Krusten und wunde Stellen an den Lippen werden bei Meerschweinchen oft als Lippengrind bezeichnet. Dahinter steckt jedoch keine einzelne, eindeutig definierte Krankheit. Verletzungen, bakterielle oder pilzbedingte Entzündungen, Zahnprobleme und ungeeignetes Futter können ähnlich aussehen. Eine Untersuchung ist deshalb sinnvoll, bevor Salben oder Hausmittel eingesetzt werden.
Mögliche Ursachen
Kleine Verletzungen entstehen beispielsweise durch sehr hartes oder kantiges Futter. In geschädigte Haut können Bakterien oder Pilze eindringen. Auch Zahnfehlstellungen, Speichelfluss, Hautpilz und andere Hauterkrankungen kommen als Auslöser infrage.
Die Erklärung, Lippengrind entstehe grundsätzlich durch einen Mangel an Vitamin A, Vitamin C oder Pantothensäure, ist zu pauschal. Meerschweinchen brauchen zwar täglich Vitamin C, doch eine ausgewogene Frischfütterung sollte die Grundlage sein. Vitaminpräparate auf Verdacht können eine Untersuchung nicht ersetzen.
Symptome und Warnzeichen
- trockene, schuppige oder blutig verkrustete Lippen
- Rötung, Schwellung oder kleine Einrisse
- Ausbreitung auf Nase und Gesicht
- Speicheln, langsames Kauen oder fallengelassenes Futter
- Gewichtsverlust oder vollständige Futterverweigerung
Viele Tiere fressen anfangs weiter. Das macht die Veränderung aber nicht harmlos. Schmerzen beim Kauen und Zahnprobleme können unbemerkt fortschreiten. Bei schlechter Futteraufnahme muss das Meerschweinchen noch am selben Tag tierärztlich vorgestellt werden.
Tierärztliche Diagnose
Untersucht werden Lippen, Mundhöhle und Zähne. Je nach Aussehen können Hautgeschabsel, Abstrich, Pilzkultur oder weitere Diagnostik nötig sein. Erst danach lässt sich entscheiden, ob ein antibakterielles, pilzwirksames oder anderes Präparat sinnvoll ist.
Behandlung und Fütterung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Verordnete Salben werden dünn und so angewendet, dass das Tier möglichst wenig davon aufnimmt. Frei verkäufliche Humanarzneien, ätherische Öle und aggressive Desinfektionsmittel gehören nicht an die Lippen.
Säurehaltiges Futter kann offene Stellen reizen und vorübergehend weggelassen werden. Heu, frisches Grün und gut verträgliches Gemüse müssen weiterhin angeboten werden. Sonnenblumenkerne oder Leinsamen sind keine belegte Therapie. Kontrolliere täglich das Gewicht und halte Futter- und Wassernäpfe sauber. Direkte Sonne ist ebenfalls kein Heilmittel; hinter Glas droht vielmehr Überhitzung.
Die Prognose ist bei früh erkannter und passend behandelter Ursache meist gut. Wiederkehrende Krusten sollten erneut abgeklärt werden, statt die vorherige Salbe auf eigene Faust weiterzuverwenden.
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