Test auf Staubfreiheit, Saugkraft, Geruchsbindung, Preis und mehr

Einstreu für Meerschweinchen

Einstreu für Meerschweinchen im Erfahrungsvergleich: Anforderungen, ungeeignete Materialien, Holzspäne, Granulat, Leinenstroh, Cellulose und Hanf.

Natürlich müssen sich erst einmal die Meerschweinchen in der Einstreu wohlfühlen, schließlich stellt sie gleichzeitig Bett, Essenstisch, Fußboden und Toilette dar. Erst nachdem man eine Einstreu gefunden hat, die den Bedürfnissen von Meerschweinchen gerecht wird, sollte man Dinge wie Preis und Entsorgungskosten in die Überlegung einbeziehen.

Da wir seit 2005 hier auf der Website auch ein Meerschweinchen-Forum betreiben, wissen wir natürlich, dass die Frage, welche Einstreu die beste ist, regelmäßig in Glaubenskämpfen endet. Wir haben im Laufe der Jahre unsere eigenen Erfahrungen gemacht. Dieser Artikel ist das Ergebnis dieser Erfahrungen und ausgiebiger Tests.

Anforderungen an Einstreu für Meerschweinchen

An Einstreu werden viele Anforderungen gestellt. Deshalb ist die Frage, welche Einstreu für Meerschweinchen am besten ist, immer auch die Frage danach, worauf man am meisten Wert legt. Wichtig für die Wahl können folgende Faktoren sein:

  • Geruchsbindung: Unterschiedliche Einstreu hat unterschiedliche Eigenschaften bei der Geruchsbindung. Nicht jede Einstreu mit hoher Saugfähigkeit bindet automatisch gut Gerüche, auch wenn das eine häufig das andere begünstigt.
  • Geruchsbildung: Manche Menschen fühlen sich schon durch den Eigengeruch einer Einstreu gestört. Je geringer die Geruchsbildung, desto angenehmer ist sie im Wohnraum.
  • Verbrauchsmenge: Die Verbrauchsmenge ist wesentlich für die späteren Kosten. Natürlich hängt sie vor allem von der Fläche ab, doch es gibt deutliche Unterschiede in der Ergiebigkeit.
  • Saugfähigkeit: Eine gute Saugfähigkeit verlängert die Liegezeit der Einstreu und hilft, nasse Stellen zu begrenzen. Sehr saugfähige Einstreu kann sparsamer sein.
  • Staubbelastung: Einstreu sollte grundsätzlich möglichst wenig stauben. Staubfreiheit ist für die Atmung der Tiere wichtig, verhindert Verschmutzung der Wohnung und kann allergische Reaktionen beim Menschen reduzieren.
  • Volumen und Gewicht: Das Volumen ist vor allem bei der Entsorgung wichtig. Das Gewicht spielt beim Kauf und Tragen eine Rolle, besonders wenn man im vierten Stock wohnt.
  • Preis: Je günstiger, desto besser, wenn der Rest stimmt. Gerade bei großen Gehegen sind Reinigung und Austausch der Einstreu ein hoher Kostenfaktor.

Nicht als Einstreu geeignet

Bevor wir uns der ausdrücklich geeigneten Einstreu widmen, möchten wir einige Warnungen aussprechen. Die folgenden Dinge dürfen nicht als Einstreu in Betracht gezogen werden:

  • Katzenstreu: Katzenstreu ist sowohl als vollständige Einstreu als auch als Bodenschicht unter anderer Einstreu unbedingt zu vermeiden. Meerschweinchen leben die meiste Zeit auf ihrer Einstreu, wühlen darin und fressen dort Heu oder Blinddarmkot. Klumpende Bestandteile und mineralische Zusätze können Verdauung und Atemwege belasten.
  • Zeitungen: Es spielt keine Rolle, ob Zeitungen farbig oder schwarz bedruckt sind. Druckerschwärze gehört nicht in den Magen des Meerschweinchens. Von Zeitungen als Grundschicht, Deckschicht oder Vollschicht sollte man Abstand nehmen.

Welche Einstreu-Arten gibt es?

Für den Meerschweinchenkäfig kommen verschiedene Grundstoffe infrage, die der Einstreu jeweils eigene Eigenschaften geben. Wichtig ist die Verträglichkeit für Meerschweinchen.

Holzspäne / Holzchips

Holzspäne als Einstreu für Meerschweinchen
Einstreu aus Holzchips ist wohl die am häufigsten verwendete Einstreu für den Käfig. Produziert werden die Chips aus Weichholz. Aus dem englischen „softwood“ kommend handelt es sich bei Weichholz in erster Linie um Nadelbäume wie Fichte oder Kiefer; mit etwas weniger scharfer Übersetzung findet man aber auch Birke als Holzchips in Einstreu.

Allen gemeinsam ist eine hohe Saugfähigkeit und ein sehr weiches Bett. Allerdings geht das auf Kosten des Mistvolumens, das bei Holzchips nicht zu unterschätzen ist. Durch die hohe Saugfähigkeit ist auch die Geruchsbindung gut, wenngleich sie verglichen mit Granulat etwas abfällt, weil dort die Sickerung besser gegeben ist.

Weichholz-Granulat

Weichholz-Granulat als Einstreu für Meerschweinchen
Weichholz-Granulate sind wie Holzchips ebenfalls aus Weichholz produziert; meist kommen Fichte oder Kiefer zum Einsatz. Die einzelnen Partikel sind aber deutlich feiner und rieselfähiger, was zu einem glatteren und ebenso weichen Bett führt.

Nach dem Grundsatz, dass rieselfähigere Stoffe eher zum Stauben neigen, staubt Weichholz-Granulat tatsächlich etwas mehr als Holzchips. Die Rieselfähigkeit verleiht ihm aber ein besseres Mistverhalten. Die Saugfähigkeit ist gut, die Geruchsbindung ebenso. Das Granulat neigt außerdem zu leichtem Klumpen, was die Entfernung nasser Stellen erleichtert.

Leinenstroh

Leinenstroh als Einstreu für Meerschweinchen
Leinenstroh kommt wie viele andere Einstreuarten eigentlich aus der Pferdehaltung und ist deshalb häufig in größeren Gebinden erhältlich. Mittlerweile hat Leinenstroh aber längst Einzug in den Meerschweinchenkäfig gehalten. Wie der Name verrät, wird es aus Leinen beziehungsweise Flachs produziert.

Leinenstroh ist sehr fein, kann allerdings auch spitz sein und ist zur Vorbeugung von Augenverletzungen eher für ruhigere oder ältere Tiere geeignet. Außerdem bleibt Leinenstroh an Frischfutter kleben. Dem entgegen stehen hervorragende Eigenschaften bei Staubarmut und Geruchsbindung. Das Mistvolumen ist deutlich kleiner als etwa bei Holzchips.

Buchenholz-Granulat

Buchenholz-Granulat als Einstreu für Meerschweinchen
Buchenholz-Granulat gibt es in unterschiedlichen Körnungen. Wir haben es nur eine relativ kurze Zeit eingesetzt. Durch seine dunkle Farbe verleiht es dem Käfig einen edlen Charakter, fällt hinsichtlich einiger Eigenschaften aber deutlich ab. Zwar ist Buchenholz-Granulat staubarm, doch Geruchsbindung und Saugverhalten sind im Vergleich nicht so gut. Außerdem ist es schwer und bildet ein hartes Bett. Die letzten Reste haben wir nur noch auf Ebenen eingesetzt, die von unseren Meerschweinchen ohnehin selten besucht wurden.

Cellulose

Cellulose-Einstreu für Meerschweinchen
Einstreu aus recyceltem Papier ist eigentlich naheliegend, immerhin bestehen auch viele andere Einstreuarten letztlich aus Holz- beziehungsweise Zellstofffasern. Cellulosestreu bildet trotz seiner vergleichsweise groben Struktur ein noch akzeptabel weiches Bett und ist sehr saugfähig. Dabei ist sie praktisch staubfrei.

Die graue Farbe mit leichter Aschenbecher-Optik ist gewöhnungsbedürftig, zumindest für den Halter. Leider gehört Cellulosestreu zu den teureren Produkten. Die hervorragende Geruchsbindung hat ihren Preis. Dafür kann die Geruchsbildung mitunter ausgeprägt sein: Es riecht nach nasser Zeitung.

Hanfstreu

Die große Stärke von Hanfstreu ist die Staubarmut, was es zu einer echten Alternative zur Fleecehaltung macht. Die Saugfähigkeit ist allerdings nicht ganz so gut und die Ergiebigkeit ebenfalls nicht immer überzeugend. Dafür ist Hanfstreu kompostierbar und meist geruchsneutral.

Ein Nachteil liegt in seiner Natur: Hanfstreu kann relativ spitz sein. Vereinzelt gibt es Berichte von Augenschäden, die auf Hanfstreu zurückgeführt wurden. Wir selbst konnten diese Probleme nicht feststellen. Für uns war vor allem der hohe Preis maßgeblich dafür, dass wir wieder Abstand davon genommen haben.

Strohgranulat

Nicht in der Wertung ist Strohgranulat. Dabei wird die Idee aufgenommen, den Käfig oder die Pferdebox mit Stroh auszulegen, und Stroh in Pellets gepresst. Wir haben schnell davon Abstand genommen, da die relativ harten Pellets kein schönes Bett erzeugen und wir unsere Meerschweinchen nicht sinnbildlich auf einem Schotterplatz leben lassen wollten.

Maisstreu

Auch aus der Wertung gefallen, oder besser gesagt durchgefallen, ist Maisstreu, das wir der Vollständigkeit halber dennoch erwähnen. Maisstreu konnte uns in keinem der wichtigen Punkte wirklich überzeugen. Weder saugte es gut, noch verhinderte es wirksam Gerüche.

Alle weiteren, nicht genannten Produkte haben wir entweder nicht selbst getestet oder lehnen sie aus dem einen oder anderen Grund ab. Wenn du meinst, dass das ein Fehler ist, weil wir die Einstreu schlechthin vergessen haben, freuen wir uns auf einen Kommentar.

Produktvergleich: Einstreu im Test

Alle hier genannten Produkte haben wir im Rahmen unserer Meerschweinchenhaltung selbst getestet. Der Produktvergleich ist somit das direkte Ergebnis unserer Erfahrungen, die wir seit 2003 sammeln konnten. Berücksichtigt haben wir die oben beschriebenen Eigenschaften. Wir haben keine Laborbedingungen oder technischen Kennzahlen verglichen, sondern bewerten aufgrund unserer Haltungserfahrung. Es ist natürlich möglich, dass sich einzelne Produkte im Laufe der Zeit verändert haben.

Erfahrungsbasierter Vergleich verschiedener Einstreu-Produkte für Meerschweinchen
Produkt Allspan bioaktiv Rettenmeier Tierwohl Super Vetripharm Euro Lin Chipsi 28443 Extra Fibrecycle back 2 nature Hugro Hanfeinstreu
Bild Allspan bioaktiv Einstreu Rettenmeier Tierwohl Super Einstreu Eurolin Leinenstroh Chipsi Buchenholzgranulat Fibrecycle back 2 nature Cellulose-Einstreu Hugro Hanfstreu
Typ Holzchips Weichholz Leinenstroh Buchenholz Cellulose Hanfstreu
Geruchsbildung wenig wenig keine wenig mittel keine
Geruchsbindung gut gut gut schlecht sehr gut gut
Ergiebigkeit gut gut mittel schlecht mittel mittel
Saugfähigkeit gut gut gut schlecht sehr gut gut
Staubbelastung hoch mittel wenig keine wenig sehr wenig
Bett sehr weich weich weich hart mittelhart weich
Mistvolumen mittel mittel klein hoch mittel klein
Preis pro kg im damaligen Vergleich 0,60 Euro 0,64 Euro 0,50 Euro 1,13 Euro 1,84 Euro 1,89 Euro

Die Preise bezogen sich auf damalige Gebindegrößen von etwa 20 bis 30 Litern und dienen nur als Einordnung. Einstreu gibt es in unterschiedlichen Gebinden, die einen unterschiedlichen Preis pro Kilogramm aufweisen.

 Natürlich gibt es die einzelnen Einstreu-Arten auch von anderen Herstellern. Wir haben uns in diesem Test auf Produkte bezogen, die wir selbst genutzt oder zumindest getestet haben. 

Fazit und Testsieger

Da der Preis eine der wesentlichen Größen bei Einstreu darstellt, war das Weichholz-Granulat von Rettenmeier bei uns der Testsieger, oder besser: der Preis-Leistungs-Testsieger. Die besten Eigenschaften hatte unserer Erfahrung nach Hanfstreu, da es praktisch geruchslos ist, Gerüche bindet und eine gute Saugfähigkeit hat. Außerdem ist es auf dem heimischen Komposter schnell verrottet. Einzig der deutlich höhere Preis kann je nach Gehegegröße abschrecken.

Klar war für uns auch, dass Buchenholz durchgefallen ist. Fairerweise muss man sagen, dass Buchenholz ursprünglich gar nicht als Einstreu für Meerschweinchen gedacht ist. Die Wertung bedeutet also nicht, dass es ein schlechtes Produkt ist, sondern dass es für diesen Anwendungszweck wenig geeignet war.

Auch das gute Abschneiden von Euro Lin war für uns keine Überraschung. Hier störte uns allerdings, dass das Streu massiv an Tomate, Paprika, Gurke und anderem Frischfutter kleben bleibt, wenn man geschnittene Stücke ins Gehege legt.

Ansonsten haben wir ohnehin nur Einstreu mit in die Liste aufgenommen, von der wir einen Vergleich lohnenswert fanden. Torf, Strohpellets und ähnliche Varianten wären ohnehin durchgefallen.

Alternativen zu Einstreu

Bis heute ist die Haltung von Meerschweinchen mit Einstreu im Käfig sicherlich die am weitesten verbreitete Variante. Seit einigen Jahren nimmt die Haltung mit Fleece spürbar zu. Hierzu haben wir einen separaten Artikel: Meerschweinchen Fleecehaltung.

Auch bei der Außenhaltung kann man auf klassische Einstreu oft verzichten, wenn den Tieren ein ausreichend sickerungsfähiger Untergrund zur Verfügung steht. Außerdem gibt es sogenannte Nagerteppiche, die wie ein echter Teppich in den Käfig gelegt werden können. Aufgrund des hohen Preises fanden sie hier keine Beachtung. Für den Innenbereich bleibt Einstreu für die allermeisten Haltungsarten bis auf Weiteres unentbehrlich.

Austausch

3 Kommentare

Fragen, Erfahrungen und Ergänzungen zum Artikel sind willkommen. Antworten bleiben hierarchisch unter dem jeweiligen Kommentar sichtbar.

  1. Hallo, vielen Dank erstmal für würe Einschätzung, was haltet ihr davon z.B. Strihhranulat als einstreu zu verwenden da es effektiv ist und darüber ein weiches einstreu für die Gemütlichkeit zu nehmen? Saugen die granulate stärger als die Holzspäne?

  2. Hallo!
    habe schon selbst viele Arten ausprobiert und bin bei der Holzspäne geblieben. Ich verstehe nicht dass Hanfstreu bei euch Testsieger ist, wenn 30 Liter (3 kg) Hanfstreu 11 Eur kostet und 500 Liter (!!! 20 kg) Holzspäne zw. 10-12 Eur kostet?? Der Preisunterschied ist doch gewaltig.

    1. Hallo Sanja,

      wie bereits auf facebook geschrieben haben wir bei der Umrechnung einen Fehler gemacht, da wir Liter und kg verwechselt haben – diesen Fehler haben wir zwischenzeitlich korrigiert.

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