Meerschweinchen Krankheiten / Gesundheit

Schwierigkeiten beim Fressen/ Durchfall/ tränendes Auge

Umgang mit kranken Schweinchen, Therapien, Medikamente und Heilungsverlauf.

  • Ich drücke euch ganz fest die Daumen! Ja leider sind Schweinchen wenn mal richtig krank sehr sehr Zeit- und Geldintensiv. Ich hatte vor einem Jahr ähnliches durch, man lebt gefühlt nur um das Geld anzuschaffen und hat kaum mehr normale Freizeit und pflegt nur noch das Schweinchen. Ich kenne auch das Problem mit dem Arbeitgeber, etwas belächelt wird man ja sowieso fürs Schweinchenhalten und wenn man dann auch noch dauernd Abwesenheiten dadurch hat...


    Aber wenn er dann alles überstanden hat ist es das absolut Wert gewesen. So Pflegeschweinchen werden meistens auch unheimlich zahm und anhänglich, sie spüren schon, dass man nur das Beste für sie will.

  • Danke für eure Untersützung, ich konnte die Zwei endlich wieder abholen!


    Die Ärztin hatte mich noch aus dem OP angerufen und mir erzählt, dass Gizmo wirklich extrem viel Futterbrei zwischen den Zähnen und und seinen Backen hatte. Das war auch schon bei den letzten beiden Malen so, als seine Backenzähne abgeschliffen wurden. Was sie aber noch fand, waren ein hartes Stück, das sich tief ins Zahnfleisch gebohrt hatte und wohl schon länger dort ist. Laut ihr so tief, dass sie es selbst fast übersehen hätte. Außerdem war ein Nasenkanal stark verschleimt und wie zu erwarten die Backenzähne zu lang.


    Ansonsten war das einzig auffälige an den Zähnen, dass die Abstände ungewöhnlich groß sind. Ob das aber durch das Futter im Mäulchen oder umgekehrt gekommen ist, lässt sich nicht sagen.


    Heute Vormittag hat die Ärztin es ungeschönt so ausgedrückt: entweder hat er tatsächlich seit Wochen Schmerzen vom Zahnfleisch oder es steckt ein ganz anderes Problem dahinter, dass ihm Schmerzen beim Schlucken bereitet. Sie konnte im CT aber keine mögliche Ursache dafür sehen. Wenn das Zahnfleisch also nicht das Problem ist, räumt sie Gizmo keine guten Chancen auf Heilung ein und ich solle mir gut überlegen, ob ich es weiter versuchen möchte. Sie hätte schon oft erlebt, dass wegen dem hohem Pflegebedarf die Halter selbst krank werden. Darüber will ich ehrlich gesagt bisher aber nicht einmal nachdenken. Als ich in der Praxis die Zwei kurz begrüßt habe, ist mir Gizmo sofort entgegengetapst, hat mich erwartungsvoll angesehen und meine Hände nach Futter untersucht. Obwohl er noch groggy von der Narkose ist.


    Ob es ihm wirklich auch besser geht, werden die nächsten Tage zeigen. Wie bei Zahnfleischbehandlungen bei Menschen, ist es wohl normal, dass er erstmal noch Schmerzen hat. In einer Woche sollte er aber wieder vollständig selbst fressen.


    Ich hoffe so sehr, dass es diesmal anhält.

  • Anfang dieses Jahres hatte ich auch mit 2 Schweinchen Problem im Mundbereich. Söckli hatte eine grosse Zahnfleischwunde bei den Backenzähnen (Ursache unbekannt) und sie wurde zunehmends schmaler. Die Tasche wurde im Wochentakt beim TA ausgeräumt (leider lag sie so doof, dass ich diese nicht reinigen konnte) und die Wunde etwas frisch angeritzt um die Wundheilung anzuregen, ein anderer TA hatte hier keine grossen Erfolgschancen angerechnet aber sie hat es geschafft. Das Ganze hat auch etwa 1.5 Monate gebraucht.


    Bei Holly steckte mal ein Holzsplitter unschön zwischen zwei Backenzähnen und hat die Zunge und einen Teil der Wange aufgeritzt. Zum Glück hatte ich sehr früh (nach ca. Einem halben Tag) das gestörte Fressverhalten bemerkt und konnte direkt zum TA, auch hier konnte es entfernt werden, zurück blieb ebenfalls ein Abstand zwischen den Zähnen und eine leichte Fehlstellung die bisher aber keine Probleme gemacht hat.


    Damit will ich sagen, falls sein Problem "nur" die Zahnfleischwunde ist bzw. der festgesteckte Fremdkörper denke ich hat er gute Chancen sich wieder zu erholen. Die Wunde muss natürlich unter Kontrolle bleiben und zuheilen und bis dahin wird er auf dich/TA angewiesen sein.

    Söckli hatte nach den Reinigungen bzw. Anritzen der Wunde jeweils auch einen Tag keine grosse Lust zu Fressen, generell musste ich sie während der Zeit mit Brei unterstützen um zumindest das Gewicht halten zu können.

  • Vielleicht ist mit dem harten Stück ja das Problem gefunden. Das wäre gut!

    Wie sieht denn die weitere Behandlung aus?


    Das Verschleimte kommt ja vermutlich nicht durch den Fremdkörper und die Wunde nach dessen Entfernung muss ja vermutlich auch behandelt werden?

  • Die stärkste Vermutung ist nach der OP heute, dass Gizmo keine Zahn- sondern Zahnfleischschmerzen hat. Genauer gesagt, hat er eine beginnende Parodontitis und Verletzungen im Mundraum. Ich konnte noch nicht mit meiner Hautierärztin sprechen, aber meine Idee war auch wie Urfnip es gemacht hat, regelmäßig die Zahnzwischenräume zu spülen (dabei habe ich schon 2x assistert) oder spülen zu lassen. Ich habe außerdem den Tipp bekommen, mit einer Salbe (Bloxaphte) die Heilung zu unterstützen.


    Ob das Problem damit und einer regelmäßigen Kontrolle/Schleifen behoben ist, zeigt sich leider erst so richtig nach einer Woche. Zumindest weiß ich aber sicher, dass er keine Probleme mit dem Kiefer, Zahnwurzeln oder Sonstigem hat was auf CT oder Röntgen ersichtlich wäre. In dem Nachgespräch heute wurde mir das anhand der Bilder ausführlich erklärt.


    Marie-Luise auffällig bei dem Schleim ist, dass nur der linke Teil der Nase verstopft war und auch immer nur das linke Auge tränt. Genau die Seite, auf der er Schmerzen hat und die letzten Wochen auch nur, wenn er Schmerzen hatte. Ich gehe deshalb erstmal davon aus, dass es ein Begleitsymptom ist.


    Vor ein paar Wochen habe ich allerdings besprochen, dass im Zweifel die Atemwege und mögliche Infektionen der nächste Anhaltspunkt sind, an dem wir nochmal intensiver suchen (zB mit einem Blutbild).

  • Guten Morgen,


    da ich lange nichts mehr von Gizmo erzählt habe, wollte ich ein Update geben und berichten, wie es ihm nach der OP ergangen ist.


    Die erste Woche nach der Operation (Backen- und Schneidezähne schleifen, Fremdkörper aus Zahnfleisch entfernen, Zahnfleisch mit Zwischenräumen reinigen) verlief nicht sehr gut. Erst im Laufe des nächsten Tages wurde das sabbern weniger und er war nicht mehr komplett erschöpft. Leider hatte ihn das dann auch wieder 100g Gewicht gekostet, die er über Wochen mit Päppeln zugenommen hatte. Dazu kam, dass er seine Schneidezähne, die ihm vorher keine Probleme bereitet hatten, nicht mehr benutzen wollte.


    In den 3,5 Wochen nach der Operation fraß Gizmo deshalb nur Päppelbrei und das Innere von Gurke und Tomate. Normalerweise bekommen meine Schweinchen dieses Dinge ca. 1x/Woche und nicht täglich, aber ich wollte das Gizmo nicht komplett ohne Kaubewegungen durch den Tag geht. Allerdings mussten wir dadurch noch mehr auf seine Verdauung achten. Zu alldem kam dann noch seine weiterhin auffällige Atmung dazu. Das schob ich zu dem Zeitpunkt noch auf die Schmerzen an Zahnfleisch und Zähnen.


    Bis vor einer Woche sah Gizmos Tagesablauf deshalb so aus:


    Morgens

    Metacam, Rodicare Pulmo, Rodicare Dia, Bloxaphte ins Mäulchen und eine Kapsel Klosterfrau Magen-Darm-Entspannung im Brei


    Abends

    bei Bedarf kleine Dosis Metacam, Rodicare Pulmo, Rodicare Dia, Bloxaphte und zweimal Mäulchen spülen und eine Runde päppeln aus der Spritze


    Den restlichen Brei bekam er in einem kleinen Schüsselchen, aus dem er ihn selbstständig fressen kann. Nach mehreren Wochen hatte ich zum Glück eine Strategie, wie Gizmo immer an Brei kam ohne die Anderen mitzumästen, die bis heute total heiß darauf sind.


    Vielleicht kommen meine Erzählungen jetzt total nüchtern rüber, aber diese Wochen waren gefühlsmäßig eine einzige Achterbahnfahrt für mich und meinen Freund. An manchen Tagen putze sich Gizmo nicht mehr und sah einfach jämmerlich aus. Und er lief uns in der Wohnung entgegen wie ein Hündchen, weil er ständig hungrig war, aber wegen der Schmerzen nie lange fraß (oder Brei genommen hat). Deshalb kam nach 3 Wochen auch die Frage auf, ob das Ganze für ihn noch lebenswert ist. An dem Punkt waren wir immerhin bei 2,5 Monaten päppeln.


    Zwei Punkte haben aber dafür gesorgt, dass ich noch nicht aufgehen wollte: Gizmo saß keinen einzigen Tag untätig in einer Ecke, sondern nahm weiterhin am Gruppenleben teil und forderte seinen Brei ein. Er war zu dem Zeitpunkt so zahm, dass er alle Medikamente freiwillig im Gehege nahm und sich ohne Probleme das Mäulchen ausspülen ließ. Das war keinerlei Stress für ihn.


    Zum Glück gab es dann einen Lichtblick: ich gab ihm zu dem Metacam (in Absprache) noch eine zusätzliche Dosis Novalgin, um wirklich alle Schmerzen auszuschließen. Und plötzlich saß Gizmo am Babyblattspinat, zog Blätter in sein Mäulchen und schluckte sie auch. Das erste Mal, dass er korrekt fraß nach Monaten! Leider konnte er das aber nur auf dem Hoch der Schmerzmittel und zwei Tage später verzog er auch wieder die Mundwinkel, weil seine Zähne zu lang geworden waren.


    Also wieder zur Tierärztin und überlegen, wie es weitergeht. Sie hat dann wieder die Backenzähne gekürzt, die Schneidezähne aber etwas länger gelassen, als es bei der OP in Hanau gemacht wurde. Zusätzlich konnte ich ohne Termin alle zwei Tage kurz zum Ausspülen vorbeikommen. Nach dem erneuten Zähnekürzen dann wieder dasselbe Spiel. Gizmo benutzte seine Schneidezähne überhaupt nicht mehr und fraß wieder nur Brei und den weichen Teil von Gurken und Tomaten. Nach etwas mehr als einer Woche waren dann aber plötzlich keine Futterreste mehr im Mund und Gizmo begann einen Tag später zu fressen! Er kaute sogar auf ein paar Heuhalmen herum! Nur die Atmung war wieder deutlich schlechter.


    Seitdem bin ich mir sicher, dass Gizmo es schaffen wird! Aber es bleiben Probleme. Gizmo ist ein sehr schlaues und wählerisches Schweinchen. Tomaten und Brei schmecken ihm schon sehr gut und sobald er mich auch nur in der Ferne sieht (oder meinen Freund), wühlt er nur im blättrigen Futter und bettelt um uns etwas Anderes an. Er weigert sich dann vehement zu Fressen, bis er seinen Brei oder Ähnliches bekommt. Dass er anders könnte, weiß ich deshalb, weil ich Alles herangeschafft habe was er gerne mag - auch Trockenkräuter, die ich um diese Jahreszeit überhaupt nicht und sonst nur ins Heu gemischt verfüttere. Er hat kein Problem damit Basilikum, Dill, getrocknete Kräuter, Babyspinat, Tomaten, Gurke und Paprika zu fressen. Also müsste er auch Salat fressen können - weigert sich aber vehement. Mit härteren Sachen (z.B. auch Wiese) tut er sich tatsächlich noch schwer, weil sein Zahnfleisch auch noch gereizt ist (war es zumindest bei der letzten Narkose).


    Natürlich habe ich daran gedacht, den Brei und die Tomaten einfach wegzulassen und ihn damit zu zwingen ordentlich zu fressen. Aber Gizmos durchschnittliches Gewicht liegt aktuell bei 650g. Würde er auch nur einen Tag zu wenig fressen, würde er wieder unter 600g rutschen und wäre so geschwächt, dass er intensiv gepäppeöt werden muss (an dem Punkt war er schon einmal). Und der kleine Mann buhlt lieber stundenlang um meine Aufmerksamkeit als zu fressen, was da ist. Selbst als er nur Brei bekam, hat er ihn verschmäht, wenn er die falsche Konsistenz hatte oder ich etwas mit reingemischt habe.

    Was würdet ihr an meiner Stelle machen?

  • Insgesamt klingt das doch hoffnungsvoll. Ich weiß wie anstrengend (physisch und psychisch) Päppelmonate sind. Ich wünsche euch weiterhin die Kraft durchzuhalten.


    Was ich tun würde (immer getan habe), das Päppelschwein bekommt absolut alles was es fressen kann und mag. Und wenn das zwei Tage nur pürierte Sonnenblumenkerne sind, dann ist das so. Tomate und Gurke sind ja auch nichts Schlimmes. Und immer rumprobieren. Wildkräuter können schon mal den Unterschied machen.

    Darüber hinaus: nicht zu zaghaft mit den Schmerzmitteln sein. Die Schmerzbehandlung ist die Basis für alles weitere.


    Weiterhin alles Gute.

  • eines meiner Schweine mit Dauerschmerzmedikation bekommt zusätzlich Cannabisöl (Calmin). Die Idee hatte meine Tierärztin und es funktioniert super. Vielleicht wäre das auch was für Gizmo? Es ist ölig, was meinem Schwein für die Verdauung hilft und es ist pflanzlich, schonend für Leber und Niere.