Yersinia pseudotuberculosis - Rodentiose

Pseudotuberkulose bei Meerschweinchen

Pseudotuberkulose durch Yersinia pseudotuberculosis ist eine ernste Zoonose. Symptome, Erregernachweis und Schutz des Bestands.

Die Pseudotuberkulose des Meerschweinchens ist eine bakterielle Infektionskrankheit durch Yersinia pseudotuberculosis. Sie wird auch Rodentiose genannt und kann schwere Erkrankungen des Darms, der Lymphknoten und weiterer Organe verursachen. Sie ist nicht mit der vor allem bei Schafen und Ziegen bekannten Erkrankung durch Corynebacterium pseudotuberculosis gleichzusetzen.

Ansteckung und Inkubationszeit

  • Die Bakterien können über mit Kot verunreinigtes Futter oder Wasser aufgenommen werden.
  • Auch direkter oder indirekter Kontakt mit infizierten Tieren und verunreinigter Umgebung kommt als Übertragungsweg infrage.
  • Wildnager und Vögel können bei Außenhaltung eine Rolle spielen; Futter sollte deshalb geschützt gelagert werden.

Als Inkubationszeit werden häufig etwa ein bis zwei Wochen angegeben. Der Verlauf hängt jedoch von Erregermenge, Gesundheitszustand und Ausbreitung im Körper ab. Ein Tier kann anfangs nur unspezifische Beschwerden zeigen.

Symptome und Verlauf

Die ältere Einteilung in einen stets binnen zwei Tagen tödlichen akuten und einen klar abgrenzbaren chronischen Verlauf ist zu starr. Möglich sind unter anderem:

  • Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Schwäche und gesträubtes Fell
  • Durchfall oder andere Verdauungsbeschwerden
  • vergrößerte oder entzündete Lymphknoten
  • Fieber und Zeichen einer systemischen Infektion
  • Atemwegsbeschwerden, wenn weitere Organe betroffen sind
  • plötzliche Todesfälle bei einem schweren Ausbruch

Keines dieser Zeichen beweist für sich eine Pseudotuberkulose. Bei mehreren erkrankten Tieren oder ungeklärten Todesfällen sollte besonders zügig diagnostiziert werden.

Diagnose

Ein einzelner Kotbefund ist nicht in jeder Situation „zweifelsfrei“. Der direkte Erregernachweis erfolgt vor allem über bakteriologische Kultur oder molekulare Verfahren aus geeigneten Proben. Welche Probe aussagekräftig ist, entscheidet die Tierarztpraxis anhand der Symptome; bei verstorbenen Tieren kann eine pathologische Untersuchung entscheidende Hinweise liefern. Vor einer Antibiotikagabe sollten nach Möglichkeit Proben genommen werden.

Behandlung und Schutz des Bestands

Die Prognose ist bei einer fortgeschrittenen, im Körper verbreiteten Infektion vorsichtig bis schlecht. Eine antibiotische Behandlung kann versucht werden, muss aber anhand von Kultur und Resistenztest sowie der Verträglichkeit für Meerschweinchen ausgewählt werden. Der Begriff „Breitbandantibiotikum“ reicht dafür nicht aus, denn manche Antibiotika können bei Meerschweinchen schwere Verdauungsstörungen auslösen.

Erkrankte oder verdächtige Tiere werden nach tierärztlicher Anweisung getrennt, ohne den Sicht- und Geruchskontakt unnötig aufzuheben. Futter, Einstreu, Hände, Schuhe und Arbeitsgeräte dürfen den Erreger nicht zwischen Gruppen verschleppen. Gehege und Zubehör müssen mit einem gegen den Erreger geeigneten Verfahren gereinigt und desinfiziert werden. Erst nach fachlicher Freigabe sollten neue Tiere einziehen.

Die pauschale Forderung, bei einem Nachweis sofort den gesamten Bestand einzuschläfern, ist fachlich nicht angemessen. Sie hängt vom bestätigten Befund, klinischem Zustand, Ansteckungsrisiko und den Möglichkeiten einer sicheren Trennung ab und muss gemeinsam mit der behandelnden Tierarztpraxis und gegebenenfalls dem zuständigen Veterinäramt getroffen werden.

So gehen wir das Problem an

Bei einem Verdacht reduzieren wir den Kontakt auf die notwendige Versorgung, verwenden getrennte Utensilien, achten streng auf Händehygiene und lassen unverzüglich Proben nehmen. Über Behandlung, Trennung oder das Einschläfern einzelner schwer erkrankter Tiere entscheiden wir ausschließlich nach bestätigter Diagnose und fachlicher Beratung. Diese Schilderung ist persönliche Vorgehensweise und hat keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

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