmsten Falle zu ernstlichen Verletzungen kommen. Das ist sehr selten, kann aber passieren. Aber wenn Du die Kleinen zu zweit bleiben, kann es auch schief gehen. Wenn es andererseits eine harmonische Vierergruppe werden würde, wäre es für alle eine Bereichung.


    Peanut untersuchen zu lassen, kann nicht schaden, solange niemand einen Maulspreizer ohne Narkose einsetzt. Aber die Zähne sollte ja auch nicht das Problem sein. Ich halte es ohnehin für sehr unwahrscheinlich, dass ein gesundheitliches Problem sein Verhalten ausgelöst hat. Ich würde daher keine Untersuchung machen lassen. Aber das schreibe ich nur aus der Ferne. Du musst das beurteilen und entscheiden.

  • Du fragst verständlicherweise nach dem besten Weg, sie wieder zusammenzubringen.


    Wie sind sie denn aktuell untergebracht? Können beide Gruppen frei in das Zimmer gehen wieder zurück in ihr Gehege?


    Die Absperrung ist ja nur temporär; die könntest Du wieder wegnehmen?


    Könntest Du sie in den nächsten Tagen viel beobachten?


    Es gibt von manchen Leuten die Empfehlungen, die Tiere einfach machen zu lassen. Das wäre nicht mein Ding. Ich fühle mich verantwortlich, zu beobachten und bei Bedarf einzugreifen, da ich sie ja auch zusammensetze und sie nichts daran selbst ändern können. Das ist ja keine Situation, in der sich Wildtiere streiten und einer davonlaufen kann.


    Zudem habe ich bei unseren Jungs die Erfahrung gemacht, dass sie sich sehr wohl von mir beruhigen lassen. Ich muss dazu sagen, dass ich ein enges Verhältnis vor allem mit unseren ersten beiden Jungs habe. Sie teilen mit mir das Zimmer, in dem ich mich die meiste Zeit aufhalte. Beim Füttern habe ich mich öfters zu ihnen gesetzt. Knollengemüse u.ä. bekommen sie immer aus der Hand (Grünfutter und Heu lege ich hin). Wenn sie sich erschrecken, beruhige ich sie mit Zureden und genauso, wenn die Emotionen hochkochen, weil einer dem anderen quergekommen ist. Da reicht es meistens, mit ihnen kurz beruhigend oder auch mal ermahnend zu sprechen. Alternativ könnte man sie auch mit Futter oder sonst wie ablenken. Das Beruhigen über Zureden geht natürlich besser, wenn die Tiere einem schon gut kennen. Bei Dir sind ja alle vier noch relativ fremd.


    Ich meine auch nicht, dass man sich einmischen sollte, wenn einer in angemessenem Umfang einem anderen klarmacht, dass er das Sagen hat. Ich beziehe das eher auf unnötige Reibereien, bei denen ein gutes Leittier brommselnd dazwischengehen würde, um die beiden Streithähne zu beruhigen. Wenn es dieses Leittier nicht gibt, oder Dein Peanut selbst einer der Streithähne sein sollte, dann haben wir als Menschen vielleicht die Möglichkeit, zumindest in die gleiche Richtung zu wirken - wenn auch wahrscheinlich nie so gut.


    Zum Brommseln: Man liest oft, dass sei ein Versuch zu dominieren. Nach dem, was ich bisher beobachtetet habe, ist es aber eher beruhigend oder werbend gemeint und wird auch so von dem Gegenüber aufgefasst. Auch der Unterlegene brommselt hier und wackelt mit den Hintern und dann ist die Lage schon wieder beruhigt, wenn der andere auch brommselt und sie sich oft auch aneinander reiben. Das beobachte ich gerade bei unseren beiden Hitzköpfen. Zwei, die sich anscheinend sehr mögen, haben auch oft gebrommselt und sich dann aneinander gerieben, wenn sie sich trafen. Das aneinander Reiben ist aus meiner Sicht eine freundschaftliche Geste, wie könnte die aus einem beiderseitigen Dominanzgebaren folgen?


    Von Kastraten, die eine Gruppe gut führen, wird auch immer wieder berichtet, dass sie Streit zwischen Weibchen schlichten, indem sie brommselnd dazwischen gehen. Das würde also auch zu der These vom Beruhigen oder Umwerben passen.


    Wenn also bei Dir viel Brommseln zu hören war, ist das aus meiner Sicht nichts Bedenkliches. Zähneklappern ist dagegen schon eine Drohung (wenn es nicht aus eifriger Erwartung auf Futter geschieht). Aber solange sie noch "miteinander reden" und die Spannungen nicht über Wochen und Monate anhalten, ist es ja gut.

  • Von Kastraten, die eine Gruppe gut führen, wird auch immer wieder berichtet, dass sie Streit zwischen Weibchen schlichten, indem sie brommselnd dazwischen gehen. Das würde also auch zu der These vom Beruhigen oder Umwerben passen.

    Das kann ich so unterschreiben. Wenn meine Mädels anfangen zu klappern und zetern kommt foxi angerannt und brommselt dazwischen

  • Von Kastraten, die eine Gruppe gut führen, wird auch immer wieder berichtet, dass sie Streit zwischen Weibchen schlichten, indem sie brommselnd dazwischen gehen. Das würde also auch zu der These vom Beruhigen oder Umwerben passen.

    Das unterschreibe ich ebenfalls, Hemingway kommt auch immer sofort angelaufen wenn seine Mädels sich angiften, zicken oder streiten und geht brommselnd dazwischen, solange, bis beide Streithähne wieder ruhig sind.

    Bei seiner ersten Vergesellschaftung war eines der Weibchen ihm gegenüber Recht aggressiv, das wurde auch pausenlos mit Brommseln versucht zu besänftigen.


    Zitat von Marie-Luise

    Zum Brommseln: Man liest oft, dass sei ein Versuch zu dominieren. Nach dem, was ich bisher beobachtetet habe, ist es aber eher beruhigend oder werbend gemeint und wird auch so von dem Gegenüber aufgefasst. Auch der Unterlegene brommselt hier und wackelt mit den Hintern und dann ist die Lage schon wieder beruhigt, wenn der andere auch brommselt und sie sich oft auch aneinander reiben. Das beobachte ich gerade bei unseren beiden Hitzköpfen. Zwei, die sich anscheinend sehr mögen, haben auch oft gebrommselt und sich dann aneinander gerieben, wenn sie sich trafen. Das aneinander Reiben ist aus meiner Sicht eine freundschaftliche Geste, wie könnte die aus einem beiderseitigen Dominanzgebaren folgen?

    Ich habe es durchaus auch schon anders erlebt. Meine beiden Mädels Mallow und Martha sind sich nicht wirklich grün. Martha ist ranghöher, das scheint Mallow aber nicht zu passen.

    Mallow geht öfter zu Martha, baut sich brommselnd vor ihr auf und provoziert sie so. Martha reagiert dann mit Zähneklappern und das endet irgendwann im Anspringen, wenn Hemingway nicht rechtzeitig eingreift und schlichtet. Brommselt Mallow in Marthas Nähe nicht, können sie friedlich nebeneinander fressen. Sie versucht m.M.n. durch das Brommseln also durchaus zu provozieren und dominieren. Ist jetzt natürlich die Frage, ob das unter Weibchen anders ist als unter Jungs?


    Wobei ich früher auch schon erlebt habe, wie sich meine beiden ersten Jungs (in Haremshaltung) klappernd und brommselnd gegenüber gestanden haben. Meistens erst brommselnd, dann kam es zum Anspringen weil niemand nachgegeben hat und dann wurde geklappert. Das Brommseln war dann auch recht aggressiv mit aufgestelltem Nackenfell usw.



    Meiner Erfahrung nach kann das Brommseln also sowohl der Vorbote eines Kampfes sein als auch schlichtend, besänftigend und werbend.

    Vielleicht spielt hier die Form der Sozialisierung auch eine Rolle?

    Hemingway ist von klein auf top sozialisiert worden, die ehemaligen Kastrate sowie Mallow und Martha vermutlich eher weniger, sie kamen jeweils als erwachsene Tiere aus schlechter Haltung her.

  • ja ich könnte die Absperrungen einfach wegnehmen und sie zueinander kommen lassen. Dann hätten sie auch sehr viel Platz um im Zweifel voneinander wegzukommen.


    Das Beruhigen das du beschreibst kenne ich tatsächlich auch schon. Ich hatte nachdem ich die Kleinen dazugeholt habe 3 Wochen am Stück frei in denen ich mich intensiv mit ihnen beschäftigt habe. Außerdem bin ich wie du, wenn ich nicht arbeite die ganze Zeit im selben Raum. Beim Gehege sauber machen wuseln sie zB einfach um mich herum und erschrecken nicht wenn ich das Gehege betrete. Wenn ich sie rufe kommen sie auch zu mir geeilt, weil sie die besonders leckeren Dinge wie Gemüseflocken, Kräuter oder Tomaten aus meiner Hand bekommen. Ein Beispiel wäre auch das Erschrecken (vor was auch immer). Meistens sage ich dann sowas wie "alles gut, nichts passiert usw." und sie kommen wieder aus ihren Verstecken. Ich denke das hat auch viel damit zu tun, dass die Großen das Vertrauen in die Fütterperson schon vorher verinnerlicht haben.


    Das mit dem Brommseln beruhigt mich sehr - das gab es ja recht viel und passiert auch in den Zweiergruppen, die tatsächlich aktuell sehr harmonisch sind. Das Zähneklappern habe ich auch als deutlich drohender empfunden und auch von den Anderen, die dann eigentlich jeweils einen Rückzieher gemacht haben.


    Ich denke ich werde dann morgen zur Fütterung einen Versuch starten die Vier nochmal zusammen zu bringen, so wie du es vorgeschlagen hast. Ich werde auch definitiv dabei bleiben (auch über Nacht) um alles im Blick zu haben. Bei der ersten Vergesellschaftung und dem Ringen um die Rangordnung bin ich zwar nicht eingeschritten, aber war trotzdem dabei bis jeweils Ruhe eingekehrt ist weil ich einfach nicht hätte ruhig schlafen können. Sollte es wieder zu mehr als nur Drohgebärden kommen, wobei einer stark verletzt werden könnte muss ich die Kastration abwarten (die ich auf jeden Fall machen werde). Natürlich könnte es am Ende trotzdem auf zwei Gruppen hinauslaufen + Suche nach Erzieher und weiterem Jungtier. Den Platz und die Ausstattung habe ich zum Glück.


    Genau deine Gedanken zu einem neuen Versuch hatte ich aber auch. Die Vierergruppe würde alle bereichern und eine Alternative wäre zur Zeit schwer. Gerade junge Böcke sind ja auch wirklich nicht beliebt für Haremsgruppen. Zudem möchte ich mich auch wirklich sehr ungern von ihnen trennen. Das richtige Leittier wird sich aber auch nicht schnell finden lassen.


    Flokis Bein geht es seit heute übrigens auch schon viel besser. Er belastet es wieder und ist sogar auf den Unterstand ohne Probleme gehüpft.


    Abgesehen von den Schwierigkeiten miteinander bin ich auch eigentlich sehr glücklich über die Vier. Sie sind so aufgeweckt, neugierig und zeigen ihre ausgeprägten Persönlichkeiten. Es wäre einfach wirklich schön sie wieder zusammen durch die Gegend wuseln zu sehen. Dafür stehen die Chancen dann wohl am Besten, solange der Jungtierbonus noch gegeben und nicht zu viel Zeit vergangen ist.


    Jetzt heißt es einfach Daumen drücken für morgen. Ich bin etwas nervös, aber das stundenlange Beobachten ob es allen gut geht und wer sich wie verhält ist zur Zeit ohnehin mein Alltag.


    Ich halte dich auf jeden Fall auf dem Laufenden!

  • Es ist gut, dass Du meine Beobachtungen ergänzt, Lillygypsy!


    Man muss also bei der Beurteilung noch auf weitere Aspekte achten, wie eben das aufgestellte Fell oder auch den Tonfal. Und wie Du auch überlegst, vermute ich, dass es auch von Tier zu Tier Unterschiede gibt.


    Ein Beispiel für solche Unterschiede hatte bei uns immer wieder zu Streit geführt: Einer unserer beiden ersten Jungs hat es immer als persönliche Drohung aufgefasst, wenn sein Bruder ihm gegenüber im Heu nach etwas besonders Leckerem gescharrt hat. Entsprechend sauer hat er dann auf diese vermeintliche Provokation reagiert. Es hat etwas gedauert, bis ich es kapiert hatte. Ein zweiter Heuplatz half nicht richtig, da sie gemeinsam fressen wollten. Dann habe ich ein kleines Gestell mit einer Trennwand gebaut und auf beiden Seiten Heu hingelegt. Sie konnten nur noch nebeneinander oder gegenüber ohne Sichtkontakt fressen. Das war das Ende der Streitigkeiten dort!

  • Es freut mich, dass Du es morgen versuchen willst und ich hoffe, dass es wirklich gut laufen wird! <3


    Ich will Dir keine Angst damit machen, aber zu meiner eigenen Beruhigung hatte ich mir vor der letzten Vergesellschaftung blutstillende Watte und Octenisept Gel gekauft. Prontosan Wundspray und Bepanthen Antisept. hatte ich schon im Haus. Das blutstillende Mittel habe ich zum Glück nie gebraucht. Kleine Wunden gab es aber leider schon. Diese habe ich zur Sicherheit mit Prontosan oder Octenisept mindestens einmal täglich behandelt, um Entzündungen vorzubeugen und die Heilung zu fördern.


    Und noch eine Erfahrung will ich Dir mitteilen: Unsere Jungs waren es gewohnt, zu zweit in einem Katzenkorb in das Gartengehege getragen zu werden. Auch eine kurze Fahrt zum Tierarzt war kein Problem. Auf der über einstündigen Fahrt wegen der Kastration, wurden sie erst unruhig und dann haben sie sich geschnappt. Es war jeweils nur eine kleine, harmlose Stelle. Ich hatte zum Glück einen Karton als Notlösung zusätzlich dabei und habe einen umgesetzt. Nach dieser Erfahrung wäre ich vorsichtig, vor allem wenn ich noch einmal alleine mit ihnen im Auto wäre. Mit anderen Worten: An Deiner Stelle würde ich maximal zwei in einen Korb setzen und auch dann noch Ersatzbehälter mitnehmen, so dass Du notfalls sofort trennen kannst. Auch das ist nur eine Vorsichtsmaßnahme, aber ich hätte ohne den Karton ein richtiges Problem auf der Fahrt gehabt. Für die meisten Schweinchen ist es ein Trost ein anderes Schweinchen bei sich zu haben. Aber auch hier sind nicht alle in allen Situationen gleich.


    Alles Gute noch einmal für morgen!

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