Meerschweinchen Nachwuchs: Kastration & Frühkastration
Die Meerschweinchen Kastration oder auch die Meerschweinchen Frühkastration ist ein sensibles und vor allem streitbares Thema, handelt es sich doch um einen folgenschweren Eingriff in das Leben des Meerschweinchen.
Meerschweinchen Kastration & Meerschweinchen Frühkastration
Eines zuerst einmal vorne weg:
Kastrationen dienen nur zur Nachwuchsvermeidung wenn Meerschweinchen Böcke mit Weibchen zusammen leben. Zwei oder mehr zusammenlebende Böcke, die sich nicht vertragen kastrieren zu lassen, bringt in aller Regel wenig bis nichts, da keine Verhaltensänderung nach der Kastration eintritt. Erspart Euren Böckchen und Euch also diese OP und versucht es lieber mit einem erneuten Vergesellschaftungsversuch auf neutralem Boden und viel Platz.
Leben Böcke und Weibchen zusammen, ist es unerlässlich, dass alle männlichen Meerschweinchen kastriert werden. Ansonsten werden die Weibchen immer wieder schwanger. Eine dauernde Trächtigkeit stellt eine große Belastung für die Weibchen dar, so dass es sie nach kurzer Zeit so schwach, dass sie daran sterben können.
Bei Kastrationen unterscheidet man zwischen Kastrationen von geschlechtsreifen Böcken und
Leben Böcke und Weibchen zusammen, ist es unerlässlich, dass alle männlichen Meerschweinchen kastriert werden. Ansonsten werden die Weibchen immer wieder schwanger. Eine dauernde Trächtigkeit stellt eine große Belastung für die Weibchen dar, so dass es sie nach kurzer Zeit so schwach, dass sie daran sterben können.
Bei Kastrationen unterscheidet man zwischen Kastrationen von geschlechtsreifen Böcken und
Frühkastrationen.
Kastration oder Sterilisation?
Eine Kastration bezeichnet das operative Entfernen der Geschlechtsdrüsen (beim Bock die Hoden, beim Weibchen die Eierstöcke und ggf. die Gebärmutter).
Bei einer Sterilisation werden die Samenleiter abgebunden. Bei einem Weibchen würden die Eierstöcke abgebunden oder ein Stück daraus entfernt. In der Praxis werden ausschließlich Kastrationen durchgeführt.
Vor der Kastration:
- Die Operation muss ein kleintiererfahrener Tierarzt durchführen – bitte sucht Euch einen Tierarzt mit Erfahrung!
- Das Tier muss völlig gesund sein.
- 1 Woche vor der OP sollte der Bock vermehrt Vitamin C (durch Frischfütterung) bekommen. Die Narkose scheint dann besser vertragen zu werden.
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Das Meerschweinchen darf keinesfalls nüchtern sein, da sonst die Darmtätigkeit zum Erlieben kommt. Heu und Wasser muss sowohl am Vortag als auch am Tag der OP sowie in der Transportbox vorhanden sein.
Die Kastration:
- Das Meerschweinchen bekommt eine Narkose (Injektionsnarkose oder Inhalationsnarkose, wobei die Inhalationsnarkose auf Grund des geringeren Risikos immer den Vorrang haben sollte).
- Die Hodensäcke werden aufgeschnitten und die Hoden entfernt, die Wunden wird entweder genäht (Fäden lösen sich auf oder werden nach 10 Tagen gezogen), getackert (Klammern werden ebenfalls nach 10 Tagen entfernt) oder sie bleiben offen. Bei einer offenen Wunde muss auf die Hygiene noch mehr wert gelegt werden. Der Vorteil ist, dass Wundwasser abfließen kann und die Wunde von innen nach außen heilen kann. Abszesse können so vermieden werden.
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Die OP selber dauert ca. 20 Minuten.

Hier seht ihr eine zwei Tage alte Kastrationswunde bei einem Meerschweinchen Bock. Die neben dem Penis und Anus liegenden Hoden wurden dabei entfernt. Die Wunden wurden mit jeweils vier Stichen genäht. An der rechten Seite (auf dem Foto links zu sehen) hat der Bock sich zwei Fäden selbst gezogen.
Die Fäden werden normalerweise nach 10 Tagen gezogen oder lösen sich je nach Nahtmaterial selbst auf.
Nach der Kastration:
- Der Bock muss so lange beim Tierarzt bleiben, bis es wach und munter ist. Bis zu diesem Zeitpunkt muss er unter einer Rotlichtlampe oder auf einem Wärmekissen liegen, damit er nicht auskühlt. Außerdem muss er jede 15 Minuten von einer Seite auf die andere Seite gelegt werden, damit die Lunge richtig arbeiten kann. Achtet deshalb darauf, dass Eurer Meerschweinchen wach ist, wenn ihr es abholt. Ist es noch schläfrig, bleibt so lange beim Tierarzt bis es wieder richtig wach ist.
- Meist brauchen die Böcke ca. 24 Stunden um sich komplett von der OP / Narkose zu erholen.
- Der Bock darf nun mindestens drei Tage (je nach Heilung der Wunde) nicht auf Streu sitzen, da sonst Dreck in die Wunde gelangt. Bei mir hat es sich bewährt, eine dünne Schicht einzustreuen und darauf Handtücher zu legen.
- Böcke können nach der Kastration noch bis zu 6 Wochen decken, da sich so lange noch befruchtungsfähige Spermien in den Samenleitern gefinden können. Daher müssen sie diese Zeit getrennt von den Weibchen leben.
- Die Wunde muss jeden Tag auf Rötungen, Schwellungen und austretendes Sekret kontrolliert werden. Auch der Gesamteindruck des Meerschweinchens muss beobachtet werden (Appetit, Gewicht, Schmerzen, Verhalten). Sollte sich die Wunde entzünden, muss sofort der Tierarzt aufgesucht werden.
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Zieht der Bock sich selbst eine Faden, ist dies kein Grund zur Panik. So lange die Narbe nicht wieder aufgeht, ist es nicht schlimm.
Risiken der Kastration:
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Jede Operation birgt Risiken. Zum einen die Narkose. Vor allem bei Meerschweinchen und anderen kleinen Tieren passiert es immer wieder, dass die Narkose nicht vertragen wird. Je älter das Tier ist, desto schlechter wird eine Narkose vertragen. Daher sollte man sich überlegen, ob es sinnvoll ist, ein älteres Tier kastrieren zu lassen. Besser ist es dem Bock dann einen anderen Bock als Gesellschaft zu holen. Bisher hatten meine Tiere bei keiner Narkose Schwierigkeiten.
- Die andere Gefahr ist die Abszessbildung an der Narbe. Diese Eiterabzesse gehen entweder von selbst auf oder müssen durch den Tierarzt geöffnet werden. Wieder zu Hause muss der Abzess dann 3 mal täglich ausgedrückt und gespült werden. Vorsicht: der Eiter stinkt! Am besten Handschuhe tragen. Außerdem wird der Tierarzt sehr wahrscheinlich mit Antibiotika behandeln.
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Durch ausreichende Hygiene bei der OP und nachher im Käfig kann das Risiko einer Abszessbildung jedoch gering gehalten werden.
Nachteile der Kastration in geschlechtsreifem Alter:
- Trennung von Weibchen vor der Kastration und bis zu 6 Wochen danach
- Größeres Narkoserisiko als bei jungen Böckchen
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Höheres Infektionsrisiko als bei jungen Böckchen
Frühkastrationen bei Meerschweinchen Böckchen / dem Bock
Frühkastrationen werden vor der Geschlechtsreife im Alter von ca. 3 Wochen und einem Gewicht von ca. 250 g durchgeführt. Ich habe meine Sokrates auch frühkastrieren lassen und kann es jedem nur empfehlen. Er brommselt übrigens trotzdem rum und umwirbt die Weibchen.
Vorteile der Frühkastration:
- Geringeres Narkose- und Infektionsrisiko
- Die Gefahr von hohem Blutverlust wird gemindert, da die Geschlechtsregion noch nicht voll durchblutet ist
- Keine Trennung von der Mutter und den Geschwistern, so dass sie in der Gruppe aufwachsen können
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Schnellere Erholung nach der OP, meist nur ca. 4 Stunden
Kastrationen bei Meerschweinchen Weibchen
Kastrationen bei Weibchen sind selten. Soll Nachwuchs verhindert werden, wird immer der Bock kastriert, da der Eingriff bei Böcken einfacher und komplikationsloser ist. Es gibt jedoch Umstände, die eine Kastration eines Weibchens notwendig machen (z.B. Eierstockzysten, starke hormonelle Probleme, Vereiterung der Gebärmutter). Eine Kastration sollte jedoch nur in medizinischen Notfällen erfolgen, da die OP am offenen Bauchraum erfolgt und somit um ein vielfaches risikoreicher ist als eine Kastration bei einem Bock.
Bei einer Kastration beim Weibchen werden die Eierstöcke oder die Eierstöcke und die Gebärmutter entfernt, je nach Diagnose.
Die Kastration:
- Wie auch bei den Böcken wir eine Kastration bei Weibchen nur unter Vollnarkose gemacht. Die OP dauert ca. 90 Minuten.
- Operiert wird durch den Rücken. Die stecknagelkopfgroßen Eierstöcke werden entfernt, evtl. werden auch die Eileiter entfernt.
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Die Narbe wird zumeist genäht, die Fäden nach 10 Tagen gezogen.
Für die Zeit nach der OP gelten die selben Regeln wie bei den Böcken.
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