Merkwürdig aber gesund

Kot fressen beim Meerschweinchen

Meerschweinchen nehmen nährstoffreichen Blinddarmkot direkt auf. Warum diese Zäkotrophie normal ist und wann Kot zum Warnzeichen wird.

Meerschweinchen fressen einen Teil ihres Kots – und das ist ein normales, wichtiger Bestandteil ihrer Verdauung. Dabei handelt es sich nicht um die trockenen Kotbohnen, die im Gehege liegen bleiben, sondern vor allem um nährstoffreichen Blinddarmkot. Er wird meist direkt am After aufgenommen, sodass Halter ihn nur selten sehen.

Warum Meerschweinchen ihren Kot fressen

Meerschweinchen sind Pflanzenfresser und sogenannte Enddarmfermentierer. Mikroorganismen im großen Blinddarm bauen Faserbestandteile der Nahrung ab. Dabei entstehen Nährstoffe, die beim ersten Durchgang nicht vollständig aufgenommen werden können. Durch das erneute Fressen des Blinddarmkots gelangen diese Stoffe wieder in den Verdauungstrakt.

Diese Aufnahme nennt man Zäkotrophie. Sie sollte nicht unterbunden werden, auch wenn sie uns Menschen merkwürdig vorkommt. Ein Meerschweinchen, das sich zum After beugt und anschließend kaut, betreibt also nicht zwingend Fellpflege.

Blinddarmkot und normale Kotbohnen

Die bekannten festen Kotbohnen sind trocken, gleichmäßig geformt und bleiben gewöhnlich im Gehege liegen. Ihre genaue Größe und Farbe hängen unter anderem von Tier und Futter ab. Starre Zentimeterangaben helfen bei der Gesundheitskontrolle wenig.

Blinddarmkot ist weicher und nährstoffreicher. Weil das Tier ihn direkt aufnimmt, findet man ihn normalerweise nicht. Bleibt er liegen oder klebt er am Hinterteil, kann das verschiedene Gründe haben: Das Tier erreicht den After wegen Schmerzen, Übergewicht oder Bewegungseinschränkungen nicht; die Nahrung ist ungeeignet; oder die Verdauung ist gestört.

Wann Kot ein Warnzeichen ist

Form, Menge und Konsistenz des Kots geben wichtige Hinweise auf die Gesundheit. Sehr kleine, unregelmäßige oder deutlich weniger Kotbohnen können zu einer verminderten Futteraufnahme passen. Weicher, breiiger oder wässriger Kot ist ebenfalls nicht normal.

Bis dahin sollte gewohntes Heu und Wasser angeboten werden. Keine abrupte Futterumstellung und keine Medikamente auf eigene Faust: Manche für andere Tierarten üblichen Mittel sind für Meerschweinchen ungeeignet.

Fremdkot als Verdauungshilfe?

Der alte Rat, bei Durchfall oder Verstopfung einfach frische Köttel eines anderen Meerschweinchens zu verfüttern, greift zu kurz. Die Ursache der Beschwerden bleibt dadurch unbehandelt, und mit Kot können Krankheitserreger oder Parasiten übertragen werden.

In besonderen Fällen kann eine Tierarztpraxis eine gezielte Übertragung von Darmmikroorganismen erwägen. Das gehört jedoch in fachkundige Hände und ist kein Ersatz für Diagnose, Flüssigkeitsversorgung, Schmerzbehandlung oder angepasste Ernährung. Bei einem gesunden Tier muss der Halter weder Kot sammeln noch die natürliche Zäkotrophie fördern – das Meerschweinchen erledigt sie selbst.

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