Meerschweinchen Babys / Nachwuchs

Wer darf Meerschweinchen vermehren?

Themen rund um das Thema Meerschweinchen Babys / Nachwuchs (keine Zuchttipps)

  • Durch das Thema zur Rentabilität der Zucht inspiriert, mache ich jetzt einfach mal diesen absichtlich etwas kontroversen Thread auf.

    Die Antwort auf diese zugegeben leicht provokative Frage kann ich mir dann auch schon selber geben:

    Leider fast jeder. Vielleicht mit Ausnahme ganz weniger Menschen, denen offiziell gesetzlich die Haltung von Tieren untersagt wurde.

    Aber so ist es dann leider. Fast jeder kann sich Meerschweinchen kaufen und diese ohne jegliches Wissen vermehren.


    Daher formuliere ich die anfängliche Frage mal um:

    Wer sollte Meerschweinchen vermehren dürfen?


    Niemand darf hier die Antwort meiner Meinung nach auch nicht lauten, denn dann hätte sich unser schönes Hobby in 6-8 Jahren erledigt. Natürlich nur in einer utopischen Welt, wo sich alle Menschen an alle Gesetze halten, also nicht in unserer realen Welt.

    Bin jetzt mal sehr auf Antworten gespannt!

  • Du hast ja selber schon angemerkt, dass die Frage nicht leicht zu beantworten ist.


    Nehmen wir mal an, dass es keinen ungewollten Nachwuchs mehr bei Meerschweinchen geben würde und somit im Tierschutz keine Jungtiere mehr ein Zuhause suchen würden.


    Dann wäre dieses Argument raus und ich würde grundsätzlich Jedem zugestehen Meerschweinchen zu vermehren, der das Wohl der Tiere im Blick hat und nicht primär einen eventuellen Profit. Das würde bedeuten, dass der Nachwuchs entweder in der eigenen Gruppe verbleibt oder in ein gutes neues Zuhause vermittelt wird. Außerdem müsste das entsprechende Wissen (Genetik, Trächtigkeit etc.) vorhanden sein und gute Haltungsbedingungen. Also wie ein verantwortungsvoller Züchter.


    Im nächsten Schritt müsste man aber auch noch überlegen, welche Konsequenzen das für die betroffenen Elterntiere hat. Wie oft soll ein Weibchen Nachwuchs bekommen? Wo und wie lebt der Bock? Wie leben die Babyböckchen? Das sind Dinge, die dann wieder sehr individuell zu entscheiden sind, auch in Abwägung zu natürlichem Verhalten (Decken, Trächtigkeit, keine Kastration) und den gesundheitlichen Risiken.


    Ich komme also auch zu keinem eindeutigen Ergebnis.

  • Du hast die Frage ja schon beantwortet, rein rechtlich darf es jeder und machen kann es jeder, der sich irgendwo zwei Schweine kauft und sie zusammen in einen Behälter steckt.


    Beim lesen der Überschrift dachte ich erst du meinst, wer es "unserer" Meinung nach darf.

    Ich glaube da sind wir uns alle relativ einig, dass das Vermehren von Meerschweinchen nur in die Hände professioneller Züchter*innen gehört.

    Ob es deshalb trotzdem nötig ist... ein unendliches Diskussionsthema, welches schon in einigen Beiträgen besprochen wurde.

  • Ein schwieriges und eigentlich nur hypothetisch zu beantwortendes Thema.


    Natürlich wäre es wünschenswert, wenn Meerschweinchen nur von den Leuten gezüchtet werden dürften, die wirklich das Wohl der Tiere im Blick haben und alle ihre Bedürfnisse erfüllen können. Das Bedürfnis nach artgerechter Nahrung, ausreichend Platz in einem Innengehege, tieräztliche Versorgung etc.

    Das war jetzt kurz auf den Punkt gebracht. Details bei der Ausformulierung müssten folgen.


    Aber wie würdest du das praktisch umsetzen wollen? Das kann keiner kontrollieren.

    Was wäre mit unabsichtlichen Vermehrungen? Und mit absichtlicher Vermehrung die keiner zugibt? Welche Strafe bekämen diese Leute?


    Außerdem würde es zu einem Schwarzmarkt kommen. Dort werden die Tiere dann unter wirklich schlimmen Bedingungen gehalten, denn da schaut keiner drauf und zu Höchstpreisn verkauft. 1000 EUR pro Schweinchen....

  • Die Antwort ist auch aus meiner Sicht leider nicht einfach.


    Erstens hat die Erfahrung aus meiner Sicht gezeigt, dass Gesetzgeber und diejenige, die für die Einhaltung der Gesetze sorgen sollen, oft nicht das Tierwohl ausreichend achten und schützen. Oft schaden sie sogar denen, die sie angeblich schützen wollen mit ihren Maßnahmen. Ich will keine politische Diskussion lostreten, nur das als Begründung nennen, warum ich ein Verbot von Nachwuchs bei normalen Halter nicht wünschenswert fände.


    Zweitens müsste ja jemand entscheiden, wer Nachwuchs haben darf und wer nicht. Wer sollte dazu moralisch berechtigt oder befähigt sein?


    Drittens müssten sinnvolle Kriterien festgelegt werden, wann die Vermehrung erlaubt ist.


    Und auf diesen dritten Punkt will ich noch näher eingehen:


    Mitglied eines Vereins zu sein, definierte Zuchtziele zu haben, auf Ausstellungen zu gehen, einen Sachkundenachweis zu haben u.ä. sind m.E. keine geeigneten Kriterien. Körperlich und seelisch möglichst gesunde und unbelastete Tiere zu züchten, sollte m.E. das oberste Kriterium sein. Dazu käme, dass nur soviel Nachwuchs hervorgebracht wird, wie es gute Endplätze gibt.


    Nach dem was ich bisher von Züchtern mitbekommen habe, geht es den meisten in erster Linie um die Verwirklungung ihrer Ideen (Farben, Felllänge, ...) und um ihren persönlichen Erfolg (Ausstellungen, Preise). Für diese Ziele nehmen sie klar erkennbare Nachteile auf Seiten der Tiere hemmungslos in Kauf. Die "guten" Züchter unterscheiden sich von den "schlechten" indem sie die Tiere besser halten und sorgfältiger vermitteln. Aber trotzdem tragen viele von ihnen zu den Schäden und Nachteilen bei vielen Meerschweinchen wissentlich bei.


    Meerschweinchen werden in Südamerika seit Jahrtausenden gezüchtet und in Europa seit einigen Jahrhunderten. Bis vor kurzem brauchte man keine ausgefeilten Genetikkenntnisse. In den letzten Jahrzehnten ist der Genpool durch unverantwortliche Züchtungen beeinträchtigt worden. Und nicht zuletzt die Leute, die zu dem Schaden beigetragen haben, betonen dann wie wichtig gute Genetikkenntnisse und Stammbäume sind und dass darum nur noch Menschen wie sie züchten sollten.


    Bitte versteht mich nicht falsch: Ich finde es nicht gut, wenn private Halter mal Junge haben wollen, weil sie so süß sind - ohne gute Plätze für die Jungtiere zu haben. Aber ich sehe bisher keine Gruppe von Menschen, denen man aus meiner Sicht die Vermehrung zum Wohl der Tiere anvertrauen könnte.

  • Irgendwie bin ich schon für "niemand".

    Wenn der Tag kommt, an dem ich ein für mich produziertes Meerschweinchen kaufen muss, höre ich auf mit der Haltung.


    Sagt sich natürlich leicht, da das nie passieren wird. Aber da ich die Tiere inzwischen mehr der Tiere wegen als meinetwegen habe: doch, irgendwie schon.

  • Nach dem was ich bisher von Züchtern mitbekommen habe, geht es den meisten in erster Linie um die Verwirklungung ihrer Ideen (Farben, Felllänge, ...) und um ihren persönlichen Erfolg (Ausstellungen, Preise). Für diese Ziele nehmen sie klar erkennbare Nachteile auf Seiten der Tiere hemmungslos in Kauf. Die "guten" Züchter unterscheiden sich von den "schlechten" indem sie die Tiere besser halten und sorgfältiger vermitteln. Aber trotzdem tragen viele von ihnen zu den Schäden und Nachteilen bei vielen Meerschweinchen wissentlich bei.

    Genau, einen ''guten Züchter'' zu finden ist schwer, den nur weil einer im Verein züchtet ist er nicht gut. Da sind mir viele selbsternannte Hobbyzüchter wirklich lieber. Den von den Haltungsbedingungen mal abgesehen, Zuchtschauen sind das aller Letzte, gerade für Kleintiere!

    Niemand dem das Wohl seiner Tiere wichtig ist karrt sie durch die Gegend und stellt sie aus. Egal wie viel Anerkennung dabei rum kommt.


    Zitat

    Zweitens müsste ja jemand entscheiden, wer Nachwuchs haben darf und wer nicht. Wer sollte dazu moralisch berechtigt oder befähigt sein?

    Und auch da, deiner Meinung. Die aktuellen Gesetze zeigen leider wen sie schützen, auf jeden Fall nicht die Tiere. Das sogenannte ''Tierwohl-Label'' führt mir das jeden Tag vor Augen. Mit Tierwohl hat keine der Haltungsstufen etwas zu tun! Was fällt denen eigentlich ein die Verbraucher so zu verar** auf Kosten fühlender Wesen? Da wird aus ''Tierquälerei'' und ''ein bisschen weniger Tierquälerei'' ernsthaft Tierwohl raus? Unfassbar.


    Nein, da müsste jemand Gesetze schaffen dem das Wohlergehen der Tiere wirklich was wert ist.

  • Vielen Dank erst einmal für die vielen und unterschiedlichen Antworten.

    Ich bin auch der Meinung, dass diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten ist. Auch ist hier nicht alles nur schwarz und weiß, also Züchter aus dem Verein immer super, alles andere sind verantwortungslose Vermehrer. Da gibt es einen ganze Menge Graustufen, finde ich.

    Eine gesetzliche Kontrolle ist hier sehr schwierig umzusetzen. Wer soll sowas kontrollieren oder sanktionieren, wenn es sich nicht um Extremfälle von Animal Hording oder katastrophalen Haltungsbedingungen handelt, sondern nur um eine einmalige Paarung.

    Aber worauf ich auch hinaus will, ist die Tatsache, daß es einfach wichtig ist sich die Herkunft der Schweinchen, die man erwerben möchte, möglichst genau und kritisch anschaut. Und da ist nicht automatisch „vom Züchter gekauft“ immer einwandfrei, auch hier gibt es schwarze Schafe. Wichtig ist doch, daß der Halter seine Tiere einwandfrei und artgerecht hält, sachkundig ist und seinen Nachwuchs verantwortungsvoll vermittelt. Und natürlich keine Überproduktion betreibt.

    Da spielt es doch keine Rolle, ob man ein supertolles Zuchtziel verfolgt oder einfach nur „Wald- und Wiesenschweinchen“ hat.

    Durch verantwortungsvolles Kaufen könnte man unseriösen Vermehrern das Wasser abgraben und wenn es sich finanziell nicht mehr lohnt, wird dieses Geschäftsmodell schnell beendet.

    Tiere aus Notstationen zu holen ist natürlich gut und richtig, doch leider haben hier meist schon die Vermehrer und Zoohandlungen vorher eh schon an den Tieren verdient. Jedes Tier, daß aus einer verantwortungsvollen Quelle gekauft wird, ist eines weniger für die Vermehrer und landet wahrscheinlich nicht so schnell im Tierheim.

  • Tiere aus Notstationen zu holen ist natürlich gut und richtig, doch leider haben hier meist schon die Vermehrer und Zoohandlungen vorher eh schon an den Tieren verdient. Jedes Tier, daß aus einer verantwortungsvollen Quelle gekauft wird, ist eines weniger für die Vermehrer und landet wahrscheinlich nicht so schnell im Tierheim.


    Eine seriöse Notstation zu unterstützen ist nie verkehrt. Den das macht Platz für neue Notfalltiere! Ich sag ja auch garnicht dass es grundsätzlich schlecht ist ein Tier von einem wirklich (!) guten Züchter zu kaufen.

    Aber für mich klingt das gerade so als wäre die Adoption von Notfalltieren sinnlos. Das ist sie definitiv nie. Wenn ich adoptiere bediene ich mich an den aktuell vorhandenen Tieren. Gehe ich zum Züchter wird extra für mich produziert und ein Notfalltier bleibt im Heim sitzen. Und darum wird ein anderes Notfalltier dessen Platz nie bekommen und wird woanders entsorgt. Leider ist dem so :(.


    Eine Welt in welcher Tierheime leer sind und es nur verantwortungsvolle Zucht mit gesunden Tieren gäbe wäre schön. Aber solange dem nicht so ist helfe ich lieber einem Notfellchen :).

  • Ja ich bin Züchter. Ich gehe nicht auf Ausstellungen. Liegt vielleicht auch daran, dass ich nur Cuy züchte und ich die eher für Ausstellungsinkompatibel halte. Ausstellungen sind für Züchter ein wichtiger Treffpunkt für fachlichen Austausch und somit die Verbesserung der Zucht - auch in Tierwohlhinsicht, nicht nur hinsichtlich „Zuchtstandards“.


    Zur Kritik an den Züchtern. Tja. Also, was soll ich sagen. Einen meiner Kastraten-Normalo-Meerlis bezog ich von einer jungen Dame. Manche würden das Kinderzimmervermehrung (war aber im Garten) nennen. Von Genetik hatte sie keine Ahnung. Aber ich hab noch nie, weder davor noch danach, eine so tolle Haltung gesehen. Eine so gut informiere und umsorgende Meerlimama. Für sie zählte jedes Tier.


    Es gibt Missverständnisse zwischen Züchtern und Liebhabern. Liebhaberhaltung sollte sich an den Bedürfnissen der Tiere orientieren. Bei Züchtern kommen aber noch ganz andere Aspekte _mit_ (bisweilen stattdessen - es ist ein Abwägen) dazu, zB höhere Anforderungen an Hygiene. Ich hab hier (neben den normalen Käfigen) auch welche, die zum Einsatz kommen, wenn Quarantäne wegen Darmparasiten nötig wird. Ich kann nämlich nicht 30 qm Gehegefläche täglich drei Wochen lang Dampfstrahlen, wenn sowas in die Gruppe geschleppt wird. Das hat nix mit Faulheit zu tun. Es ist einfach nicht möglich.


    Diese Quarantänekäfige sind zu klein (knapp 1qm) und steril aus Metall. Ich höre den Aufschrei bis hierhin. Wer aber einmal Kokzidien versucht hat, in einem Mega-Happy-Freilaufgehege auf grüner Wiese loszuwerden (30cm ausgraben) oder bei Züchterkollegen miterlebt hat, wie es 100 Tiere binnen zweier Wochen gekillt hat, ändert seine Ansichten. Lieber ein Tier (+Opferschwein) bis zum Vorliegen der 3-Tage-Sammelprobe (oder erfolgreichem Behandlungsabschluss) auf Metall, als ein Totalausfall des Bestandes. Und erzählt mir nix von Neopredisan. Das ist ein Teufelszeug. Und der Dampfreiniger kommt eben nicht in jede Holz-Ritze. Deshalb sind auch Trinknäpfe tabu. Infektionsvirenschleudern. Also Nuckeltränken, Kopfhaltung hin oder her.

    Züchter geben oft auch getreidehaltiges Trockenfutter. Denn der Energie-Bedarf der Tiere in der Zucht ist einfach höher usw usw lässt sich ewig weiterspinnen.


    Ich denk oft, dass so mancher „GenetikLaie“ mit Erfahrung hinsichtlich Vermehrung fürs Tierwohl besser hinkriegt, weil er eben nur einen Wurf hat. Rassezucht funktioniert so aber nicht.


    „Wer braucht schon Rassen“: Komisch, dass alte Gebrauchsrassen wie das Anglerschein oder Leineschaf für ein erhaltenswertes Kulturgut gehalten werden, aber zB Rosettenschweine nicht. Dabei steht die gleiche züchterische Leistung dahinter. Die Tiere brauchen keine Rasse - schon klar.


    Ich hab mich intensiv mit dem Empfehlungen gegen sog. Qualzuchten auseinandergesetzt. Das hat Einfluss auf mich. Ich züchte kein Langhaar, kein Ch-Teddy, keine Rexe; versuche Pink Eyes raus zu halten, Satin sowieso. Tiere die zu schnell zu groß werden, nehme ich aus der Zucht, um die Lebenserwartung der Cuy zu verbessern.


    Ich kenne Zuchten, die das anders machen. Auch sie haben womöglich dafür gute Gründe. Fragen hilft. Ihr merkt dann, ob ne echte Antwort kommt oder ein „Mimimi, ich find Satin/Baldwin aber halt hübsch“. Dass Züchter ihre (schwangeren) Damen zumeist nicht in Großgehegen halten, hat zB gute Gründe. Auch wenn kleine Käfige verstörend wirken.

  • Ich danke dir für deine Aufklärung. 👍🏻Bisweilen war es hier leider so: sobald sich jemand als Züchter (ob Hobby oder "richtiger") outete wurde er belehrt das das forum dies nicht unterstützt und gebeten hier nicht darüber zu schreiben oder bilder zu zeigen. Sind wir jedoch ehrlich: haben nicht viele ihre Tiere vom Züchter? Und wenn ja warum?

  • Bevor ich dir antworte möchte ich klarstellen, dass auch wenn ich dich nicht persönlich kenne und nur vom schreiben her beurteilen kann, ich den Eindruck habe dass du sehr verantwortungsvoll mit deinen Tieren umgehst. Daher bitte ich dich meine Worte nicht persönlich zu nehmen, ich meine weder dich noch deine Zucht im speziellen. :)Auch wenn ich von dir oder deiner Zucht rede meine ich damit lediglich die Punkt oder Argumente welche du aufgeführt hast, du nennst dich ja selber oft als Beispiel. Ob du diese dann auf deine Zucht beziehst oder allgemein betrachtet bleibt dir überlassen. Ich möchte dich nicht anklagen da ich ja garnicht weiß wie es bei dir genau aussieht.


    Ausstellungen sind für Züchter ein wichtiger Treffpunkt für fachlichen Austausch und somit die Verbesserung der Zucht - auch in Tierwohlhinsicht, nicht nur hinsichtlich „Zuchtstandards“.

    Das stimmt gwiss. Aber warum muss man Meerschweinchen und co den Stress antun dorthin mitzukommen? Die Tiere können sowieso nicht mitreden. Könnten sie das, würden sie sich wohl ganz klar gegen so einen Ausstellungsbesuch aussprechen und zu Hause im vertrauten Umfeld bleiben.

    Über Genetik lässt sich sicher auch reden ohne die Tiere anzusehen. Gute Fotos und Videos der eigenen Tiere kann man ja mitbringen und gemeinsam besprechen so wie man gemeinsam ein Tier betrachten würde.

    Noten braucht kein Tier, denke ich. Zum beurteilen der Gesundheit, der Anatomie und des Charakter sollte ein Züchter doch auch selbst in der Lage sein.


    Zitat

    Es gibt Missverständnisse zwischen Züchtern und Liebhabern. Liebhaberhaltung sollte sich an den Bedürfnissen der Tiere orientieren. Bei Züchtern kommen aber noch ganz andere Aspekte _mit_ (bisweilen stattdessen - es ist ein Abwägen) dazu

    Da habe ich einfach eine andere Ansicht. Egal wer Tiere hält, das Tierwohl und somit die Bedürfnisse der Tiere sollte immer oberste Priorität haben. Ist dies nicht mehr gewährleistbar muss der Bestand soweit reduziert werden bis es wieder möglich ist. Dabei mache ich keinen Unterschied zwischen Züchtern oder Liebhabern. Oder was auch immer.

    Klar kann man jetzt überlegen um was für Abstriche es sich handelt und inwiefern sie das Wohlergehen der Tiere beeinflussen. 1

    Aber vom Prinzip her ist es ganz klar meine Stellung: Unnötige Abstriche auf kosten des Tierwohls auf Grund eigener Wünsche gehen nicht.


    Zitat

    Ich hab hier (neben den normalen Käfigen) auch welche, die zum Einsatz kommen, wenn Quarantäne wegen Darmparasiten nötig wird. Ich kann nämlich nicht 30 qm Gehegefläche täglich drei Wochen lang Dampfstrahlen, wenn sowas in die Gruppe geschleppt wird. Das hat nix mit Faulheit zu tun. Es ist einfach nicht möglich.

    Wenn aus medizinischen Gründen eine tiergerechte Haltung vorrübergehend nicht möglich ist das doch verständlich.

    Hier stellt sich mir aber dann wieder die Frage: wie oft passiert das? Wie lange leiden die Tiere unter der Maßnahme?

    Und daraus schlussfolgernd, in welchem Verhältnis steht das Ganze?

    Wenn die Tiere dauerhaft unter Einschränkungen leben müssen un Krankheitsausbrüche zu verhindern sollte man über eine Veränderung der Haltubgsbedingungen im Sinne einer Bestandsregulierung nachdenken.

    Das kann ich nun schlecht beurteilen wie oft und wie lang es bei dir zu solchen Situationen kommt. Wenn es quasi in regelmäßigen Abständen zu solchen Problemen kommt sollte man mMn die Umstände ändern um dies zu vereiden.


    Zitat

    Also Nuckeltränken, Kopfhaltung hin oder her.

    Da habe ich tatsächlich anderes gehört. Nämlich dass diese Nuckeltränken viel mehe Keime beinhalten als Näpfe, da man sie leichter reinigen kann.

    Gehe ich davon aus dass du die Nuckeltränken täglich auskochst, um die Keimzahl in Schacht zu halten, dann könntest du wohl genausogut Näpfe täglich auskochen. Das ginge gewiss auch leichter.

    Allerdings halte ich das eher für vernachlässigbar da Meerschweinchen bei einer naturnahen Fütterung kaum trinken und die Kopfhaltung dementsprechend wohl kaum Probleme machen wird.


    Wo wir dazu kämen...

    Zitat

    Züchter geben oft auch getreidehaltiges Trockenfutter. Denn der Energie-Bedarf der Tiere in der Zucht ist einfach höher usw usw lässt sich ewig weiterspinnen.

    Getreide ist in der Ernährung von Meerschweinchen aber einfach fehl am Platz. Sie ist nicht gesundheitsförderlich für den Darm und die Pelletform erst recht nicht für die Zähne.


    Darauf die Frage, warum ist der Energiebedarf höher? Bei trächtigen oder säugenden Tieren, klar.

    Aber bei allen anderen müsste er doch im Rahmen sein, oder? Den die Tiere bringen nicht mehr Leistung als Liebhabertiere. Jungtiere wachsen auch ohne Trocke futter prächtig heran und nicht-werfende oder kranke Tiere bekommt man auch gut ernährt.

    Desweiteren gehe ich davon aus dass deine Meeri-Damen nicht permanent werfen und genug Zeit zur Regeneration haben. Da wildlebende Meeris auch kein getreidehaltiges Trockenfutter bekomme. Kann ich mir sehr gut vorstellen dass man den erhöhten Energiebedarf auch anders gedeckt bekomt. Was ist z.B. mit Wurzelgemüse und Saaten? Also ernst gemeinte Frage :).


    Zitat

    Ich denk oft, dass so mancher „GenetikLaie“ mit Erfahrung hinsichtlich Vermehrung fürs Tierwohl besser hinkriegt, weil er eben nur einen Wurf hat. Rassezucht funktioniert so aber nicht.

    Das mag gewiss stimmen. Dennoch lehne ich Vermehrung auf Grund der daraus resultierenden genetischen Risiken ab.


    Sollte Rassezucht nur auf Kosten des Tierwohls funktionieren, dann sollte man diese ebenso ablehnen oder mit deutlich weniger Würfen leben und sich ein anderes Konzept überlegen.


    Zitat

    „Wer braucht schon Rassen“: Komisch, dass alte Gebrauchsrassen wie das Anglerschein oder Leineschaf für ein erhaltenswertes Kulturgut gehalten werden, aber zB Rosettenschweine nicht. Dabei steht die gleiche züchterische Leistung dahinter. Die Tiere brauchen keine Rasse - schon klar.

    Das ist wirklich ein Thema für sich.

    Was bringt es, eine vor dem Aussterben bedrohte Tierart durch Zucht in Gefangenschaft künstlich am Leben zu erhalten, obwohl ihr Lebensraum unwiederruflich dahin ist und die Nachkommen nie wieder ausgewildert werden können.

    Nur damit der Mensch sich auf die Schulter klopfen kann, die Tierart "gerettet" hat und in Zoos bestaunen kann.

    Und das obwohl er höchtwahrscheinlich erst dazu beigetragen hat dass diese Tiere fast ausgestorben wäre.

  • Du musst wissen, ich bin grundsätzlich gegen die Ausbeutung von Tieren. Meiner Meinung nach könnten wir als Menschheit weit genug sein und diese Welt zu einer friedfertigen, lebenserhaltenden Welt entwickeln in welcher Tiere nicht mehr als unser Eigentum angesehen werden.


    Jedes Leben ist wertvoll und sollte respektiert werden.


    Dementsprechend vertrete ich die Meinung dass Erhaltungsmaßnahmen von Rassetieren nur dann Sinn machen wenn sie den Individuen (!) der Rasse zu Gute kommt. Z.B. eine Schafrasse zu erhalten kann gut und wichtig sein. Artenvielfalt an sich ist wichtig und alles was ausstirbt ist (zumindest heute) endgültig weg.


    Aber man sollte die von dir genannten Schafe eben nicht auf Kosten der einzelnen Tiere erhalten. Wenn es nicht mehr möglich ist den einzelnen Tieren, welche nun eben mehr sind als nur eine Rasse, ein gutes Leben zu ermöglichen sollte man die Erhaltungsmaßnahme aus Respekt vor den Tieren einstellen.


    Den es geht nicht um eine Rasse, sondern um empfindende, leidensfähige Wesen.


    Nun können wir Menschen diesen Schafen relativ unkompliziert ein lebenswertes Leben ermöglichen. Bei exotischen oder großen Wildtieren wird es schwierig.


    Stichwort Eisbär im Zoo- warum (zum Henker) müssen wir hier in Deutschland Eisbäre ab Leben erhalten? Warum macht man das nicht in Reservaten welche den Lebenaräume der Tiere eher entsprechen?


    Warum nehmen wir uns hier in Europa nicht den Tierarten an welche hier bei uns bedroht sind? Eisbären retten um sie in Zoos künstlich zu erhalten? Wohlwissend dass sie leiden? Wofür? Das menschliche Ego.



    Ich bin bewusst etwas vom Thema abgedriftet um dir etwas zu erklären wie ich zu dem Thema an sich stehe.


    Mir geht es immer um die Individuen. Egal ob Schaf, Eisbär oder Meerschweinchen.


    Und ja, das Rosettenmeerschweinchen zu verlieren wäre ein Verlust. (Auch wenn die meisten Züchtungen nur in Gefangenaschaft leben werden können, was ich wieder kritisch sehe. Aber bis die Menschheit keine Tiere mehr in Gefangenschaft hält ist es noch so weit hin dass man darüber eigentlich nicht reden braucht. Wenn es überhaupt eines Tages so weit kommt)


    Aber solange man den Tieren ein gutes, lebenswertes Leben bieten kann spricht ja nichts dagegen.


    Zitat

    Ich hab mich intensiv mit dem Empfehlungen gegen sog. Qualzuchten auseinandergesetzt. Das hat Einfluss auf mich. Ich züchte kein Langhaar, kein Ch-Teddy, keine Rexe; versuche Pink Eyes raus zu halten, Satin sowieso. Tiere die zu schnell zu groß werden, nehme ich aus der Zucht, um die Lebenserwartung der Cuy zu verbessern.


    Auch das spricht natürlich für dich.


    Hier sehe ich das nämlich auch so: Tiere egal welcher Rasse welche immer an gesundheitlichen Einschränkungen leiden, ob nun als Qualzucht anerkannt oder nicht, welche ohne ständige menschliche Pflege nicht überlebensfähig wären oder stark leiden würden halte ich nicht für erhaltenswert.


    Dazu gehören dann z.B. auch überzüchtete Schafe (generell Langhaartiere) welche ohne regelmäßige Schur komplett verfilzen und daran sterben würden.


    Oder Hühner, welche so viele Eier geben dass ihre Lebenserwartung abnimmt weil der Körper das nicht packt.


    Oder oder oder.


    Und aus dieser Perspektive heraus fände ich es auch interessant zu erfahren warum du ausgerechnet Cuys züchtest? :)


    Wenn die Tiere vergleichsweise früh sterben, woran liegt das den meistens?


    Du hast ja z.B. hohe Temperaturen bei anderen Züchtern genannt.



    Und auch wenn es ein lobenswertes Ziel ist diesen Umstand durch gezielte Selektion verbessern zu wollen- bis du das schaffst kommen und gehen bei dir endlos viele von Natur aus (oder eher Menschen gemacht) gesundheitlich angeschlagene Tiere. Bis du es wirklich mal schaffst Cuys mit guter Lebenserwartung zu züchten hast du sehr sehr viele mit einer schlechten gezüchtet.


    Eine Rasse zu erhalten welche die Natur so nicht vorgesehen hat und dementsprechend nicht wirklich gesund ist halte ich einfach für verkehrt.


    Auch große Kaninchen-, Hund- und Pferderassen leiden im Schnitt unter einer kürzeren Lebenserwartung als ihre kleineren Vertreter. Abhängig von der Rasse ist ihnen dennoch ein gutes Leben vergönnt.


    Aber die wahrscheinlichkeit dass Cuys mal durchschnittlich genauso alt werden wie ihre kleineren Vertreter halte ich für fraglich.


    Zumal ihre Vitalität scheinbar wirklich zu wünschen übrig lässt.

    Zitat

    Ich kenne Zuchten, die das anders machen. Auch sie haben womöglich dafür gute Gründe. Fragen hilft. Ihr merkt dann, ob ne echte Antwort kommt oder ein „Mimimi, ich find Satin/Baldwin aber halt hübsch“.


    Auch wenn es gewiss viele Züchter wie dich gibt, sind die meisten genau so.



    Es wird mit vorgetäuschter Tierliebe geworben, im Endeffekt wird aber nur das Mindeste getan. Solange eine tierwürdige Haltung leicht umzusetzen ist wird das gerne umgesetzt, dem Image zuliebe, aber sobald es anstrengen wird sucht man nach Ausreden.



    Bei den Meisten ist es dann eben doch nur ein Hobby, Zeitvertreib, etwas Gott spielen und hübsche Tiere verkaufen.



    Die Tiere sind nur Objekte, beurteilt nach ihrem Aussehen und die Empathie der Züchter ihnen gegenüber ist vergleichbar mit der eines Sammlers seinen hübschen und seltenen Figürchen gegenüber.





    Vereinszüchter wollen bewundert werden und sich wichtig tun, präsentieren ihre verängstigten Schützlinge in zu allen Seiten offenen Käfigen und lassen sie begaffen.



    Wie es den Tieren dabei geht, egal.





    Und bevor man selber Abstriche machen muss was die eigenen Wünsche angeht werden dann lieber Abstriche auf Kosten der tierischen Bedürfnisse gemacht. Die können immerhin nicht reden und sich beschweren. Und wenn sie sich anders beschweren, dann schaut man eben weg.




    Und eine letzte Frage habe ich noch:



    Wo holst du deine Tiere her? Zur Blutauffrischung. Kaufst du auch nur von Züchtern welche die gleichen Ansprüche haben wie du? Ist das überhaupt immer möglich?





    Liebe Grüße

  • p.s. warum die Zeilenabstände so komisch sind weiß ich nicht. War keine Absicht.

    ich weiß dass viele eine andere Meinung haben und ich will hier auch keine emotionsgeladene Diskussion lostreten.
    Solange es den Tieren gut geht möchte ich ja auch niemanden was.

  • Vielen Dank für die ausführlichen Statements von beiden Seiten.

    Da muß ich mich erstmal in Ruhe durcharbeiten und vielleicht habe ich noch Fragen oder Anmerkungen.

    Eine kurze Frage, ganz schnell bevor es zur Arbeit geht, hab ich an RedRabbit.

    Ich kann Deine ganze Einstellung gut verstehen und nachvollziehen.
    Aber ich frage mich dann, warum Du Dich selber zur Haltung von eigenen Tieren entschieden hast, wenn Du die Haustierhaltung so kritisch siehst.

    Das ist jetzt nicht böse gemeint, aber ein bißchen widersprüchlich finde ich das jetzt erstmal doch. 😀

Ähnliche Themen wie Wer darf Meerschweinchen vermehren?